Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1886)
- Date
- 1886-07-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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001 ärger werden kann. Aderabbe7 8 * * *) ich glaub' je mehr Gosche der Bürgermeister ist, desto nvthlvendiger io es, das; Jhrllioschhakohol bleibt. Lenlaan Haschern! *) was wird uu5 der Bürgermeister denn thun, wenn ^ln*, ihm zn lchachis") doch unser Parues bleibt? Tie SlaV wird er Euch und uns, nit abbeißen! . ... Ich bleib bei meiner Red! Wir wollen keinen audcrn Roschhakohol, wir wählen keinen Andern!" .Reb Kalme hatte seinen speech ziemlich schüchtern begonnen und wahr schon während' desselben durch das zustimmeude Kopfnicken und beifällige oJnmirnicl etwas sicherer geworden; aber als am Schluffe mehrere Stimmen riefen: „Reb Kalme har ganz recht, Reb Iopef muß ad meo schonim ") unser Roschhakohol bleiben," ward er plötzlich machtvoll von der Ucbcrzeugung erfaßt, daß er wirklich ein genialer Redner sei. Er erstanute selbst über seine früher nie geahnten Geistesgaben, und lies; einen, sein erstarktes Bewußtsein ausdrückenden Blick, über die ganze Versanimlung schweifen. Abei^er sollte nicht lange in seinen rasch errungenen Triumphen schwelgen: denn nun erhob sich Reb Zodok Tatfchitz und sprach: „Ich habe eine anderL_DeE).^ls,MLKalme. Ich glaube, wir müssen, der Aufforderung> unseres bisherigen Roschhakohols folgen und sofort zur Wahl eines neuen schreiten. Vor allem schon aus dem Grunde, weil mein alter Freund, Reb Jossef Anger, der Mann ist, der nichts spricht und thut, was er nicht vorher reiflich bedacht hat, dann aber an seinem Entschlüsse unerschütterlich festhält. Reb Kalme ist ein sehr kluger Mann, aber darin kann ich ihm nicht beistimmen, daß wenn wir dem Bürgermeister Trotz bieten, er nicht noch ärger werden kann als er schon ist. Ich bin ein alter Mann und habe Vieles erfahren, glaubt es mir, es gibt keinen so schlechten Menschen auf der Welt, daß er nicht noch schlechter werden könnte, und wenn Bürgermeister Golzingcr auch wie Reb Kalme richtig behauptet hat, auch wenn wir einen andern Roschhakohol Wahlen, nicht auf einmal ein Ohew Jisroel werden wird, so führe ich dagegen einen zweite» Erfahrungssatz an. Es ist auch kein Mensch \ o schlecht, daß er nicht, wenn er freundliches Entgegenkommen steht, doch ein klein wenig in sich geht. Und wenn," — Reb Zodok lächelte — „Reb Kalme meint, der Bürgermeister würde uns auch im ärgsten Falle nicht die Rase abbeißen, so halte ich 7) Im Gegenrheil. 8) Nm^Gotteswillea. 9) Trotz. 10) Borsieher. 11) Wönlich diL Hunden Jahr, figürlich die längste denk- Zeit. 12) Meinung. . : - ' ' auch dies nicht für ganz unmöglich — als ich einmal als junger Man» in Brünn zu Markte war, habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen, wie bei einer Rauferei, eilt siowaklscher Drathbinder dem anderen ein Stück Rase abgebissen; — allein, das halte ich bei einem Bürgermeister doch für höchst iltlwahrscheinlich, aber" — Reb Zodok war wieder sehr ernst geworden — „es bestehen in Mähre» für die Juden sehr harte Gesetze, und der Bürgermeister kann uns das Leben unerträglich, unsere Existenz unmöglich machen. Man muß unter allen Verhältnissen die goldene Mittclstraße einschlagen. Wir müssen uns verthcidigen, aber wir müssen auch zur rechten Zeit nachgeben. Reb Joffes Singer hat sehr recht gethan, dem neuen Stadttyrannen zu zeigen, daß wir uns nicht wehrlos wie. Straßcnkoth treten lassen, und es wird dies dem neuen Vorsteher gewiß zu Gute kommen; aber wenn er jetzt ans seinem Amte tritt und dies durch sein hohes Alter erklärt, so Hut weder er, noch die Gemeinde sich hierdurch etwas vergeben. Auch aus Rücksicht für Reb Joffes müssen wir seine Amtsniederlegung, wenn auch mit tiefem Bedauern, so doch ohne Widerspruch und dem vergeblichen Bemühen ihn zum Widerruf zu veranlassen, eutgegenuchmeu. Reb Joffes kann, nachdem was zwischen ihm und dem Bürgermeister vorgefallen, nicht weiter mit ihm verkehren. Ihr seht daher, meine lieben Freunde, es spricht Alles dafür, daß wir, wie immer, dem weisen. Rathe unseres alten Gemeindevorstehers folgen und zur Wahl eines neuen schreiten müssen." Des Menschen Sinn ist wandelbar und leicht bestimmbar, und gerade jene, die früher am lautesten gerufen hatten „Reb Kalmen hat recht," riefen jetzt eben so stürmisch „Reb Zodek hat recht, wir müssen einen neuen Roschhakohol wählen!" Das Bedürfniß eines neuen Gemeinde-Oberhauptes war mit solcher Plötzlichkeit eingetreten und man hatte bislang so wenig an einen Nachfolger des gegenwärtigen gedacht, daß Niemand eine Idee hatte, wen man wählen sollte, und es war eine längere Pause der Ruchlosigkeit eingetteten. „Wen aber sollen wir zum neuen Roschhakohol machen?" gab endlich Reb Refoel Kazow") der allgemeinen Stimmung Ausdruck. „Tommer“) wählen wir Reb Jossefs Sohn oder Eidam," riskirte Reb Joine Szochorl3) „das Amt ist ja schon viele Jahre in feiner Familie." Jetzt, - nachdem schon Mehrere das Wort er- . 13) Der Fleischer, Metzger. 1-t) Bielleich». enoa. 15) Ter Händler, speziell der Krämer.