Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1886)
- Date
- 1886-07-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Pefth Die Hrn. M. Ehrentheil n. Arnim Fleischer dahier beabsichtigen ein Denkstein-Album hernnszugeben. in welchem die Grabdenkmäler aller bedeutenden Persönlichkeiten ans dein alten israel. Friedhöfe mittels vhorozinkographischen Verfahrens in der Weise ffxirt werden sollen, das; die ganze äußere Form der Denksteine, sammt deren Inschriften, klar und lichtvoll, zur Darstellung gelangt! Der.Werth dieses „Albums" soll durch eine zweite Abthcilung wesentlich erhöht werden, die kurz gefaßte „biographische Skizzen" enthalte» wird. Es sollen da nämlich alle Bestrebungen und Leistungen der betreffenden Persönlichkeiten im össentlichen Interesse, deren HumauitätS - Akte, Stiftungen u. s. w. in konziser Fassung gewissenhaft registrirt werden. Wir wünschen dem Unternehmen den besten Erfolg. I t a l i e n. Rom, 23. Juli. Dem in Livorno erscheinenden „Lunario Jsraelitico" entnehme ich folgende interessante Daten über die italienischen Juden. Ihre Anzahl beziffert sich auf 45,050. Auf ganz Italien (allerdings Itattrr irreäentg. inbegriffen) cntsicle demnach nicht mehr als 1 pEt. von den Inden Europas. Italien hat weit weniger Inden, als etwa Wien allein. Eigentliche Judengemeinden gibt es in Italien 84. Der Autor des „Lunario Jsraelitico" scheint Jrredentist zu fein, denn er zählt Triest zu Italien. Tie Mehrheit der Juden in Triest besteht jedenfalls aus italienischen Juden, 5570 an der Zahl. In Rom wohnen 5600 Juden. Die römischen Juden haben nicht einmal einen Ober-Rabbiner und sind eine schlecht organisirte Gemeinde. Die zweitgrößte Judcngemeinde Italiens ist in Livorno, 4050. Juden. Turins Judenzahl beträgt 2600; Venedig hat 2500, Florenz 2400, Ferrara 1750, Ancona 1700, Modena 1700, Mantua 1430, Mailand 1100 Juden. Ter Autor ist rin so großer Patriot, daß er die unpopulärste That Eavoros ignorirt und Nizza zu Italien zählt; "es hat 4000 Juden, Verona 975. Eine der berühmtesten Judengemeinden Italiens hat Padua, 950 Seelen stark. An ihrer Spitze steht der ehrwürdige Rabbi Ende Lolli, Professor des Hebräischen an der Universität zu Padua, Schüler und Nachfolger des berühmten Luzzano, der, ein Meister der hebräischen Sprache und überhaupt der orientalischen Sprachen, die Rabbiner Italiens hcranbildere. Ievr aber besteht die Rabbiner-Schule von Padua nicht mehr und Mawa ist nunmehr die Hochschule der italienischen Rabbiner; Rabbi Mortara leitet diese Schule. Die Zahl von 500 erreichen refp. überschreiten folgende Gemeinden: Easale mit 800. Neapel 650, Pisa 640 Genua 550, Reggio 545, Bologna r»2<>, Bercelli 500. Sollte Sicilieu keine Juden haben, daß Palermo gar nicht auf der Liste unseres Autors steht'?*) Und die Handelsstadt Bctti sollte keine Juden habend Man sprach in Nom jüngst von der Ernennung des berühmten Paduaner Ratioualökonomen Luigi Luzzatti zum Unterrichtsminister — und dieser ist zufällig Jude, was in Italien nebensächlich ist. Alan argumentiere einfach so: Eoppino, der gegenwärtige Unterrichtsminister,, ist auch dem Name» nach nur ein Köpfchen (Eoppino—Köpfchen),! ein Unterrichtsminister sollte aber ein Kops sein, was der Jude Luzzatti zufällig ist. Die Möglichkeit, daß Luzzatti, ein intimer Freund des Ministerpräsidenten Depretis, Minister werde, ist noch nicht ausgeschlossen. Auch unter den Viceprasidenten der Kammer ist ein Jude, der reiche Vcnctianer Maurogonato, eine der ersten Kapazitäten Italiens auf dem Gebiete der Finanzen. Der jüdischen Deputieren gibt es viele, z. B. Franchetti und Arbib. Auch im Senat sitzen Juden, z. B. Tulliv Massaram, der bekannte Mailänder Kritiker, der Italien im vorigen Jahre am Grabe Victor Hngo's vertrat. An den Universitäten lehren viele jüdische Professoren und Italien's größter Sprachforscher ist der an der Mailänder Akademie lehrende Graziado Ascoli, ein Görzer Jude von Geburt. Frankreich.- Paris, 25. Juli. Jacques de Biez, der von dem guten Geschäft, das der reaktionäre Antisemit Trumont mit seinem Buche gemacht hat, angelockt, sich in einem eigenen Werke als republikanischen Antisemiten aufgefUielt_hat, war ebenso unvorsichtig als sein Vorbild, eo hat er den Ingenieur Eiffel, den Erfinder des großen Thurms für die Weltausstellung, einen deutschen Juden genannt und muß nun in einem öffentlichen Briefe zugeben. daß Eiffel's Vorfahren, die bis aus seinen Vater sich Bounichausen-Emel nannten, schon 1748 als Katholiken und Franzosen in Pariser Kirchcnregistern sigurireu. . *) Anm. der Red. des .Israels-: Seitdem der deutsche Kaiser 6arl V. iw Jahre 1541 die Juden au$ Reapet und Steinen verbannt hat. baden sich aus Licilien keine Juden wieder angenedelt. Kaiser tsarl V.. in Deutschland ein Beschützer und freund der Zuden. war in den romanischen Ländern seines großen Reiches ihr erbittertster Feind — ein psychologischesXäthiel. das sich vieNeiLr durch die besondere i?un?t «Clären läßt, in wtlisr der Bcsedlsbaber der deutschen Iudeuheir, Zofelin tRabbi Joselmann) von Aosheim bei ihm stand.