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Der Israelit · 1886-08-05 · Heft 62 (5.8.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 62 (5.8.1886)
Date
1886-08-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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V 1073 Ken auch viele Persen in Md Darjesch (cnm), ein Name, der von den (Griechen, die cs bekamttlich Liebten, die fremdsprachigen Namen umzilgestalten und ihnen einen schöneren Klang zu geben, in Darms umgewandclt wurde. Die heutigen Perser, d. h. die moharnedanichcn, nennen dagegen den Darjawesch der Bibel blos Lara. Ich freute mich nun sehr über meine neue Bekanntschaft, da ich von derselben auch einige nähere Mitthcilungen über das Leben und Treiben der Parsipriester in dieser Stadt (in Jesd leben heute circa 5000 Feueranbeter, die daselbst 34 Tempel mit ungefähr 200 Priester besitzen), die fortwährend ein stilles und zurückgezogenes Leben führen, zu erfahren, mir versprach. Ich pflegte nun jeden Abend, so lang ich in Jesd weilte, meinen ehrwürdigen Freund. Herrn Korschu zu besuchen; er hingegen war nicht zu bewegen, das Haus des Herrn Scharukini in dem man das Feuer, sein Symbol der Gottheit, ohne jeglichen Segensspruch anzündete und auslöschte zu betreffen. Auch fürchtete er, es könnte während seiner Anwesenheit in dem Hause des jüdischen Kaufmannes, in dem mehrere Parteien wohnten, der Tod eines Menschen oder Thieres rasch erfolgen, ohne daß man ihn sogleich davon verständigen würde, was seiner priesterlichen Reinheit ungemein schaden müßte. Mir war es indeß jedenfalls lieber, daß ich zu dem Priester ins Haus gehen und so sein ganzes Thun und Lagen gehörig beobachten konnte. Sehr interessant war es daher zu sehen, wenn in der Gemeinde ein Knabe oder ein Mädchen geboren wurden, wie die Eltern desselben sogleich zu dem Priester eilten und ihn ersuchten, ihrem neugeborenen Kinde das Horoskop zu stellen. Zugleich überreichten sie dem Priester irgend einen Geldbetrag, oder einige Brode, oder einen Topf mit Honig oder Butter 2c. als Entlohnung. Herr Koschru pflegte dann gleich nach Einbruch der Nacht in den Garten zu gehen, sich dort unter einen von ihm zu diesem Zwecke geweihten Baum zu setzen und. von hier ans dann den Stand der Gestirne zu beobachten. Er noürte sich seine Beobachtungen auf eine lange Schiefertafel, ans denen er dann feine Schlüge in Betreff der Zukunft des Kindes. zog. Uebrigeus lag Herrn Koschru bei der Stellung des Horoskops jeder Schwindel gänzlich ferne, da er von der Wahrheit seiner Kunst aufs innigste überzeugt war und an dieselbe fest glaubte. Diese sonderbare Beschäftigung des Priesters erinnerte mich lebhaft an die Warnung Mosis vor den ouijrr, unter welcher Bezeichnung derselbe vielleicht die Astrologen, die Sterndeuter, die auch bei den alten Egyptern in hohem Ansehen standen, verstand*). Herr Koschru, der übrigens die Bibel, die er in der persischen Sprache gelesen, so ziemlich kennt, machte mich nun eines Tages darauf aufmerksam, daß es zur Zeit des ersten Tempels auch unter den; Israeliten viele Feuer- und Sonnenanbetcr gab und berief er sich auf Könige II. Eap. l7, L. 17. und auf Jeremias Eap. 44, V. 17. Ich gab ihm nun einigermaßen Recht, wies jedoch zugleich nach, daß die Propheten stets eifrig gegen den Feuer- und Sonnencultus gekämpft haben, da das Judenthum kein Symbol der Gottheit, unter welcher Form immer duldet, aus Furcht, dasselbe könnte dann Anlaß zu einem Götzencultus geben. Später geleitete ich oft Herrn Koschru auch zu dem Dcstur (Oberpriester) sämmtlicher Parser, der Jgil heißt und für sein Amt ein junger Mann ist, da er kaum dreißig Jahre zählt. Er besitzt eine große Sammlung altpersischer Handschriften, darunter auch ein noch gut erhaltenes Geschichtswerk aus den Negierungstagen des Königs Siruz Schabur (-o? ins), dem Freunde des berühmten Amora (s-nas) Samuel, denr ich nun die interessante Notiz entnahm, daß dieser König die Absicht hatte, einen Feldzug nach Palästina zu unternehmen, um Jerusalem zu erobern und den heiligen Tempel wieder in seinem alten Glanze entstehen zu lassen, denselben aber zum Hauptsitze des Fenercultus zu machen. Im :nmp ’anp (Allerheiligsten) hätte ein mit Edelsteinen belegter goldener Altar stehen und auf demselben dann das ewige Feuer lodern sollen. Ein jedoch in Mesopotamien plötzlich ausgebrochener Aufstand hinderte Firuz Schabur an ^er Ausführung seines kühnen Planes. Indeß: 'i nsa ns: nrrn: es war dies gewiß eine Bestimmung des Allmächtigen, damit der heilige Tempel nicht noch eine neue Schändung erleide. Es wäre jedoch sehr interessant, sämmtliche Manuscripte dieses Oberpriesters wissenschaftlich zu durchforschen, da man darin noch manches Interessante aus der Geschichte der Juden in Persien und Mesopotamien 'erfahren müßte. Einige Tage vor meiner Abreise von Aesd wohnte ich auch im Hause des Destur einer seltenen Eeremonie an. Der älteste Sohn des Herrn Koschru hatte sein siebentes Lebensjahr erreicht und sollte er daher nach den Satzungen Zoroaster's (der Stifter der Religion der Feueranbeter hieß eigentlich Zara-Thusira, aus welchem Worte die Griechen dann den Namen Zoroaster, die Araber und Perser wieder Zerduscht machten) mit dem weißen Rocke (Sudra) bekleidet und mit der aus *) Nach unseren Kommentatoren bedeutet T2VT eine Zauberer, der einen Lhierknochen in den Mund nimmt und weissagt.

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