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Der Israelit · 1886-07-22 · Heft 58 (22.7.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 58 (22.7.1886)
Date
1886-07-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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mutz. ($3 Ist nun die Aufgabe des Mensche», dahktt zu streben, daß er dem Triebe zum Guten zur Herrschaft verhelfe, und das beste Mittel dazu ist das Erlernen der Gotteslchre, die Beobachtung der göttlichen Gebote und das felsenfeste Vertrauen zu Ihm. dem allmächtigen Helfer. Als die Frau des Photiphar all ihre Heiken Liebesworte, alle ihre lockenden Verfnhrnngsknnste vergebens verbraucht hatte, da suchte sie den frommen Joseph durch Drohungen zu zwingen, ihr zu Willen zu fern. Ich werde Dich in's Gefängnis werfen lassen! sprach sie. Aber Joseph antwortete: Gott befreit die Gefesselten. — Ich werde Dir die Augen ausstechen lassen. — Gott macht die Blinden sehend. — Ich werde Dich derart mißhandeln lassen, daß gebeugt wird deine stolze Gestalt. — Gott richtet die Gebeugten auf. — Ich werde Dich zwingen, Missethaten zu begehen. — Gott liebt und schützt seine Frommen. — Du bist alS Fremder hilflos in meine Hand gegeben. — Gött behütet die Fremden. — So widerstand er allen Lockungen und Drohungen. Der böse Trieb ist hart wie Eisen: aber km Feuer wird das Eisen bearbeitet und allerlei nützliche Gerälhe werden aus. ihm bereitet. Dem Feuer gleicht die Lehre unsres Gottes '>nb m ex, und wenn durch sie der Trieb zum Bösen gelenkt und geleitet wird, wenn er ihr unterworfen wird ganz und gor, so wird er nmwandclt znm besten und nützlichsten Werkzeug. Erlangt er aber die Herrschaft über den Menschen, wird er nicht bezwungen und bezügclt, so verkürzt er das Leben hieniede» und macht der ewigen Seligkeit verlustig. — Der Satan, lehren die Weisen (Baba Bathra 1«), ist nichts anders als der böse Trieb. 'Erst verfuhrt er den Menschen, und nachher wird er selbst znm Ankläger. Auch in Bezug aus den Menschenhai; nkisr 'nran gehen die Meinungen auseinander. Raschi erklärte es als c;n rx:r grundlosen, unmotivirten Haß, während MaimouideS es als dasjenige bezeichnet. was man auch in der deutschen Sprache in der Regel unter Menschenhaß versteht: einen Menschen von trüber GemüthSanlage, der mit Allem unzufrieden ist, die Gesellschaft der Thiere der der Menschen öo^ieht und deßhalb in einsame», entlegenen, unbewohnten Gegenden seinen Aufenthalt nimmt, weil er die Menschen haßt und ihnen mißtraut. Wer diesem Hange nachgibt, wird sich selber unglücklich machen und sein vorzeitiges Ende herbeiführen. In dem Aboth des Rabbi Rathan wird der Rachdruck auf das Wort nrvsn, die Gottcsgeschüpfe gelegt, und es wird daraus erwiesen, daß man alle Mensche» als die Geschöpfe unsres Gottes betrachten und deßhalb liebelt soll. „Und^dn sollst lieben deinen Nebenmenschen wie dich selbst." Ich, der Ewige, habe ihn erschaffen. Wenn du ihn liebst, so werde Ich dich reich belohnen; wenn nicht, so wirft du der Strafe nicht entgehen. — So heißt es auch: Tu sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen. Die Thora verbietet nicht allein, daß man den Nebenmenschen Böses Ihne, sondern daß man auch böse von ihm denke. — Allerdings erleidet diese Borschrift eine Ausnahme. Man ist nur so lange verpflichtet, in dein Nebenmensche» das Gottesgeschöpf zu achten und zu lieben, so lange er stch dessen würdig beträgt. Wenn er aber Gottes Gesetz verachtet, Gott und Seine heilige Lehre verhöhnt, da ist es erlaubt, ihn zu Haffen, wie es heißt (Psalm 139 B. 21—22): Fürwahr. Deine Hasser, o Herr, werde ich hassen, werde kämpfen gegen die, so wider Dich aufstehen; ich hasse sie mit unbegrenztem Hasse, sie gelten mir als Feinde. — Auf's Strengste verboten ist dagegen der grundlose Haß, der nur zu-oft in den Herzen der Menschen aus kleinlichen, nnbegründeten Ursachen, ans Eifersucht, Neid und Bosheit sich entwickelt. Ein solcher Haß zerstört das Familienleben und macht alle unglücklich, die durch ihn zu leiden haben; ein solcher Haß zerstört und vernichtet den Staat und die ganze menschliche Gesellschaft, wenn er große Ausdehnung gewinnt, und so berichten auch unsre Weisen, daß der Untergang des jüdischen Staates, die Zerstörung des zweiten Tempels, durch die Parteien veranlaßt wurde, die sich ohne Grund gegenseitig befehdeten. Der Klassenhaß und Rassenhass in unsren Tagen ist ein trauriger Beleg für diese bittere Wahrheit. Diese Arte» von Haß bedrohen die Staaten mit Bernichtnug und suchen die gesellschaftliche Ordnung aufzuheben und zu zerstören. Deßhalb sollen wir uns wohl prüfen in unsren Herzen, che wir dein Gefühl des Hasses gegen irgend einen unsrer Mitmenschen Raum gebe». Selbst Deujenigen, welcher offenbar unrecht thut, sollen wir vertheidigen und entschuldige», so lange und soweit es angeht; wir sollen ihn» wie die Weisen lehren, mit der linken Hand fortstoßen und mit der rechten Hand wieder an uns ziehen. So wird sogar der Prophet Elischa getadelt, weil er den gewinnsüchtigen Gechast mir beiden Händen verstoßen; so wird auch der große, edle Schimeon ben Schctach getadelt, weil er einen nicht sitteuremen Schüler mit beiden Händen hiuweggestoßen. Vorherrschend walte in unsren Herzen die Liebe zu den Mitmenschen, ja, zu allen Ereaturen Gottes, und nicht der Haß- (Fortsetzung. fotgt.> f; r 1 i e i

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