Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1886)
- Date
- 1886-07-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1035 »Bereite d i ch vor für das Erlernen der Thora, schaffe Raum für sic imb sage nicht, wenn sie bei dir einkchrcn will, du seiest nicht vorbereitet, sie aufzunehmeu; sie ist wohl ein Gast, der gern bei dir einkchrt, sie füllt dir aber nicht gleich einer Erbschaft p." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Baden, 24. Juli. Die „N. Bad. L.- Z." berichtet über eine Mittheilung des Großh. Staatsministeriums betr. die Visirung von Reisepäffeu nach Rußland an sämmtliche Bezirksämter des Landes. Dieselbe lautet: „Nach Mittheilung der Kaiserlich Russischen Gesandtschaft ist die strenge Handhabung der bezüglich des Ucbergangs Angehöriger der mosaischen Religion über die russische Grenze bestehenden erschwerenden Vorschriften den russischen Behörden neuerdings^cingeschärft worden. Die Kaiserlich Russische Gesandtschaft hat dabei sich dahin geäußert, daß es noihwendig sei, daß Israeliten, welche das zur Uebcrschreitung der russischen Grenze nöthige Visum zu erhalten wünschen, ihre Paffe persönlich bei der Kaiserlich Russischen Gesandtschaft zu diesem Zwecke präsemiren, um über die Tragweite der neuen Anordnungen belehrt werden zu können, wenn sie sich nicht Weiterungen und Nachtheilen aussetzen wollen. Die Großh. Bezirksänlter werden angewiesen, die Beteiligten vorkommenden Falls auf diese Verhältnisie aufmerksam zu machen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Graz, 19. Juli. Einem czechischen Blatte wird von hier gemeldet, daß der auf dem Grazer Turnfeste anwesende D r. H e r m a u n aus Dresden von einem Burschenschafter gefordert wurde, weil er sich gegen den Antisemitismus ausgesprochen hatte. Dr. Hermann habe cs abgelehnt, sich mit dem Raufbold p schlagen. _ Uugvar, 22. Juli. Ohne Zweifel haben Sie die Korrespondenzkarte erhalten, worauf ich Ihnen von dem Dahinscheiden des m"a pen avi 's tm in der Eile der ersten Mo-; mente berichtete. Ich habe meinen Bericht damit begonnen, daß manchesmal auch das Uebcrbringen einer Trauerbotschaft, zumal wenn dieselbe wie die in Rede stehende die GesammtjudenheiL betrink von der Wicht geboten ist. Gestatten Sie mir jetzt imap ■ irw!? diese Trauetkunde damit p ergänzen, daß hvrwn bsi 4>nn iv eine große, große Säule des Jndcuthums, die unzähligen jüdischen Gemeinden des In- und Auslandes im Occident und Orient, welche sich an ihn, als an eine der ersten Kornphäen der Jetztzeit, um seinen Rath eiuzuholen, gewandt haben, mit dem Lichte der Thora und der unerschrockensten Wahrheitsliebe voranleuchtcte, umgcstürzt ist; und o des Riffes in Israel, wie wird diese Lücke ausgefüllt werden, woher andere Sttitzen nehmen, für das in seinen Grundvcsten erschütterte Gebäude, wenn zu den existirenden nicht noch neue hinzugebaut werden! Und wie ist dieser Riß erst recht fühlbar in der nächsten Nähe, in dem Wirkungskreise dieses pns, dort, wo man dessen ropis, dessen Größe und Bescheidenheit, überhaupt seine nsn rw» von Auge zu Auge gesehen und bewundern und arlfmerksam beobachtend nachznahmen gelernt hat! Wahrlich, wären wir nicht bezüglich der ewigen Dauer und Standhaftigkeit des aus der Erforschung der Thora fließenden jüdischen Geistes von Gott-selbst versichert, wir müßten verzweifeln Angesichts solcher unersetzlichen Verluste! . Und sein Sterben war ebenso groß wie sein Leben. Er war wohl kränklich- und fühlte^—72- Jahre alt, besonders in den letzte» Zeiten die Zunahme seiner theils aus dem Nierenleiden, woran er jahrelang litt, und theils aus einer inneren Störung im Organismus entsprungenen Schwäche, doch hat er nicht einmal am letzten Tag seines Lebens unterlassen die von ihm wie sein Augapfel gehütete Jeschiba aus der Quelle seiner Thora zu tränken; an dem Tage, als er starb, fühlte er sich jedoch so kraftlos und schwer im Athem, daß ihm der Arzt anrieth, behufs Luftveränderung, seine Wohnung außerhalb der Stadt zu verlegen. Als er diesem Anrathen Folge zu leisten sich anschickte und, nachdem er das Minchagcbet mit seinem Min-. jau noch zu Hause verrichtete, in Begleitung einiger Angehörigen und einer rrnr» mso in den nahe an der Stadt gelegenen Weingarten des Herrn Stahlberger, wo ihm eine Wohnung eingerichtet war, auch hinausfuhr, nahm die Entkräftung dermaßen überhand, daß das Verlöschen seines Lebenslichtes nur das Werk einiger Minuten war. Das Begräbniß gestaltete sich zu einem außerordentlich imposanten. Denn die c*£a zählte» fast nach Tausenden, und mehr als 20 Rabbinen waren von auswärts gekommen und hielten ergreifende Leichenreden, nzncb p-s "dt. Israel Margarethen, Bolksschullehrer.