Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1886)
- Date
- 1886-07-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1024 „Wenn es der allgemeine Wille ist," sprach Brack nach kurzem Bedenken, „so iiiiis; ich mich demselben unterwerfen. Ich hoffe, Reb Iossef, Ihr. werdet mir, wenn ich Eures weisen Rathes bedarf, diesen nicht verweigern." „Gewiß nicht, aber Ihr seid der Klügere, Ihr werdet desselben nicht bedürfen!" Fünftes Kapitel. Dominik Golziuger, der neue Bürgermeister von W., saß in seinem Kabinete. Er war ein mittelgroßer, aber breitschultriger Mann von etwa vierzig Jahren. Er trug eine gepuderte Allongcn- Perrücke mit Zopf und Haarbeutel. Sein Gesicht machte einen unangenehmen Eindruck. Seine wasfer-. grünen Augen waren übermäßig groß, und erschienen noch um so größer, als ihm die Natur die alltägliche Gabe der Augenbrauen versagt hatte. Seine Nase war dick, die Lippen wulstig und aufgeworfen, so daß sie nicht vollkommen schlössen und stets zwei Reihen kräftiger, aber gelber Wolsszühne durchschimmerten. Das Kinn zeigteeiuen-Zlnsatz zur Verdopplung. — Er hatte ein Aktenbündel vor sich auf deui Tische liegen, aber er schien sich mit diesem nicht zu beschäftigen, er schien über etwas nachzudenken und nahm von Zeit zu Zeit — vielleicht ohne es zu wissen — aus der vor ihm stehenden Tabaksdose eine Prise. „Hm," meinte er in seinem Selbstgespräche, „diese ganze Bürgermeisterstelle ist eigentlich eine recht lumpige .... das Gehalt ist ein sehr mäßiges, ich muß trachten, mir ein anständiges Nebeneinkommen zu verschaffen. Ich habe mich schon während der kurzen Zeit meiner hiesigen Amtswirksamkeit vorsorglich umgesehen ... . Es wird sich da leider nicht viel machen lassen ... . mein lievwerthester Vorgänger Florian Lardamus, hat die ursprünglich fette Weide, schon bis auf's kleinste Hälmchen abgegrast. Er hat alle Grundstücke der Stadt an die angrenzenden Herrschaftsbesiver. reiche Kavaliere, verkauft. Es muß dabei ein sehr schönes Douceur für ihn abgefallen fein, denn er hat sie spottbillig hingegeben..." dann hat er einen Thurm auf das Rathhaus, und für jenen eine Glocke gießen lassen. Nach den Rechnungen sollte man meinen, jener wäre ein zweiter Stephansthurm und die Glocke ein Wunderwerk, aber der Thurm ist ein rechter Zwerg und die Glocke ist nicht viel größer als meine Tischglocke . . . . Wenn der wackere Archonte nur etwas Geld dabei verdienen könnte, hatte er ganz gleichmäßig für die braven Armen, wie für die gottlosen Hallunkeil gesorgt. Er hat ein kleines Häuschen für würdige herabgekommene Bürger und ein Gefängniß für Lumpen und Vagabunden gebaut. Wenn man die Baurechnung des ersteren sicht, glaubt man der fürtreffliche Herr Bürgermeister hätte einen Prachtbau geschaffen; — aber es ist dies ein dumpfiges, stinkendes Kellerloch; kein vernünftiges Wesen will von der Wohlthat unentgeltlich dort zu wohnen, Gebrauch machen, der Einzige, der dort vegetier, ist der blödsinnige Tischlerhans .... Bei der Besichtigung dieses „der unverschuldeten Armuth gewidmeten Hauses" — so lautet die Inschrift über der Thür, ist mir die dumpfige Ketlerluft auf die Brust geschlagen, daß mir fast der Athem verging und ich in Gott froh war, aus dem herrlichen Asyl herauskriechen zu können.und das Gefängnis;! . . . Wenn's eine menschliche Gerechtigkeit gäbe, so hätte mein wackerer Vorgänger der Erste sein sollen, der das Innere desselben, wegen Genieindediebstahls und Gaunerei, durch leine Anwesenheit verschönern sollte: Sackerament hinein, der gewissenlose Mensch hat Alles, was zu bauen und zu verkaufen war, schon — für sich — bestens verkauft und gebaut! Der elende Schuft! (Fortsetzung folgt.) »Ter Israelit' erscheint wöchentlich zw ei «rat, Montags und Donnerstags» jedesmal i» mindeste«» 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für s Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig. halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespatlrne Peritzeile oder deren Raum. — Ocsterreichische Banknoten laut Eours. — Ti«cte Francozuiendimg unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 3 ft. österr., für's Ansla,u» 16 Reichs-Mark an die Spedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Tie Sprüche der Barer. — Tie Schächtpenrioa irr der Pentious-Eommisnon de4 Reichstages. — Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen: Temschland: Berlin. — Oefterr.-Ungar. Monarchie: Lemberg. — Schweiz: Baden. — Türkei: Konstantinopel. — Feuilleton: Michael. — Inhalt der Beilage r Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen: Deutschland: Aschassenburg. Srraßburg. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Lien. Prag. Pesth. Budapest. AUosen. — Rußland: Äolosin.—•• - Verantwortliche Redactio»: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche Rr. 45. Druck undVerlag von Oscar Lehmann »»Mainz. (Hierzu eine Beilage.)