Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1886)
- Date
- 1886-07-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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i; -- i. i 1037 Paris. Monatsbericht. (Juni) der „All. Jör. Unlv. (Israeliten Maroccos.) Es ist bekannt, dass verschiedene europäische Mächte seit einigen Monaten mir der maroccanLschen Negierung verhandeln, wegen neuer Handelsverträge, die cs ihren Landcsangehörigen gestatten würden, Getreide und Rindvieh aus Marocco auszufnhren. S. M. der Sultan ließ durch ein Manifest dasjenige bekannt machen was er die Forderungen der europäischen Mächte nannte, dasselbe wurde am 18. Mai öffentlich in Fez vorgetragen. Dieses Manifest verursachte große Aufregung unter den Muselmännern, die sich durch den Export von Getreide und Rindvieh, schon Hungers sterben sahen; die Araber nahmen den Fremden gegenüber eine drohende Haltung an, und die Behörden mußten Maßregeln treffen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Doch war die Stimmung unter den Muselmännern eine sehr gereizte und man fühlte wohl, daß der geringste Zwischenfall genügen würde, neue Ruhestörungen hervorzurufcn. Derselbe ereignete sich am 23. Mai. Ein Jude und ein Araber gericthen in Streit; der Araber zog seinen Dolch, um den Juden damit anzugreifen: dieser, indem er ihm denselben entriß, verwundete ihn an der Hand. Eine bei dem Streit gegenwärtige Araberin schrie; O Islam, eiu Jude tobtet einen Araber! Es bildeten, sich Zusammenrottungen, die Araber umgaben den Verwundeten, deckten ihn zu und schleppten ihn durch die Stadt, indem sie schrieen: „Hier ist ein von einem Juden umgebrachler Muselmann." Die Aufregung nahm zu, die Menge drängte sich nach dem Mell ah (Judenviertel), indem sie ihnen begegnenden Juden schlugen und verwunderen. Im Mcllah befürchtete mau das größte Unglück. Die Behörden griffen energisch ein; sie ließen die Thore schließen in allen Straßen, welche nach dem Judenviertel führen; die wenigen nach dem Abzüge des Sultans in Fez zurückgebliebenen Soldaten wurden bewaffnet und auf den Wällen des Mellah ausgestellt. Der Pascha Si-El-Hadj-2aid zeichnete sich bei dieser Gelegenheit besonders aus; er entwickelte große Entschlopenheir, indem er die Stadt zu Pferde an der Spitze einer starken Patrouille durchstreifte, die Ruhestörer mit strengen Strafen bedrohte nud die Soldaten aufmunterte gegen die Angriffe der Meuterer Stand zu halten. Diese Dinge trugen sich in Ncn-Fez zu.. Als die Nachricht in Alt- Fez anlangte, warfen sich die Araber auf die dort befindlichen Juden; diese retteten sich nach einem Fondak, wo alle israelitische Handelshäuser beisammen stehen. Inzwischen erschien ein Eaid mir Escorte und vermckaßte die Israeliten ihren Zustuchrsort zu verladen, indem er ihnen versprach. sie bis in ihr Stadtviertel zu beschützen. Angelangt an einem größeren Platz wurden die Soldaten von der Menge umlagert, die die Juden mit Stockschlägcn nud Steiuwürsen übcrsicl. Zum Glück laugte Si-el Hadj-Scid mit seiner Patrouille an und zerstreute die Meuterer. Am nächsten Tage, dem 2 t. Mai, nahm die Aufregung ab. Dank sei es den Maßnahmen des Gouverneurs. Lag und Nacht wurde das Mcllah bewacht, Patrouillen durchstreiften ohne Unterlaß die Stadt, jede Ansammlung von Arabern wurde untersagt. Am 26. Mai, bei Tagesanbruch zeigten sich hinter den Wällen des Mcllah mehrere Hundert Leute, die zu Fuß uud zu Pferde ^aus den Bergen herbeigeeilt waren, auf die Neuigkeit hin, daß die Juden maffacrirrt und ausgeplündert würden; sie wurden leicht auseinander getrieben. Am 23. und 2-1. Mai hatte cs einige dreißig Verwundete gegeben, worunter einige sehr ernstlich; man nennt unter dcu Verwundeten: Samuel Cohen 52 Jahre; Joseph bcn Lezra, 40 Jahre; Menahcm Bensimon, 30 Jahre; Juda Dahan, 56 Jahre; Mcssud Dahan, 18 Jahre; Miman Elrief, 35 Jahre; Moses Bannröj, 30 Jahre; Joseph Bcnaim, 25 Jahre; Jakob Wahnish, 24 Jahre; David Botbol. - Diese Vorgänge hatten Rückwirkungen in Mequincz und Seffron, wo Versuche zur Ruhestörungen gemacht wurden. Am 2. Juni, bis auf welche Zeit die letzten dem Ceutral-Eomitö zugegangenen Nachrichten zurückreichen, war die Ordnung in Fez fast wieder hergestellt. Es hatte wohl in der Nacht ein Aufall der Araber gegen den jüdischen Friedhof — der mit dem Mellah verbunden ist — stattgefunden, aber es kamen Soldaten herbei und schosscu auf die Angreifer, die die Flucht ergriffen. Marabouts fahren fort das Volk gegen die Juden aufzurcizen und den heiligen Krieg gegen die Christen zu predigen; sie verbreiten falsche Nachrichten, die den Unruhen neue Nahrung geben. Bald haben sie in. Erfahrung gebracht, daß der Sultan den europäischen Mächten den Krieg erklärt hat, bald, daß die Armee des Sultans einen Sieg über die Ungläubigen davon getragen. Es steht zu befürchten, daß diese Aufwieglungen die beklagenswertesten Folgen haben, Ruß l a n d. Tiflis, im Kaukasus. Es wird dem ^Israelit" gewiß eine Freude machen, den ’crrr ^snr* in Deutschland, Polen, Rutzlsnd, Oesterreich ic. die frohe Botschaft bringen zu können, daß an der turkestanisch - chinesischen Grenze und zwar im Kha-