Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1886)
- Date
- 1886-07-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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xxvir, QqQmaita. J\s 00, Der Israelit. Ein KenLrat - Hrgan für das orthodo.re Zudenthunr Herausgegcbcn von Dr. Lehwanu i:i Mainz. Dorruerstag, den SS. Juli SSL« (188K). Leitender Artikel. Iie Sprüche der Väter. H Buch, zweite Abtheilung. XXV. - Mainz, 26. Juli. „Und bereite dich vor, die Thora zu erlernen, da sie dir nicht als Erbschaft zu Thcil wird." Dieser Theil des Ausspruches des frommen Rabbi Jose enthält die Mahnung, immer weiser zu werden. Es bedarf der größten Mühe und Anstrengung, die Thora zu erlernen. Nicht wie eine Erbschaft, um die du dich nicht bemühet hast, fällt sie dir zu. Dein Vater, dein Großvater oder dein Oheim haben gearbeitet von früh bis spät, haben oftmals ihr Leben gewagt oder ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt, um Vermögen zu erringen, haben gespart und gedarbt, um das Errungene zu erhalten. Das Endziel ihres irdischen Lebens ist herangekommen. Nun trittst du au ihre Stelle. Atühelos nimmst du entgegen, was jene unter Sorgen, Mühen und Gefahren errungen haben. Dir hat es keine schlaflose Nachte bereitet, du hast dich seinetwegen nicht der Kalte oder der Hitze ausgesetzt, du bist nicht auf schwankem Schiffe über das Meer gefahren, kein Sturm hat dich bedroht, keine Welle hat dich ertranken wollen, du hast nicht das Gold aus dem Schooße der Erde gegraben — der Neichthum fällt dir in den Schooß, und was deine Vorfahren errungen haben wird dein Eigenthum. Nicht also verhält es sich mit der Thora. Wenn dein Vater, ecu» Großvater und alle deine Ahnen die größten Schätze des Wipens gesammelt haben — du mußt ne wieder aufs Neue erringen, wenn sie dein Eigenthum werden sollen. Daher, bereite dich vor, die Thora zu erlernen, da sie dir nicht, wie eine Erbschaft, zufällt. Bereite dich vor, sagt Rabbi Herz Wesel in seinem Commentar zu unserer Mischnah, wie wenn du dich zu einem Feldzuge vorbereiteft! Fürwahr, es ist ein harter und schwerer Krieg, den man beim Erlernen der Thora gegen Tausende von Gegnern und Hinderern zu führen hat. Dieser Krieg beginnt schon, ehe der Mensch der Selbstbestimmung fähig ist: er beginnt-schon-bei-den Eltern. Wozu soll mein Kind Hebräisch lernen, was nützt es ihm später im Lebens Es muß Kermmlsse erwerben, die es später befähigen, seinen Lebensunterhalt zu erwerben. So hören wir gar viele Eltern reden und sehen mit zu. wie sie die Zukunft ihrer Kinder -vermchten und sie des größten Schatzes unserer Nation berauben. — Hat nun das Kind'das Glück, solche Eltern zu besitzen, die es in der Thora unterrichten lassen wollen, so beginnen damit die Kämpfe, denn in dem vorangeführten Falle ist ja die Niederlage bereits vor dem Kampfe entschieden. Schon das.ttind muß kämpfen, wenn cs in der Thora fortschrciten will. Andere Kinder dürfen spielen und sich vergnügen, dürfen in ihren Mußenstunden Musik und andere Liebhabereien treiben, dürfen. Theater und Kinderbälle besuchen; es aber muß alle seine Zeit dem eben so schwierigen wie ernsten Studium widmen. Oftmals muß das Kind, muß der Jüngling gegen die eigene Beanlagung kämpfen. Nicht jeder ist in der glücklichen Lage, die Thora und ihre Lehren leicht zu erfassen und seinem Gedächtnisse einzuprägen. Da bedarf es unendlichen Fleißes und felsenfesten Willens, um die unzureichende Beanlagung zu überwinden, um die Geisteskräfte zu kräftigen und zu stählen. Hier in Mainz lebten einst zwei Kinder; der ältere Knabe hieß Lob, der jüngere Nathan. Der letztere war reich begabt und machte glänzende Fortschritte, während dem älteren Bruder das Lernen ungemein schwer wurde. Da hört die Mutter einst zu, wie der