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Der Israelit · 1886-08-02 · Heft 61 (2.8.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 61 (2.8.1886)
Date
1886-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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der herrschenden Nation, die, mit Beziehung, die Lage unserer Glalibeilsgelwsscll unleiolich, unhaltbar machen. Diese Zustände sind es, welche, die uralten ersetzend. den Gedanken nahelcgcn sich umzuschen, ob in dieser großen Welt nicht noch ein Fleckchen vor- .Händen, aus welchem namentlich unsere Bruder sich ruhig medcrlassen können. Wie die Israeliten früher durch die Ucbermacht von Per fo n en gezwungen wurden neue Wohnsitze zn beziehen, ohne daß sie danach gefragt wurden, ob sie ihnen Zusagen oder nicht, so sind sie jetzt durch die Uebermacht der Verhältnisse und des Ganges der Dinge in der Nothwcndigkcit, immer wieder neue Wohnorte zu nehmen. Der Unterschied von einst und jetzt ist indeß ein großer, sehr in Betracht zu ziehender. Darin ist eine Aenderung zu ihrem Vortheil eingetrcten. Während sie nämlich in alten Zeiten dahin gehen mußten, wohin die Machthaber — Babylonier, Perser, Römer u. s. w. sie versetzten, (in unserer Zeit hält noch Rußland durch seine israelitischen Kolonien, Ansiedelungsrayons, Verschickungen u. s. w. daran fest); während sie im Mittelalter von einem Orte oder Lande ausgewiesen, - in anderen nicht ausgenommen wurden, — haben sie jetzt die freie, wenn auch durch Umstände herbeigeführte Wahl zu gehen und auch zu kommen. Sie können sich niederlassen, wo sie wollen, bestinnnte Wohnplätze werden ihnen nicht angewiesen. Aus diesem Grunde aber können sie auch vorheralle die Umstände in Betracht ziehen, die bedingt werden durch das Aufgeben altgewohnter Orte und das Sicheinleben in neue, gänzlich unbekannte Verhältnisse eines fremden Volkes. Sie können vorher in Erwägung ziehen, ob dieses , durch seinen Ursprung und Entwicklung vielleicht geartete Volk ihnen zusagt: ob dieses oder jenes Land, diese oder jene Stadt ihnen einerseits die Ruhe geben wird, nach der sie sich sehnen, andererseits', ob sie zu ihrem Lebensunterhalt und Fortkommen das bieten werden, was ihnen unentbehrlich und wünschenswerth erscheint. - So einleuchtend dies ist, so wenig indeß bedenken-die meisten Auswanderer, wohin sie ihre Schritte lenken. Sie lassen sich von dem großen Strome mit fortreißcn, der selber noch kein . feste« Bette hat. Sie gehen nach wenigen bekannten Punkten, weil (!) schon viele Andere vor ihnen dahin gegangen sind. Sie bedenken nicht, ob noch für sie Platz vorhanden, und daß ihr Nachschub — und dieses müßte jeder Einzelne für sich erwägen — die Ledensbcdingungen der ncuzllwählendcn Heimat!» verschlechtern Jutife einen neuen Wechsel nothwendig lundtcn können. Dieser Sorglosigkeit aber, ich möchte sagen: Diesem Leichlsinue entspringt eine zweite Ursache des Wandertriebes der Israeliten, nämlich die in letzten Jahren unter ihnen hereingebrochene Armutch. Auch ein weiterer Grnrld ist durch den Masicnzuzug gegeben zur Entstehung antisemitischer Gesinnungen, selbst in Ländern, wo sie am wenigsten zu erwarten, auch am wenigsten berechtigt sind. Zieht man die Summe von dein, was ich bis hierher gesagt, so wird Jedermann erkennen und sich sagen müssen: überall, wo größere Ansammlungen von Glaubensgenossen &e»h da auch entsteht Antisemitismus, da aber herrscht unter ihnen Armuth und Elend und der Drang ihre moralische und ^materielle Lage durch Auswanderung zu derbe gern. Man ziehe die Nutzanwendung ans unserer uralten und zeitlichen Volksgeschichte und überall werden diese Thatsachen vor die Augen treten. Wer aber die Folgen vermeiden will, beseitige die Ursachen. In dein folgenden Aussatz werde ich unter weiterer Ausführung an der Hand feststehender Zahlen versuchen die Süchtigkeit meiner Ausstellungen nachzutveifen, auch die Grundsätze und die Art angebcn, nach welchen das Auswanderu am vernunftgcmäße- . stcn gestaltet und mit Erfolg bewirkt werden kann. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bad Kissknge», 28. Juli. Bekanntlich hat in jüngster Zeit die von einigen Thierschutzvereinen ins Leben gerufene Agitation gegen das rituelle Schlachten die Gemüther der Israeliten Deutschlands und auch anderer Länder in nicht geringe Aufregung versetzt. Unser Tistrictsrabbiner Herr Bamberg er richtete an den zur Badekur hier weilenden R eichskanzler, den Fürsten Bismark, eine Eingabe, in welcher er darstellte, daß die bei den Israeliten übliche Schlachrmethode durch das Religionsgesetz geboten und daß dieselbe von den größten Autoritäten auf dem Gebiete der Thierarzncikunde als die beste und schmerzloseste anerkannt sei. Heute wurde der Herr Rabbiner zn dem Geheimen Oberregrerungsrath Dr. Rothenburg besch ied en, welcher im Namen Seiner Durchlaucht, deS Reichskazlers, die Versicherung gab, daß dieReichsregirung

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