Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1886)
- Date
- 1886-07-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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089 „rdlfliiifc Handlung" vornehmen muß, für die doch „der gemeinsame religiöse Grund uitb Boden" fehle, null man unter keinen Umständen auch bei uns in Mecklenburg hcreinbrcchcn lassen und darum tvill die Versammlung der Negierung den „Tank dafür anSsprcchen, daß in unserem Lande bisher noch kein Jnde zum Richteramt befördert worden sei." Das; mit einem prinzipiellen Ausschluß der Juden vom Nichteramt daS Reichsgesetz vom 3. Juli 1869, welches allen Staatsbürgern, ohne Ansehen des religiösen BckenntnifieS, die Befähigung zur Bekleidung oncntlichcr Aemter znspricht, scheint man hierbei, zu übersehen. Im Ucbrigcn scheint mau den bekannten Antrag dcS konservativen Reichstags-Abgeordneten v. Maltzahn-Gültz im Reichstage, der seiner Zeit von 27 Mitgliedern der konservativen Fraktion unterstützt wurde — „Angehörige der christlichen Religion haben ein Recht, zu verlangen, daß ihnen der Eid von einem Religionsgenogen abgcnommen werde; ist dies auf andere Weise nicht zu erreichen, so ist auch auf Antrag des zu Vereidigenden-ein. Geistlicher^ feiner Konfession znr Abnahme des Eides zuznziehcn. Das entsprechende Recht steht auch den Angehörigen der israelitischen Religion zu" — von Neuem auf's Tapet bringen zu wollen. Die Pastoralen Kreise, aus denen heraus stets von Neuem wieder ein Ansturm gegen diejenigen Rechtscinrichtungen, die ihnen ein Dorn im Auge sind, unternommen wird, werdende Verhandlungen dieser Konferenz drucken lassen und sich in „geeigneter Weise" mit ihren Forderungen an die denselben ja stets entgegenkommende strelitzische Regierung wenden. Gut, daß dieselbe im Reich nicht ausschlaggebend ist. Oestcrr.-Ungar.Monarchie. Graz, 12. Juli. In der General-Versammlung des Steiermärkischen Kunstindustrie-Vereines verurtheilte der Präsident Graf Heinrich Attcms in entschiedener^ Weise den Antisemitismus, indem er in der Eröffnungsrede sagte: Nicht gleichgittig kann es uns sein, wenn außer unserem Kreise Elemente sich finden, welche unser Friedenswerk stören, welche zu den vielen Reibungs- Punkten, die leider im nationalen Wettkampfe unseres geliebten Oesterreichs schon bestehen, leichtsinnig auch noch neue hervorzerren und Tendenzen in den Vordergrund treten, die geradezu ein Hohn für den Eutturstandpunkt unseres Jahrhunderts find. Ich weiß, daß ich in Ihrer aller Namens spreche, wcun ich an dieser Stelle gegen dieses Beginnen feierlichst Protest einlege und 'es offm ausfprcche. daß iütv rückhaltlos im diametralen Widerspruche zu diesen zersetzenden, das Volks- und Staatslebcn verpestenden Doetrincn stehen, daß wir uns des gesunden Sinnes freuen, den unsere Arbeiter hiebei an den Tag gelegt, und daß wir voll an deren Seite stehen. Das Schüren von nationalem Widerstreit und Racenhaß ist gemeinschädlich, dem Lolkswohle abträglich und unpatriotisch. Ans diesem Grunde treten wir dieser Agitation mit offenem Visir gegenüber. Holland. Amsterdam. Herr A. E. Wertheim wurde zum Mitglicde der ersten Kammer erwählt; Herr Wcrtheim ist der Chef des Welthauscs Werthcim und Gompertz. Derselbe nimmt auch in der Verwaltung der holländischen Judenhcit eine hoheStellung ein, in welcher er große Thätigkcit entfaltet. Baron George Roscnthal hat der jüdischen Gemeinde einen großen Baugrund und eine bedeutende Summe zur Errichtung einer jüd. Schule und eines Siechenhaus geschenkt. Italien. Venedig, im Juli. Jni Musennm zu Treviso befindet sich seit Kurzem ein phönicischer Gedenkstein , den unser Landsmann Pietro Dona aus Karthago (Tunis) mitgebracht und dem genannten Museum zum Geschenke gemacht hat. Der Stein, der wahrscheinlich irgend einer phönicischen Gottheit gewidmet war, ist in seinem obern Theil etwas beschädigt; einige Buchstaben sind wieder verlöscht, andere kaum 'mehr leserlich. Nichtsdestoweniger läßt sich der Inhalt aus den noch vorhandenen Worten und Buchstaben leicht enträthseln. Die Inschrift ist folgende: [n:]nV ]ro["6] [n]2 jt p pr*n3[y] ' ik -• " Herae-nostrae Tanithi faciei-Ba aeis dominoque Ba'ali-ITammoni (vo(um) Q.UOD VOVIT LaBATH FILIA *Abi>-Eshmuni FILII JA'AZOR. . Die Ueberfetzung lautet: „Unserer Göttin Tanath, dem Gesichte Baal, und ihrem Gebieter, dem Baal Hamon; dem nun gewidmet hat Labeth, die Tochter des Abdaschman, Sohn des Jazor."