Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1886)
- Date
- 1886-07-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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spräche» de» Bann über ihn am und bewogen die .minder (damit sie bereits von ihrer frühesten Jugend au voll Eifers für das Haus Israel sein möchten) ihm in großer Anzahl zu folgen, ihm nachzurufen: „Ungläubiger! Abtrünniger!" und durch die Fenster seiner Wohnung Steine, Erde und Schmutz zu werfen. Uebrigcns wurde er auch bei den bürgerlichen Behörden angeklagr, daß er acht oder zehn Tage in den Kerker geworfen wurde und hatte eine Strafe von dreihundert Gulden zu bezahlen. Auf diese Weise lebte Uricl da Costa einige Jahre fort, von unserer Gemeinde getrennt und in dem festen Glauben, das; er von den durch Gott Moses gcoffcnbarten Porschristen nur diejenigen zu erfüllen habe, welche mir dem gefunden Verstand und der Natur offenbar übcreinstimmten. Als ein in allen Beziehungen gottloser, wahnwitziger Mann, der überzeugt war, daß Mensch und Thier nur ein und dieselbe Bestimmung haben und das; es darum das Verständigste ist, sich das Leben so erträglich und angenehm wie möglich zu machen, strebte er wiederum danach, sich mit uns zu versöhnen, um so mehr, da es auch mit seinen Handelsgeschäften nicht gut von Statten gehen wollte , Niemand-ilynhilfrciche Hand bot und er sich mit der übrigen Bevölkerung nicht unterhalten konnte, da er kein Wort holländisch verstand. Auf Fürsprache seines Neffen kam es kn der Thal zur Buße und Versöhnung. Leider vernahmen wir nnr allzufrüh wiederum, daß er die jüdischen Festtage nicht hielt. Nun wurde cs doch nöthig, ihn einer cremplarischcu Strafe zu unterwerfen. So beriethen denn die Aeltestcn unserer Gemeinde, und nachdem sie selbst ihre Nachtruhe znm Opfer gebracht hatten über den Vorschriften von Leviticns und Deuteronomium, nachdem sie alles genau geprüft und besprochen hatten, was Rabbi Moses Maimonides in feinen Gesetzbüchern darüber geschrieben; so, höre, was sie beschlossen..haben. An einem Sabbath, als die Synagoge mit Männern und Frauen gefüllt war, mußte Uricl da Costa die hölzerne Kanzel inmitten des Gebäudes besteigen und mit deutlich lauter Summe seine Irrrhümcr widerrufen, wöbet, er bekannte, tausend Tode verdient zu haben und ferner gelobte, sich nimmermehr derartiger Gotteslästerungen schuldig zu machen. Nachdem er dics getban, verließ er die Kanzel- und einer der Rabbiner begab sich zu ihm mir dem Besch!, in cikrcm Winke! der Synagoge Plav zu nehmen. Sowie dies geschehen, trat der mir dem Ocfsnen nnd Schließe» der Synagoge beauftragte Diener an ihn heran und entkleidete ihn. Cr zog ihm eilt leinenes Tuch über den Kopf, hieß ihn, die Schuhe ablegen und baarfüßig stehen zu bleiben, worauf er ihm die Hände an eine der Säulen band. Nun ergriff er einen Riemen und gab ihm mit demselben :rr» Geißelschläge; zwischen jedem Schlage mußte der Büßer einen Theil eines Gebets sagen. Nachdem er dieser Strafe nnd Erniedrigung sich unterworfen, fetzte er sich am den Flur und Alle, die bei ihm vorbeikamen, Männer, Frauen und Kinder, traten auf ihn. Dann kam der Chacham nnd erklärte den über ihn ausgesprochenen Bann für gelöst. So verachtet, mit Staub und Schmutz besudelt, flüchtete er nach seiner Wohnung, wo er, von einem plötzlichen, grenzenlosen, teufelsmäßigcn Wuthanfall ergriffen, den Neffen, der ihn dieser Behandlung bloßgestcllt, ermorden wollte. Ta er diesen aber nicht fand, so niachtc er durch Selbstmord seinem eigenen Leben ein Ende. Also ihue der Herr und füge allen Denen zu, die seine Thora verachten nnd in ihrem Herzen sagen: „es giebt keinen Gott." Sehr richtig ist die Bemerkung des Rabbi Jsaac Abarbanel, „daß es eine greifbare Thorhekt ist, in Dinge cindringen zu wollen, welche -über das-Fayungsverinögen des Menschen hinausgehcn, die der Allwissende vor ihm verborgen hat." Denken tvir auch mit Schrecken an den königlichen Propheten David: „In Fnmcrnlß, in Todesfchatten. in Elend sollen sitzen, die gegen Gottes Wort widerspänstig sind und des Höchsten Rach verachten." So erging es llriel da Eosta und dies wird auch wahrscheinlich das Loos eines mit geringer Urtheilskraft begabten» jungen Menschen sein, eines gewissen Baruch Spinoza, von dem bereits Rabbi Jsaac Iesurun gesagt hat: Er fei emc an dem Busen der Synagoge genährte Schlange, die wahrscheinlich alle zerreißen wird, die sie gelabt nnd erquickt haben." Doch der mächtige Gott wende diese gefährliche Prophezeiung ab und lasse uns in denl zukünftigen Reiche Juda die diamantnen Mauern des neuen Salem, von einem zweiten Nehemia errichtet, schauen. O harre Israel den Weg des Hern gewandelt, schnell wären seine Feinde zu Boden geworfen und die Prophezekhnug Afaf's in Erfüllung gegangen: „Der Herr Zebaoth wird den Seinstock prüfen, den er aus Aegypten verpflanzt, Völker vertreiben und ihn weiter pflanzen. Tief wird er Wurzel schlagen und die Erde erfüllen. Mit feinen Schatten wird er die Berge, mit. feinen Aestcn die mächtigen Zedern bedecken. Seine Zweige sollen sich bis zum Meere, feine Ranken bis zunr Strome erstrecken. Grüße die Brüder, die in der Gefangenschaft der Philister schmachten. Daniel Levi de Barrios."