Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1886)
- Date
- 1886-07-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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IQ4U eilt schön gebautes Hans gesehen haben, das Gabriel de Acofta besaß und das er von seinem Later geerbt hatte. Derselbe war nicht von altchristlicher, sondern von rein jüdischer Herkunft, sogar aus dem Stamm Levi, den der Herr, nach der Verordnung von Malki-Sedck (?) zum Priesterthnm auserkoren. Doch war sein Later, als völlig Dom Manuel die Juden zur Taufe zwang, aus Furcht abtrünnig geworden und hatte die Gottlosigkeit auch auf seine Kinder ausgedehnt, llriel da Costa wurde nach Weise der Heiden erzogen und übte sich öffentlich in Spielen, Reiten, Wettrennen u. s. w. Die Priester seines Landes sorgten für seine streng katholische Erziehung. So lebte er denn auch treu und gewissenhaft den Vorschriften seiner Kirche nach, ängstlich, wie Jemand, der vor der ewigen Verdammuiß zittert. Doch wurde sein Geist manchmal von Zweifeln gepackt und es erschien ihm beinahe unmöglich, allen den Vorschriften nachleben zu können. Hierdurch verfiel er in peinliche Unsicherheit und begann an feinem Seelenheil zu zweifeln. Nun wurde er trüb und schwermüthig, und wie groß auch das Opfer ist, wenn Jemand sich von der Religion losmachcn wlll, in der er einmal geboren ist, und die schon in den zartesten Kinderjahren im Herzen Wurzeln geschlagen hat, so vermochte er doch in dem Gottesdienst, dem er anwohnte, keinen Trost zu finden, keine Kraft aus ihm zu schöpfen. Aufmerksam geworden durch den großen Unterschied zwischen christlicher und jüdischer Lehre, wiewohl beide behaupten, aus einer und derselben Quelle geschöpft zu haben, machte er das Alte Testament zu seinem Häuptstudium, und da seine Ueherzeugung war, daß das Christenthnm, selbst in feinen Hauptgrundlehren, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben, sich mit demselben in Widerspruch befanden, so beschloß er, die Lehre Mofis anzunehmen, wie dieser sie unmittelbar von der Gottheit empfangen. Wie ein zweiter Abraham verließ er nun das Land seiner Geburt und das Haus seines Vaters , opferte Vermögen, Ansehen und Ehre, da er auch die Würde eines Schatzmeisters der Domkirche von Oporto bekleidete, und schiffte sich so geheim als möglich mit seiner Mutter und seinen Brüdern nach Holland ein. Nach einer sehr langen und mühseligen Reiseglückte es ihm endlich, den Fuß auf Amsterdamer Boden zu setzen. Hier ließ er sich in den Bund Abrahams aüfnehmeu und schloß sich uns als Glaubensbruder an. Gabriel (als Jude ließ er sich llriel nennen) wurde allgemein als ein ziemlich gelehrter Manu bedachtet, da er früher in seinem Vaterlande Rechtswissenschaft studirt und dieselbe auch praktisch ansgeübt hatte. Doch war sein Wissen hauptsächlich ein profanes, von weltlicher Art und verführerisch, mehr geeignet, ihn stolz zu machen, als ihn zu befriedigen und auf den rechten Weg zu bringen. Alle Dinge suchte er nach seiner Rede und nach seinem Urtheil zu erforschen und zu bemessen nach Art der Schcinprophcten, die von betrüglichem, lügenhaftem Geiste erfüllt sind. Dazu war sein Gemnth ungebunden und hartnäckig im Guten, wie im Schlechten. Verblendet in seiner Wildheit war er andererseits wiederum sehr entgegenkommend und so mitleidig sogar, daß er mehrmals seinen Thränen freien Lauf ließ, wenn er sah , wie schwer die Schwachen und Bedürftigen durch den Druck der Uebermüthigcn und Neichen zu leiden haben. Leider legte er, verstrickt wie er war in die Eitelkeit des Irdischen, zu viel Werth auf falschen Schein, Selbsterhebung, auf Ehrenbcweise von Seiten der Ungläubigen. Er war ein launenhafter Mann, der sich leichtsinnig an außerordentliche Gegenstände wagte und nicht leicht in die Gedanken Anderer sich zu finden vermochte. Da er das größte Vertrauen auf sich selbst hatte. Alles in dem matten Lichte seiner eigenen Vernunft erblickte, auch, dem besseren Urtheil der Aeltesten seines Volkes und Glaubens kein Ohr lieh, so wurde er ein Verächter des babylonischen wie des jerusalemitischen Talmud. Ja er entblödete sich nicht, beide öffentlich zu beschimpfen und zu lästern. Auch trieb er öffentlich Spott mit dem Buche Sepher Jetzierah (einem kabbalistischen Werke), nannte dasselbe abergläubisch und erklärte, an die mit Hilfe desselben zu vollbringenden Wunder nicht zu glauben. Seine Unverschämtheit und Ruchlosigkeit ging noch weiter. Er vermochte zu behaupten, daß in der ganzen mosaischen Lehre keine Rede von einem jenseitigen Leben ist, und daß Belohnung und Strafe nur hier auf Erden stattfinden können. Als unsere gelehrten Chachamim (Schriftgelchrten) und unter diesen auch Rabbi Samuel de Silva, ihm dies energisch bestritten und mit ihm disputirten, wagte er cs, sie „Pharisäer" zu nennen, welche in ihren Sitten und Gebräuchen mit der mosaischen Gesetzgebung nichts gemein haben und hundert Mal grausamer und ketzerischer wären als die Christen. Da ihnen jedoch das Schwert des Gesetzes nicht zu Gebote stand, konnten sie keinerlei Gewaltmaßregeln gegen ihn zur Anwendung bringen. Alle diese Ungereimtheiten ließ er in einem Buche drucken, das sicher die Flammen verdient hat und den Namen trägt: Examen traditionum pharisaicarum cum lege scripta contra animae immortalitatem, Amst. 1623. Unsere Chachamim