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Der Israelit · 1886-07-29 · Heft 60 (29.7.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 60 (29.7.1886)
Date
1886-07-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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fieOeiiiäöviflC Knabe betete: Mgütiger (Mott, gib mir -och Kraft und Muth im Lernen aus.plharren, selbst weil» ich meinem jüngeren Bruder nachstehen, must! — Bon diesem Tag an begann auch der ältere Bruder große Fortschritte zu machen. Beide Brüder wurden bcbcutciibe und gelebrre Männer. Rabbi Lob Ellingcr starb als Kreisrabbiller zu Mainz und sein Bruder, 3iabbi Nathan, als Kreisrabbiner zu Bingen. Je älter der Mensch wird, desto größer werden -die Kämpfe, die er'durchfechten muß, um beim Thorastudium zu bleiben. Die meisten Menschen, die sich in ihrer Jugend damit beschäftigt haben, entfremden sich ihm im später» Lebensalter. Die Gewinnung des Lebensunterhalts, die Sorge für Frau und Kinder, vielfach auch die gesellschaftliche Stellung, nehmen so viel Zeit in Anspruch, daß an das Thorattudium kaum mehr gedacht wird. Da gilt es für den Ernstwollendeu zu ringen und zu kämpfen, um die nöthige Zeit zu erobern. Aber auch derjenige, dessen Beruf ihm gestattet,den gröbsten Theil seiner Zeit dem Thoralernen zu widmen, thut dieses sehr häufig nicht. Ta gibt cs tausend Ausreden. Ein geringes Unwohlsein, — und welcher Mensch wäre frei davon — genügt, um das Thorastudium für lange Zeit zn unterbrechen. Im Winter sind die Tage zn kurz, und das Lernen beim Licht schadet den Äugen: der Sommer ist die Zeit der Erholung und der Sorge für die Gesundheit. Auch da gilt es zu ringen und zu kämpfen, um alle Hindernisse zu beseitigen und anszuhanen in fleißigem Studium der Gotteslehre! Noch eine andere Vorbereitung ist nothwendig. Wie der Wein, wie die Milch nur in reinen Gefäßen bewahrt werden können, wenn sie nicht verderben sollen, so bedarf auch die reine Lehre unseres Gottes eines reinen Gefäßes. Willst du die Gottes- ' lehre erlernen und bewahren, so sorge für die Reinheit deines Herzens, bereue was du gesündigt, und beschließe, nicht wieder zu sündigen. Auch in diesem Sinne ruft uns Rabbi Jose mahnend zu: Bereite dich vor, die Thora zu erlernen: ■p nanT nrscr „Da sie dir nicht gleich einer Erbschaft zufällt" , Wir haben den einfachen Sinn dieser Schlußworte bereits oben erklärt und doch bieten auch diese Schwierigkeiten des Verstäudnines: sie scheinen nämlich sowohl der heiligen Schrift als auch dem Talmud zu widersprechen. In der heiligen Schrift heißt es: rirnp r.rrs vb rrc rrm -?r, „die Thora, die uns Mosch ch befohlen, ist ein Erbtheil der Gemeinde Jakobsdemnach ist die Thora doch einer Erbschaft vergleichbar. Und das ist sie auch in der That: ein Erbtheil der G e m e i u d e Jakobs: ein Erbtheil der Gefämrntheit, aber nicht des Einzelne». Niemals wird die Thora der Gemeinde Jakobs verloren werde«; aber der einzelne muß sie erringen, und es wird immer Männer geben, die sie errungen haben uiib weiter lehren, so daß sie für die kommenden Geschlechter stets erhalten bleibt; insofern ist sie nnfer Erbtheil, aber nicht in der Beziehung, daß sie uns mühelos zufalle. — Schwieriger scheint der Widerspruch zn sein, in welchem sich unsre Mischnah mit der Talmudstelle befindet, die sich an die Verheißung der heiligen Schrift lehnt: n2i) -pty “ir* 'rrn cnn 'nnn nw ’aw icn ijnt jn* ijn* ’2Q Mv' n? yszs 'nor? "sirx .D^y nyrnnya *7 „Und Ich. dieses ist mein Bund mit ihnen, hat gesprochen der Ewige: Mein Geist, welcher ans dir ruht, und Meine Worte, die Ich gelegt habe in deinen Mund, sie werden nicht weichen aus deinem Munde und aus dem Munde deines Samens von nun an bis in Ewigkeit." So einmal die Thora drei Geschlechter hindurch das Eigeuthum einer Familie ist, so bleibt sie ihr in Ewigkeit rfrff x’;D2x by rrsna rrnnn ■p'w jsoa. „Bon da an und weiter kehrt die Thora schon in der gewohnten Herberge ein." Daraus scheint hervorzugehen, daß die Thora wohl ein Erbtheil ist für den Urenkel, sobald Vater, Großvater und Urgroßvater Talmide Ehachamim gewesen. Allein diese Talmudftelle scheint sich im Gegensätze zu der alltäglichen Erfahrung zn befinden. Wie oft begegnen wir heutzutage den Nachkommen der berühmtesten Gelehrtengeschlechter, die ganz krasse Ignoranten sind! Wir wollen diesen Widerspruch durch ein Gleichniß zu lösen versuchen. Es kömmt Jemand von Zeit zu Zeit nach Hamburg und wohnt dann immer im Europäischen Hof. Eines Tages kömnit er wieder in diese Stadt und läßt sich nach dem gewohnten Gasthof fahren. Da tritt ihm bedauernd der Wirth entgegen und sagt ihm, daß sein Haus überfüllt sei und er für den Ankömmling keinen Raum habe. Was soll dieser machend Er muß sich eine andere Herberge suchen. So ergeht es nur zu oft der Thora. Wohl möchte sie in dem altbekannten und gewöhnten Gasthofe einkehren; aber der Herr degelben will sic nicht ausnehmen: dann muß sie schon, eine andere Herberge anssucheu. rbo xrssza* vy mra rrrrr:, die Thora kehrt schon ein bei dem Urenkel» aber dieser weist sie zurück, hat keinen Raum für sie, sein HE ist angefüllt mit andern Gästen, und gerade deßhalb mahnt der fromme Rabbi Jose: -p nrrr nrsr m*ri -psy iprn.

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