Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-07-26 · Heft 59 (26.7.1886) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 59 (26.7.1886)
Date
1886-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449656--24709-2514524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hemltnik hatte. In Anbetracht dieses mildernden Umstandes verzichten wir und) darans, die interessanten Ausführungen'desHerr» Referenten einer Kritik z» unterwerfen. Staunen allerdings muh man über die Unbefangenheit, mit der der Herr Referent sich gestattet, über die „ein öffentliches Acrgerniß erregende Thierquälerei" des SchlachtenS ohne Wci- - tercs den Stab zn brechen, mit welcher der Herr Referent sich die Freiheit nimmt, das Verbot des Genusses von Schweinefleisch, eine unserer heiligsten religiösen Vorschriften, einer „Polizciverordnung" zu vergleichen, mit welcher der Herr Referent das Mische Volk mit anderen „Völkern ans niederer Kulturstufe" auf eine Linie stellen zu dürfen glaubt, dasselbe jüdische Volk, welches die Begründerin aller Kultur ist, welches allen Völkern und allen Religionen die Wege der Humanität vorgezcichnet, dessen vieltansendjähriges Gesetz die Liebe gegen den Rebenmenschen und das Erbarmen mit dem Thiere in erster Reihe gebietet. Es sollte gestattet sein, das Wild zu Tode zu heben und die schuldlose Taube dem Todespfeile preiszugeben, und uns wollte man durch ein Gesetz verbieten, eine Schlachtart deizubehalten, welche als die schmerzloseste von allen Sachkennern anerkannt werden muß? I Sache der Gegenpetitionen wird es sein, die auf falschen Informationen beruhenden gegnerischen Ansichten, die wir zu diesem Zwecke meist wörtlich mitgetheilt haben, zu widerlegen und alle Unklarheiten zn zerstreuen; es wäre gut, daß die Frage vor daS Plenum käme, damit den Herzenswünschen der sog. Thierschutzvereine ein für allemal eine gründliche und deutliche Antwort zu Theil werde, und auf daß fürder keiner mehr das Verlangen empfinde, in dieser Sache einen Ansturm auf unser Religionsgesctz zu wagen. Bl. Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzen. D e u t s ch lau d. Berlin, 20. Juli. Das antisemitische „Deutsche Tageblatt" bringt einen sehr langen, zweifellos von Seiten der Thierschutzvereine inspirirteu Artikel, der zur Agitation für die Petition aussordert und in der Voraussicht einer Mederlage mit folgenden, recht bemerkenswerthen Sätzen schließt: „Es kann nicht Sache der Thierschutzvereine sein, einer Ausnahmestellung des rituellen Schächtens der Israeliten, in welchem jedermann, der einmal einem solchen Schlachtakr dcigewohnt hat. eine beklagcnswerthe Thiergnaleret erblicken muß, das Wort zu reden. Sollte aber die Rücksichtnahme aus unsere israelitischen Mitbürger für die Vertretung des deutschen Volkes der Grund sein, die Petition der Thierschutzvereine Deutschlands ablehnend zu bescheiden, so wäre es v orzuzichen,daß fn rdie l'/,"/» betragende israelitische Bevölkerung bcz. des rituellen Schlichtens eine A u s n a h m S b e st i m ui u n g in das betreffende Gesetz ausgenommen wurde, also daß die Gesetzgebung für die übrigen ns */t°/o dcr . deutschen Ration sestgelegt würde, statt sich der besseren Erkenntniß, dem schärferen Rechtsgefühl und den Anforderungen dcr Moral gemäß weiter zu entwickeln. Selbst die in Bezug auf die jüdischen Spcisegesctze noch ganz orthodoxen Israeliten werden doch nicht verlangen, daß unsere Gesetzgeber jene Gcsetzesbcschlüsse ablchncn, die sich für 983/4°/0 der Ration als dringend geboten erwiesen haben." — Im Gegentheile, wir fordern nur eine gesetzliche Garantie für die gesicherte Ausübung unserer Religkonssatzung, aber die Herren wünschen nur diese— Toleranz, wenn ihre Sache sonst verloren wäre, darum ist strengste Vorsicht geboten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg, 14. Juli. Dcr neucrnannte römischkatholische Bischof von Tarnow, Lobvs. hat jüngst ans einer Visitations-Reise, die er zum erstenmale in seiner Dköcese unternahm , die Stadt Demcica passirt, wo er von der Ortsbevölkerung feierlichst begrüßt wurde. An die zu seinem Empfange erschienene Deputation der dortigen Iudengemeinde hielt der Kirchenfürst eine längere Ansprache, deren Spitze unverkennbar gegen die Antisemiten gerichtet war. Nachdem er den Repräsentanten der israelitischen Cultusgemcinde für die ihm zu Thcil gewordene Aufmerksalnkeit seinen Dank ausgedrückt hatte, hob der Bischof nachdrncklichft hervor, daß die katholische Kirche auf den Grundfesten der mosaischen Lehre beruht und daß beide Religions-Bekenntniste auf dieselbe Quelle, nämlich ans die göttliche Offenbarung und die Satzungen der Patriarchen zurückzuführen sind. Schon dieser Umstand spreche dafür, daß die Katholiken und Juden friedlich und in brüderlicher Liebe miteinander leben, sowie jede Racenanfeinduug vermeiden sollen; das Bestreben, den socialen Frieden zu stören, müsse, von allen einfichligen Leuten rückhaltlos verurtheüt werden. 'Schweiz. Baden (Schweiz). Im Januar d. I. hat der Vorstand des Aargauischen Thierschutz-Vereins

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.