Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1886)
- Date
- 1886-07-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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090 Der jetzt in unserer Stadt wüthcndcn Cholera wegeri werden nun täglich vor tot die Psalmen i20, 01, und 121 und dann eines ,;it diesemZwecke schon 18.1N von dem Oberrabbiner (vlta Aron sattes gelegentlich der damals gleichfalls herrschenden Cholera verfaßten Gebetes vorgctragcn. Möge nnn der Allmächtige seine Geißel baldigst von uns entfernen, die indeß nicht verfehlte, die Blicke nuferer GlaubcnSbrüder wieder nach aufwärts zu richten und sie daran zu erinnern, das; dort oben unsere eigentlicke Hekmath ist. Livorno, im Juni. Am 2. d. verschied in Siena der jüdische Dichter ftrs) und Gcmeinderath Giuseppe Bemporad (ms p) im Alter von 7 l Jahren. Derselbe bekleidete auch mehrere Male die Stelle eines Nosch-Hakahal in seiner Gemeinde und auch die eines Vicebnrgermcifters in dieser Stadt. Er führte eino klassische jüdische Feder, deren Früchte aber zumeist der Synagoge, also der Verherrlichung Gottes, gewidmet waren. So verfaßte er mehrere Pijutim, die noch heute in Pttttgliauo, seinem Geburtsorte, an den hohen Fest- und Feiertagen rccitirt werden. Drei seiner hebräischen Gedichte oder vielmehr in Reim gebrachten Fabeln befinden sich in dem von Costa 1851 hier in Livorno heransgcgebenen ^ozr rnps. Nebst der jüdischen Feder wußte er aber auch den Pinsel vortrefflich zu handhaben, und besitzt die Stadt Siena mehrere ausgezeichnete Federzeichnungen, von ihm. urr;n 'i rrn. — Drei Tage nach dem Tode Bemporad's schied in Turin Jsak Lattes im Alter von 79 Jahren aus dem Leben. Derselbe besaß neben einer immensen weltlichen Bildung auch ein großes jüdisches Wissen und nannte er auch eine schöne Stimme sein eigen. Es war daher seine größte Freude, an den dwu crc’ (hohen Feiertagen) Mullafim vorzubeten, und. wußte er dann wie selten einer die. Andächtigen royna zu sein (weihevoll zu stimmen). Auch war er ein fleißiger Mitarbeiter der jüdisch-italienischen Blätter, da er auch eine vortreffliche italienische Feder führte. Männer, wie die genannten zwei Todten, ehren sich und ehren ihr Volk und ihren Glauben, n"2"s":"n. G r i echenland. Korfu, im Juli. Dienstag, 1. Juni feierte unser erlauchter Kronprinz Konstantin,_ n"T feinen Namenstag und fand aus diesem Anlage im großen Tempel hier ein solenner Gottesdienst statt, bei dem unser verehrter Oberrabbiner die üblichen Gebete für den König, die königliche Familie und das uns allen theure Vaterland verrichtete. — Montag, 14. Juni fand im hiesigen Tempel ein Trauergottesdienst für die an der Grenze im Kampfe gegen die Türken gefallenen Glaubeilsbruoer statt, ans welchem Anlasse der Tempel, luic an einem Festabende, bell beleuchtet und auch schwarz ansdrapirt war. Die Feier begann mit der Rccitirnng einiger Psalinen, worauf der Chor das mos und hernach den Psalm iroyn bj rx; rxiss absang. Hierauf öffneten der Obcrrabbiner die heilige Bundeslade und sprach hier für die Seelen der gefallenen Helden eine rosse? (Seelengebet), die er eigens für den heutigen Tag verfaßt hatte. Zum Schlüsse folgte dann das Zkadifchgebet. Eine Liste nuferer auf dem Schkachtfelde gefallenen Gtaubcnsbrüdcr wurde leider noch nicht veröffentlicht. Indeß willen wir schon jetzt, daß arrs rrnferer Gemeinde mit Ausnahme eines einzigen, der verwundet wurde. Niemand gefallen ist. F p n t J l c j o tu Michael. Erzählung von 2. Kobn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Es trat eine Panse tiefer Stille ei», endlich ergriff Red Kalme Wongratz, ein älterer, wohlhabender Mann das Wort. Seine Absicht war gewiß eine höchst löbliche; aber er besaß nur fpärjiche Rednergaben und brachte seine Gedanken «nr schwerfällig und in äußerst schlechter Weise zum Ausdruck. „Das geht nit so, Mecaß Reb Jones!" ries er, „daß Ihr uns auf einmal verkästen thun thut. Wir haben in der ganzen Kehilla') keinen, der die Sach so gut führen könnt wie Ihr. Ihr seid ein Szafro rabbo -), ein Oschir ^), Ihr habt die Zeit dazu, Ihr habt einen Sohn und Schwiegersohn in Eurem Geschäft und braucht Euch um dieses nicht zu kütnmertr, Ihr seid beim Kreisamt und Landesgubernium ein Takis*) .... Und glaubt Ihr, der Bürgermeister, der jetzt ein Roscho ist, wird, wenn man einen Andern zum Roschhakohol macht, aus einutal geschwind ein Ohew Jisroel^) werden'? Mir scheint bei dem kann nix mehr verdorben werden! Was kann es denn noch Aergeres als das Aergste geben? Dominik Goltzinger ist schon ein so großer Szone Jisroel% daß er gar nit mehr 1) Gemeinde. 2) Großer Schreiber. hier so viel al£: gewandt in der Abiafiung von Scbrimkücken. 3) Reicher Mann. Einftnßrnchrr Mann, ö) Iuvenfrennv. 6) Judenfeind.