Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1886)
- Date
- 1886-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1054 Mark erhält. Aber eS darf kein Mensch erfahren — und der Reiche weigert sich zu helfen! Welchen Werth hat nnn die Wohlthätigkeit dieses Mannest Sie ist mehr sündhaft als tugendhaft, da sie ja nur dazu dient, seiner Eitelkeit zu fröhnen. — Wir wolle» damit die öffentliche LiZohlthütigkeit nicht herabsetzen; auch sie hat ihr Gutes; sie wirkt beispielgebend und anregend. Aber auch nur zu diesem- Zwecke darf sie öffentlich geübt werden; dann geschieht auch sie cap ec?. Auch die geheime Wohlthätigkeit kann manchmal D’cs? cnk-vb# geschehen, wenn sie nämlich durch eine übelaugebrachte Sparsamkeit veranlaßt wird. So Jemand seinen Namen nennen würde, müßte er, seinen Berhältniffen entsprechend, mehr geben, und deßhalb zieht er cs vor, sich in den Mantel der Anonymität zu hüllen. Eine große Charakterschwäche zeigt Derjenige, welcher sich vor seinen Mitmenschen aus Furcht vor Spott und Hohn schämt, zu thun was gut und recht ist. Diese Charakterschwäche zu überwinden, ist manchmal sehr schwer, namentlich in unsrer Zeit, zumal, wen» es sich um solche Dinge handelt, die in den Augen der Menschen geringfügig erscheinen. Unter den uns obliegenden Pflichten gibt es solche, die spezifisch jüdisch sind.' Diese nennt die heilige Schrift rvny, Zeugnisse; sie bezeugen die spezielle Gottangehörigkeit des lüdischen Volkes. Sie sind es namentlich, welche den Spott Andersgläubiger oder-der Abgefalleueu aus unsrer eigenen Mitte Hervorrufen. Derjenige, welcher alle seine Thatcn znr Verherrlichung des göttlichen Namens thut. muß diesen Spott und diesen Hohn ertragen lernen und glcichmüthig hknnehmen. Noch mehr fordern die dwi, die Satzungen, deren Grund wir nicht kennen, den Spott und den Hohn heraus; ja, mehr als das, sie reizen zum Widerspruche der außerhalb des Ncligionsgrsctzes Stehenden und werden von ihnen geradezu als unvernünftig erklärt. TieserWidcrspruch ist um so gewichtiger, da er auch von den Vornehmen, den Fürsten, den Männern der Wissenschaft erhoben wird. Das war so zu allen Zeiten, und schon König David har dem hier ausgesprochenen Gedanken (Psalm 119 B. 22—23) Ausdruck verliehen : - c-ssr T2Er ci /msa .jrtj? *3 ,rai nsnn ^ya b: :T?m rrar -pay jrßro *3 ^Wülze ab von mir Schmach und Verachtung, weit deine Zeugnisse ich bewahrt habe. Selbst wenn sich niedersetzen Fürsten, die wider mich sich miterredm — Dein Knecht wird verkünden Deine Satzungen.-König David betet hier, daß er lerne. Schmach und Verachtung zu ertragen, die ihm m Folgender Beobachtung der spezifisch-jüdischen Gesetze entgegengebracht werden. Schlimmer noch ist es in Bezug ans die D'pn; Fürsten setzen sich nieder, um ihm das nach ihrer Ansicht Unvernünftige derselben vorzudemonftriren; er aber läßt sich nicht beirren; er bekennt sich öffentlich zu den Satzungen des allmächtigen Gottes, selbst wenn er deren Gründe nicht erkennt und nicht zu erweisen vermag. So verfuhr König David, und so muß Jeder verfahren, wenn er die Gottcsgebote ctf*?'2L' erfüllen will. Was ist der Menschen Hohn und Spott im Vergleiche mit dem Wohlwollen des allmächtigen Gottes? Mögen auch Fürsten, hochgebildete Männer, Herrscher auf dem Gebiete des Wiff .is sich nicdersetzen und ihre Gründe Vorbringen gegen die Satzungen Gottes — wohl können wir diese Gründe nicht widerlegen; aber wir wissen, daß diese Satzungen von Gott stammen, dem Inbegriffe aller Weisheit, und wir machen sie zur Nichtschnnr unsres Thuns Q'car cs£. Was ist der Menschen, auch der gelehrtesten. Wissen in Anbetracht der Weisheit des allmächtigen Weltenschöpfers? Ist ja das Weltall, das durch sein Wort entstanden, der Geheimnisse voll, die wir nicht zu verstehen, nicht zu begreife« vermögen. Er hat den Erdball auf ein Nichts gehängt p» nSm na *2 by und läßt ihn seinen Kreislauf mit der größten Genauigkeit vollbringe». Er hat den Sonnen, Sternen und Monden ihre Bahnen vorgcschrieben, Er läßt in einem winzigen Wastertropfen ckanscnd lebendige Thierchen wohnen, und wir wipen nicht wieso und warum. Aber, das wissen wir> daß Alles Seiner Weisheit. entspringt, und ebenso die Satzungen, die Er gegeben , wenn wir auch deren Gründe nicht zu erforschen vermögen. Und wir sollten uns der Erfüllung dieser Gebote, schämen? Nein, wir müffen uns' in hingebungsvoller Demuth der Weisheit unsres Gottes unterordnen; den uns verspottenden Menschen aber gegenüber sollen wir mit Stolz daraus Hinweisen, daß Alles, was wir thun, a-ar zur Verherrlichung des göttlichen Namens geschieht. (Fortsetzung folgt.) -—Israel auf der Wanderschaft. Betrachtungen und Narhschläge. Bon Dr. E. 3». Tormann.*) L Im Nachstehenden nehme ich mir vor, den geschätzten Lesern dieses Blattes Betrachwngen und *) Unser dairefiwnbatt für Rumänien.