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Der Israelit · 1886-07-29 · Heft 60 (29.7.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 60 (29.7.1886)
Date
1886-07-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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uns populär gebliebenen Uriel Acosta vom Standpunkt der jüdischen Orthodoxie an-) erzählt. Der Schreiber des Brieses. Daniel Levi. de Äarrios, gehört einer jüdischen Familie^an, welche bei der Vertreibung der Juden ans Spanien die Zwangstaufe erlitt. Daniel (Miguel) Levi de Barrios, ein Krieger, Dichter und Schriftsteller, war etwa 1620 geboren, und ist 1685 zu Amsterdam in großer Dürftigkeit gestorben. Der Empfänger des Briefes war Antonio Enrique; de Gomez (Enrique; de Paz) ein Schauspieldichter, Krieger und Ritter des San Miguel-Ordens. 1600 geboren, wurde er von der Inquisition schwer verfolgt und starb 1660 nach einem bewegten Leben. Der Brief lautet: „Der Frieden und Segen Gottes über das heilige Volk Israel und Juda, wie es in vieljähriger Verbannung über die ganze Welt zerstreut ist. Brüder! Traurig waren meine Schicksale, seit ich Madrid , dem modernen Babylon , entflohen. Ich habe die Ketten der Philister zerbrochen, ^nr meinen Geist mit der Liebe zu den göttlichen Geboten zu erfüllen. Ihr wißt , daß ich die Sitten und Gebräuche der Heideil verabscheute und diejenigen beneidetes welche der Abgötterei den Rücken gekehrt und sich nach den Ländern begeben haben, in denen das Judenthum eine Stätte freier Duldung gefunden. Durch diesen Geist getrieben, richtete auch ich meinen Weg nach Flandern und wurde ein Hauptmann , da ich bereits seit meiner Jugend mit klugem Bedacht die Waffen führte. Dort habe ich auch meine „Allegorien oder Leuchtende Bilder der Ehe" und^ „Die Krystallwellen der Hippokreue" drucken lallen, Werkes welche sich, ich glaube es sagen zu dürfen, durch schöne Form und Inhalt auszeichnen, so daß selbst die Nichljuden sie als gut anerkannten und sie oft mit den „Soleadeu" des großen Luis de Gongora verglichen. Wahrscheinlich hat unser Bruder Zorobabel Henriquez Euch bereits einzelne Couplets von dem so lehrreichen Hochzcirsgedicht gezeigt. Ich schwöre Euch bei dem Gotte Israels, daß, als ich es in der Akademie des Marquez Torrelagune in Brüssel vortrug, nicht Einer von den Anwesenden, allefammt erleuchtete Männer, ein einziges Wort des Verständnisses zu fiüsteru vermochte, gerade als wäre das, was sie gehört, hebräisch. Glaubt mir, es ist keine Anmaßung von mir, wenn ich erkläre, daß meine Gedichte sowohl wohllautender, als auch in zierlicherem Styl geschrieben sind, als die von Gongora selbst. Seine Sachen kann mau begreifen, wenn man einen Blick in einen Theil der von Ton Garcia de Salcedo Coronet ziisammettgestellten Erklärung wirft: die meknigen sind aber so ticssinnig und umfassend, daß beinahe ein Oedipus dazu gehört, um sie auseinander zu setzen und anfznklären. Glaubt jedoch nicht, daß ich mir darauf etwas einbilde. Unter unserem heiligen Volke giebt es immer noch Andere, die mich weit übertreffen. Ich nenne nur den Doktor Miguel de Silveira. Ein Jammer ist es, daß er seine Wohnung unter den Moabitern und Ammonitern aufgeschlagen hat, mit ihnen sündigt und die Knie beugt vor dem Abgott der Kanaaniter! Wie glücklich würde ich mich schätzen, wäre ich der Verfall er seiner Makkabäer. Lassen wir jedoch diese Unterhaltung über weltliche Gegenstände, wenn uns Plagen bedrängen, schlimmer als die, welche einst die ungläubigen Aegypter trafen, um das Herz des verstockten Pharao zur Denmth zu zwingen. Tag nm Tag werden wir gleich Schafen zur Schlachtbank geführt, und obschon „das Wort des Herrn immer bestehen bleibt," wie der Prophet Jesaias sagt, so dauert es doch lange, ach, sehr lange, bis das fünfte Reich Israel befestigt wird. Lange zaudert der Gott Elohim, das Haupt der Nichtswürdigen zn zerschmettern, erscheinend, wie in uralten Tagen auch dem Hermon, das Kleid von Blut triefend, gleich dem, der das Traubenblut mit feinen Füßen preßt. .... Bruder, komm' mit mir nach Jakobs Zelten. Tu sollst dann wohnen mit den weisen und ehrwürdigen Männern, den Vertretern der Gemeinde, Parnassim des KahalKadosch zu Amsterdam, wohin auch ich zog, den Kriegsdienst verlassend und ablegend meinen Namen für den des heiligen Propheten Daniel: „Gottes Urtheil." . Hier blüht der Gottesdienst, hier giebt es große Gelehrte und Erklärer der Mischnah und des Talmud. Ach! auch bei uns sind Söhne der Gottlosigkeit und. richten durch ihren Sauerteig unter der Menge Verderben an. Voller Aufgeblasenheit, Trotz undHochmuth erscheinen sie^ so daß sie wohl erfahren sind in profanen Willeuschaftcn, der Logica, Physica, der Medizin u. s. w., jedoch unbekannt sind mit dem göttlichen Gebot. Nur die beklagenswerthe Geschichte des Einen von diesen will ich Euch mittheilen, der dieser Tage seinen Körper getödtet und seine Seele der ewigen Lerdammniß preisgegeben hat. Möge diese Geschichte auch Euch ein lehrreiches Vorbild sein und znr Warnung gereichen. Ihr, die Ihr in Eurer Jugend durch das Königreich Portugal gereift seid, werdet wahrscheinlich in dem höchstgelegenen Theile der Stadt Oporte

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