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Der Israelit · 1886-07-29 · Heft 60 (29.7.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 60 (29.7.1886)
Date
1886-07-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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abgehalteu, luurmif vom Rabbiner oder von» Dajan oder von einem gelehrten Gelneindemitgliede eine Partie aus dein Sohar öffentlich vorgetragen und erklärt wird. Der bezügliche Sohar - Abschnitt muft sich jedoch immer auf die laufende Sidra beziehen. (Fortsetzung folgt.) -— gt e n i I 1 t t 0 tu Wichset. Erzählung von S. Ko hn, Verfasser von Eabriel. (Fortsetzung.) Der Bürgenncister fuhr fort: „Der Kerl hat sich in dem kleinen Städtchen zum Krösus gestohlen und den Boden ausgesogeu, daß er Jahre laug keine Früchte tragen kann! .... lind dabei hat er mir bei, der Aktennbergabe eine lauge, salbungsreiche Rede über geübte Pflichttreue und Redlichkeit gehalten, daß ich ihm gerne ein Paar Ohrfeigen der fastreichen Sorte auf seine ledergelben Hängebacken applicirt hätte! Der scheinheilige Hauptgauner I . ... Er hat mir rein nichts übrig gelassen, woran ein gottgcsegneter Pfennig in anständiger Weise zu gewinnen wäre. Mein einziger Rettungsanker bleiben die Juden. Eine weise Regierung Hat für diese Menschenklaffe Gesetze geschaffen, die sie nur dann befolgen könnten, wenn ihnen ihr Judengott wieder Wunder thut, wie bei dem Auszuge aus Aegypten. Sie zahlen Steuern, daß sie schwarz werden und haben gar keine Rechte . . . . Nun, man muß für diese armen, gedrückten Parias ein Herz haben," lachte der Menschenfreund^ liche Stadtregent ironisch, „und wenn sie den Beamten ttichtig zahlen, sie aus Barmherzigkeit ein mäßiges Quantum Luft schnappen Lassen, denn, wenn sie ersticken, das heißt ganz zu Grunde gehen, dann können sie dem Beamten, der als wackerer, sorgsamer Hausvater für Weib und Kind sorgen -will, gar Nichts geben, man darf eine Henne, die .goldene Eier legt, nicht schlachten ..... Aber mein erster Versuch dem Judenvorsteher meinen Standpunkt klar zu machen, ist mir — gesteh" Dir's nur ein, Domincus Golzinger, — häßlich mißlungen, der alte Bär ist mit einer Berserkerwuth auf mich losgefahren, daß ich erschrak! .... Wir hatten förmlich die Rollen gewechselt, er gebärdete sich, als wäre er ein hoher Beamter, und ich zitterte vor ihm .... pftii Teixel!" der Bürgermeister spie weit weg von sich — „die Galle regt sich noch jetzt in mir, wenn ich an diese miserable, verfehlte Scene Mückdenke, der Kerl war ja rabiat , rein wie der rasende Rolaud! . , . . Freilich ich hatte die Sache dumm augepackt, man muß stets das Deeonun ehren, hatte mein seliger Later, der Oberamtmann, Gott schenk' ihm die ewige Ruh', gesagt, als lüir zusammen nächtlicher Weise die fürsllichc Kasse leerte» und die Schuld dann auf den dummen Rentantts-Eassirer schoben, der nur lumpige dreihundert Gulden gestohlen, und sich tags vorher erschossen hatte .... Die Art und Weise, wie ich mit dem alten Juden gesprochen, war gar zu brutal, mau muß auch dem garstigsten Ding ein hübsches Mäntelchen umhängen, dann kann es sich schon präsentiren .... Freilich ich Hab' gar nicht gedacht, daß die Juden so couragirt sein können! . . . . Ich betrachte es noch als eine unverdiente Gnade Gottes, daß der Lorsteher, der alte Spitzbube, der Singer abgedankt hat. Jetzt soll ein junger Mensch — wie mir der Amtsdicner sagte — ein Habenichts zu dem Anite gewählt worden sein; dem gegenüber werde ich ganz anders, viel besonnener und imponirender auftreten, da werde ich mich nur auf den Boden des Gesetzes stellen .... zum Glück bietet, dieses Handhaben genug, die Juden tüchtig änsznsäckeln. — Ich habe den neuen Vorsteher auf zehn Uhr vorladen lassen. Da er selbst nichts hat, werde ich heute unbestechlich sein und nur ein Pröbchen unbeugsamer Härte geben, aber dabei nicht eines Haares Breite von dem drakonischen Gesetze abweichcn; ihm nur andeuten, wie die Juden sich in der Folge mir gegenüber zu benehmen haben, das ist ein Saatkorn, das mir zur goldenen Aehre reifen soll, andere reiche Juden werden dann, wenn sie das buchstäblich unerträgliche Gesetz umgehen wollen, mit reichen Gaben kommen .... Ei, die thenre, kleine Glocke, bis mein Vorgänger gießen ließ, und die in seine eigene Tasche einen kleinen Goldregen ergoß," — der Bürgermeister belachte seinen eigenen albernen Witz — „schlägt zehn Uhr . . . . Hm, auch der neue Lorstchei7 scheint meine Befehle nicht besonders zu respektiren .... Sollte er ein eben so harter Trotzkopf als der abgetretene, ebenso schwer traitable, als dieser sein? .... Das wäre ja züm Teufelholen!" Dovlinik Golzinger wurde in seinem Selbstgespräche unterbrochen, der Amtsdiener, ein ehemaliger Grenadierkorporal und daher ein Mensch von ungewöhnlicher Länge," trat ein und meldete: „Euer Gestrengen, der neue Judcnrichter, den ich gestern auf heute vorgeladen, ist draußen!" „Soll eimreten!" Golzinger griff rasch nach seiner Tabakspfeife. Er beabsichtigte hierdurch zweifaches: er wollte den neuen Vorsteher Längere Zeit, während er sich

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