Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1886)
- Date
- 1886-08-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449658--24743-2514560- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVII. I-Hraaug. MM. Der Äsr Ein KenLrak - Hrgan für das orthodo.re Judenthum. Herausgegeben von ür. Lehmann in Mainz. Montag, den S. Autzust 5646 (1886). Leitende Artikel. Die Sprüche der Däler. 11. Buch, zweite Abtheilnng. Mainz, 29. Juli. zsmv nzh '’.t yvyz by „Hub alle deine Thaten mögen geschehen in reiner Absicht (zur Verherrlichung des göttlichen Namens)." Maimomdes hat den vorstehenden Satz zur Grundlage des fünften Kapitels seiner Ethik, die er als Einleitung zu unsrer Maßechtha geschrieben, gemacht. Er führt darin aus, daß es die Aufgabe des Menschen, der nach der höchsten Vollkommenheit strebt, sei, sich ein Ziel zu setzen, nämlich das, ui allem seinen Denken und Fühlen, und namentlich in seinen Thaten, Gott sich zu näheren, derart, daß in der Menschen-Thätigkeit sich nichts mehr finde, was nicht diesen! einen Ziele zustrebt. Denselben Gedanken führt Rabbi Schimeon ben Zemach Duran in volksthümlicher Weise aus, und ihm wollen wir in der nachstehenden Betrachtung folgen. ' Alle deine Thaten mögen geschehen zur Verherrlichung des göttlichen Namens! Alle Thaten des Menschen kann man in drei Claffen emtheilen: 1) die Erfüllung der göttlichen Gebote, 2) die Ucbertretung derselben, 3) Thaten, die weder das eine noch das andcrc zu sein scheinen, sondern von den Menschen als irr Bezug auf unser Verhältniß zu Gort gleichgilttge Dinge betrachtet werden, wie Epen, Trinken, Schlafen, Spazierengehen n. s. w. Sogar die Mizwoth werden nicht immer zur Verherrlichung des göttlichen Namens vollbracht. Der Eine betrachtet sie als eine Last und vollbringt sie in unwilliger Weise; der Andere vollzieht sie mit Ostentation und sucht dadurch in seinen Kreisen Ruhm und Ehre zu erlangen; der Dritte schämt sich der Vollziehung der Gottesgebote, fürchtet sich vor dem Spotte der Leichtfertigen oder vor dem mitleidigen Lächeln überlegen sich dünkender Geister, und thut heimlich und verstohlen, was Gott zu thun geboten. Alle drei sind nickt auf dem reckten Wege. Die Erfüllung eines jeden Gottesgebotes soll eine Heiligung des Menschen zur Folge haben, und diese kann nur stattfinden, wenn man das Gottesgebot gern- und freudig erfüllt, wenn man es nicht als eine Last, sondern als ein Glück bettachtet, den Namen Gottes auf Erden heiligen zu dürfen. — Nicht minder unrecht thut der Andere, welcher sich eines gottgefälligen Lebens befleißigt, um dadurch Ruhm und Ehre bei den Mitmenschen zu erlangen. Sein Thun wird-der Lauterkeit entbehren, ans welcher die Erfüllung der Gottesgebote hervorgehen soll. Was er vollbringt, thut er nicht D'cr 026, sondern nrsan ds£, um den Beifall der Menge zu erzielend Seine Frömmigkeit wird sich nicht bewähren, wenn Eitelkeit und Ruhmsucht nicht dadurch Befriedigung finden. Wir wollen das an einem Beispiele klar machen. Zu einem im Ruse der Wohlthätigkeit stehenden, reichen Manne kommen die Abgesandten eines Eomitü's, die für irgend einen Vohlthängen Zweck sammeln. Der reiche Mann empfängt sie mit der größten Artigkeit und zeichnet eine bedeutende Summe. Es kömmt ja in die Zeitung, und alle Welt wird den wohlrhätigen Reichen preisen! Bald daraus kömmt zu demselben Manne ein Verwandter, der noch überdies sei» Jugensrennd und Sckmlkamerad war. Der Arme befindet sich in der größten Verlegenheit; sein Credit, seine Existenz sind gefährdet, seine Familie geräth in Roth, wenn er nicht sofort einige hundert