Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1886)
- Date
- 1886-07-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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10.18 „ate Khokand noch heute eine Jeschibah besteht und blüht, zu der nun Jünglinge nicht nur ans dem genannten .Khanate, sondern selbst ans Türkest«», Bokhara und Khiwa zusammenströmen, um dort Tau und Nacht in unserer heiligen Lehre ,;u forschen und so cpa zu sein (ju bestätigen), waS in Iosua (5. t. V. 8. geschrieben steht: 72a nrr. niinn 120 vm* .12 2iri2n V22 ni»j& isst» ’yzb mb'b', cev 12 »v:ni (Es weiche nicht das Buch dieser Lehre aus deinem Munde und denke darüber nach Tag und Nacht, damit du beobachtest zu vollziehen, Alles, was in ihm geschrieben ist)." Diese Jeschibah existirt in der Stadt Margilan, die noch 112 deutsche Meilen östlich von Bokhara und nur vierzehn Meilen von der chinesischen Grenze entfernt liegt. Margilan zählt circa 25,000 Einwohner, die fast durchwegs Tadschiks oder sozusagen Turkomcnen sind und deren Sprache das Osttürkische ist. Die Stadt ist ein Hauptsitz mohamcdanischer Gelehrsamkeit und exististiren dort viele moslimische Schulen, sogenannte Medressehs (2^12) die von etlichen hundert Sofias (Studenten) besucht-werden. Aber auch für die Juden ist Margilan eine Stätte des Wissens und der Forschung und zählt'die dortige Jeschibah jetzt ungefähr fünfzig Bachurim, die fortwährend mit dem Thorastudium beschäftigt sind und ihren Unterhalt aus den frommen Stiftungen, welche für die dortigen Bothe-Midraschim gemacht wurden und noch immer werden und dann auch aus den freiwilligen Spenden sämmtlicher Gemeinden des Khanats beziehen. Die jüdische Gemeinde daselbst zählt zur Zeit hundertundsiebzig Familien, die einen eigenen Stadttheil bewohnen, einen eigenen Polizeimeister und auch einen eigenen Steuereinnehmer (Charadschi) besitzen. Das Judenviertcl besteht durchwegs ans hölzernen Häusem oder Filzyütten (Kibitkcn), erstere für die Reichen, letztere für die Armen, die gewöhnlich in der Mitte eines nmzäumten Hofes stehen. Die Juden Margiläns beschäftigen sich zumeist, mit dem Handel und dem Speditionsgeschäfte (sie halten sich große Wagen und Kameele zrnn Transporte, der Waaren aus Khokand und Turkestan nach China und zurück), dann auch mit dem Gartenbau und der Seidenfabrikation. Äie kleiden sich ganz so wie die Turkomenen oder die Juden Bokharas und bedecken ihr Haupt stets mit der schwarzen Lammfellmütze, während sie ihren Körper in einen langen Kaftan hüllen. Ihre Füße bekleiden sie mir Filzschuhen, rm Sommer auch mit Sandalen. Sie besitzen drei Synagogen (bd^^ roi2, trx -ip? und nyr .o*?rrr), Don denen die zwei letzteren zugleich auch als Lothe-Midraschim dienen, während in dem crsteren Gotteshaufc dus Berh-Tiu tagt, das zweimal ln der Woche, Dienstag und Donnerstag, znsanlmentritt, um alle in der Gemeinde vorgefalleueu Streitfälle zu schlichten. Der Oberrabbiner nnu nicsi, oder wie er im Osttürkischen heißt, Scheikh Cl-Jehud, ist zugleich auch der Oberrichter seiner Gemeinde. Zur Zeit bekleidet diesen Posten 21.1 '121 :122 12N2 ^J?2 UDDNIiO^N «pr ]2N 1221711 pr<;.1 r,o*.». Derselbe ist in einem Dorfe südlich von der persischen Stadt Mesched geboren und kam schon mit elf Jahren nach dem Städtchen Chodfchadjambas am Amur-Darja im Khanate von Bokhara, um dort von einem Oheime in das Talmudstudium eingeführt zu werden. Später besuchte er die Jeschibah von Bokhara, wo er auch heirathete. Cr zog dann nach der Stadt Karschi südlich von Bokhara, wo die Familie seiner Gattin wohnt, um sich dort dem Handel zu widmen. Die Gemeinde von Karschi wollte jedoch nicht zugeben, daß ein solches Licht des Jndenthums in irgend einem Krämerladen oder in einem Waarenmagazin sein Dasein friste, und ernannte sie ihn daher zum zweiten Tajan. Auch in dieser Stadt blieb er nicht lange, da die Gemeinde von Khokand ihn zum Rosch-Bethdin wählte, welche Stelle er nach vier Jahren mit dem Rabbinatssitze in Margilan vertauschte. Derselbe ist heute ein p 2'p2r? (Siebziger), aber noch immer bei ungcschwächter geistiger und körperlicher Kraft. Mit Ausnahme der wenigen Stunden, die er der Erfüllung seiner Amtspflichten widmet, verbringt er den ganzen Tag in der Synagoge jrs nytr, die ihm zugleich als Beth - Hamidrasch dient und in deren Nähe er auch seine Wohnung hat. Cr. besitzt eine große jüdische Bibliothek, unter der sich auch viele seltene Manuscripte von den uw; Bokharas, Khiwas und Turkestans befinden. In der Synagoge crtam' nysr fungirt der Tajan der Gemeinde als Vorsteher des Beth - Hamidrasch oder Rösch - Jeschibah. Zweimal des Tages wird kn einem jeden der beiden Bothe- Mldraschim Schinr vorgetragen und zwar in der Frühe nach dem Schacharithgebete, welches gleich nach Sonnenaufgang verrichtet wird, und Nachmittags. Die Nacht ist für das Cinzelstudium bestimmt und pflegen dann die Bachurim in die Privatwoh-* uungen zu gehen, um mit den Baale-Bathim (Familienvätern), welche während des Tages ihren Geschäften obliegen, die Schiurim, welche während des Tages in den zwei Bothe-Midraschim vorgetragen wurden, zu wiederholen. Zwar sind auch während der Nacht beide Bothe-Mdraschim geöffnet, doch wird dann in denselben blos der Sohar mir noch anderen kabalistischen Werken gelesen. Donnerstag Nachts wird dagegen in allen drei Synagogen msn (Trauerandachr wegen der Zerstörung Jerusalems)