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Der Israelit · 1886-08-05 · Heft 62 (5.8.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 62 (5.8.1886)
Date
1886-08-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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72 Fäden gedrehten heiligen Schnur (Kosti) umgttrtet werden. Die Sndra legte nun HerrKoschrn eigenhändig feittcui Sohne an und ermahnte er ihn dabei, zugleich, seine Seele stets so rein und so fleckenlos, wie sein neues Kleid es ist, zu erhalten. Die heilige Schnur hingegen wurde von dem Destur um den Leib des Knaben gewickelt, wobei er zugleich vier Knoten in derselben machte. Nach dem Schlingen eines jeden Knotens legte er seine rechte Hand auf die rechte Schulter des Knabens, küßte ihn auf die Stirne, und citirte einen Glaubensartikel- So-sagte er beim '.ersten Knoten: „Es gibt nur Einen Gott, dem Keiner zu vergleichen ist" beim zweiten: „Die Lehren, die uns Zara-Thustra gebracht, sind die alleinig wahren" beim dritten: „Zara-Thustra ist der wahre Bote Gottes. Es?ab vor ihm keinen solchen und nach ihm wird es einen solchen mehr geben" und schließlich beim vierten Knoten: „Vollführe nur Gutes und meide das Böse." Ich sah so, daß die Lehre Zoroaster'Z das Dasein "eines einzigen ewigen Wesens verkündet und den Götzendienst verdammt. Ueberhaupt erzählten mir die Juden Wesirs sehr schöne Charakterzüge von den Priestern der Parsen und ihrer toleranten Gesinnung gegen unsere Glaubensbrüder. So befinden sich viele Grundstücke dieser Priester in den Händen der Juden, welche dieselben bearbeiten und dafür einen Pachtschilling an ihre Eigenthümer zahlen. Kann der Jude den Pachtschilling nicht zur gehörigen Zeit erlegen, so wird ihm derselbe von dem Priester aufs bereitwilligste gestundet. Die Parsen, selbst deren Priester, laden sehr häufig die Juden zu ihren Familienfesten ein, wobei sie denselben, um deren religiöse Gefühle zu schonen, mir Weißbrod, Früchte und Scherbet vorsetzen. Ich sprach mich sowohl Herrn Koschru, sowie auch dem Destur gegenüber sehr anerkennend über ihr Verhalten und das ihrer Glaubensbrüder den Juden gegenüber aus , und versprach zugleich, dies durch ein deutsch-jüdisches Blatt zur Keuntniß des gebildeten Abendlandes zu bringen. Es ist immerhin erfreulich zu sehen, daß während die Juden von den Perfern im Allgemeinen gehaßt und verachtet, sie von den Parsen wieder als deren Brüder betrachtet und behandelt werden. Freilich darf man nicht vergeffen, daß auch die Parsen von den Persern, welche in denselben nur Götzenanbeter sehen, gehaßt und verachtet werden, und so brachte der religiöse Druck, unter dem sowohl die Juden, wie auch die Parsen in Persien zu leiden haben, beide Religionsparteien, die sich früher aufs Heftigste bekämpften, näher aneinander und machte sie zu Brüdern. Was nun fpeciell die 1074 jüdische Gemeinde in Wesd anbelangt. so zählt dieselbe bloö einige Familien, deren Oberhäupter gewöhnlich Kanfleute oder Makler sind. Handwerker oder Ackerbauer fand ich unter denselben keine, ebenso auch keinen auch noch so unbedeutenden jüdischen Gelehrten. Da die Mittel der Gemeinde es nicht erlauben, so hält sie sich auch keinen Rabbiner, dessen Functionen nur von dem Schächter versorgt werden. Dagegen besitzt sie eine kleine Synagoge der man ein hohes Alter nachrühmt. Auch dre alte cnso (Schriftrollen) besitzt die Gemeinde, von denen eines noch aus der Zeit der Mongolenherrschaft in Persien stammen soll. Neben der Synagoge befindet sich zugleich auch die Wohnung des Schächters, in der ein Zimmerchen mit einem Loche in der Wand als Schulzimmer dient. Der Schächter und sein Zweitältester Sohn, der älteste ist Makler, theilen sich nun in das Amt eines Lehrers, doch beschränkt sich der ganze Unterricht blos auf das Hebräischlesen und das Schreiben in persischer Sprache. Das Rechnen, sagte mir der Schächter naiv^ erlernen die Kinder schon, zuhause bei ihren Eltern, "gegen'welche pädagogische Ansicht ich als Laie nicht kämpfen wollte. Uebrigens ist das Gehalt dieses Schächters so bedeutend, daß er immerhin für dasselbe genug leistet. Feuilleton. Wichset. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „In welcher Weise," sprach der Bürgermeister, „wollen Sie dies verhindern? Wenn Sie auch so unklug sein wollten, gegen meinen Auftrag bei der nächsten Oberbehörde, dem Kreisamte zu recurriren, so würde Ihr Rekurs keine hemmende Wirkung haben. Die Erledigung des Kreisamtes ließe länger auf sich warten als Ihnen lieb wäre. Es müßte vor Allem ein Bericht von mir abgesorderr werden, und ich würde mich, wie Sie begreifen werden, mir diesem nicht übereilen. Bevor die Entscheidung erfUcBt, _i|t der Knabe längst über die Staatsgrenze geschafft . — Es ist geradezu lächerlich von Ihnen, etwas von mir erzwingen zu wollen. Ich. mache Sie in Ihrem und im Jntereffe Ihrer Gememde darauf aufmerksam, daß Sie in allen jenen Fällen, wo Sie die eiserne Nochwendigkeir zwingt, eine ge-

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