Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1886)
- Date
- 1886-07-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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neu bcu Herren Reformern momentan den Mutt) geraubt zu haben, und da cs noch an anderen Stellen innerhalb der Partei gährt, haben es die Herren Tr. Wifc und Eons,.für paffend erachtet, die Konferenz auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Als Grund gilt angeblich die Unmöglichkeit einer Anzahl Rabbiner der Versammlung ictzt anwohnen zu können; dcullichcr kann man sich nicht erklären. Prachtvoll ist es, wie nach den Vorgängen der letzten Wochen das Organ des Herrn in Eiucinatti sich gebehrdct, als ob gar nichts vorgefallen wäre. Tr. Sonnenschein wird von Tr. Wise trefflich verthcidigt, und da die am Mittwoch in Lck. Louis stattgehabte Gemeindeversammlung die Entlassung Tr. Sonnenschein» verworfen hat, sieht man, dag die Dcrtheidlguug genützt hat. Ein altes Wort heißt: Jedes Volk wird so regiert, wie es regiert zu werden verdient, und die Sonnenschcin'sche Gemeinde zeigt sich ihres Herrn und Meisters würdig. Tr. Sonnenschein hat die jüngst von mir des Ausführlichen dargclcgtcn Anklagen geleugnet; er behauptete wohl in.Boston mit den Unitariern verhandelt zu haben, aber nicht wegen seines UebertritteS sondern nur wegen Vorträge n. s. w. Allein die Vertheidigung erscheint so gezwungen, daß man den nnitarischen Pastoren mehr als dem Rabbiner glaubcu muß. Die Verwaltung hatte aus Grund der Anklagen die Enttayung von Tr. Sonnenschein beantragt, allein die Gemeindeversammlung vom 80. Juni hat nach den mir vorliegenden telegraphischen Rotizen, die Entlassung abgelehnt, und so bleibt Dr. S. Rabbiner. Doch wird sich die Zahl seiner Gemciudemitglieder verringern und es dürste das Vorgehen der Versammlung unbedingt zu einer Trennung führen. Vielleicht fuhrt Dr. S. den ihm treu bleibenden Anhang direkt ins unitarische Lager. Begierig bin ich doch zu hören, was die Reformer in Europa zu dem Treiben ihrer fortgeschrittneren Eollegen hier sagen. Dr. Kohut hat jüngsten Sabbat den Herren einen neuen Namen gegeben: er nannte die Herren Altreformer die mip \n, von denen der Vers sagt, daß sie nicht gestorben sind. Vom neuen Rabbinerscminar dringt wenig an die Oeffcntlichkeit; cs sollen Verhandlungen mit verschiedenen Eapacitäten behufs Ucberuahme der Leitung siattfindcn. Wenn die Thätigkeit, wie geplant, ini Herbst beginnen soll, wird bald mehr an die Ocflentlichkeit gelangen muffen. — In den ersten 6 Monaten dieses Jahres haben circa 5000 russisch-polnische Glaubensgenomu den freiheitlichen Boden Amerika» betreten. Während die Eimoandererzahl aller Nationen bedeutend hinter der gleichen Zeit des Vorjahres zurückblieb, har 987 sich die Zahl der eingkwanderten Juden aus Ruß. fntib und Polen unverändert erhalten. — Der Rcformrabbiner Dr. Wechsler in St. Paul lebte mit seiner Gemeinde seit einiger Zeit in Konflikt und das Ende bildet nun der Rücktritt des Scelenhillcu. Vielleicht spielen sich da auch Scencn «i la Sonnenschein ab. Ich gehe auf diesen Mann nicht näher ein, weit er zu wenig bekannt, während S. in Europa ja in den orthodoxen «reife» seine Freunde suchte. Gestern legte man im oberen Stadttheile Ncw- Vorls den Grundstein zu einer neuen, angeblich orthodorcn Synagoge. Die Gemeinde (Bikur Eholim) galt bisher für orthodox nach hiesigen Begriffe»; ob die Veränderung dcS Platzes auf die Tendenz Einfluß hat, wird die Zukunft lehren. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deuts ch l a n d. Mainz, 15. Juli. Einem Extrablatte des zu Amsterdam erscheinenden jüdischen EentralblatteS entnehmen wir, daß Herr Wagenaar v"3, bisher Eonrector des isr. ^kabbinerscminars zu Amsterdam, zum Obcrrabbincr der Provinz F ri es l a n d, mit dem Rabbinatssitze L e c u w a r d e n, au Stelle des verewigten ObcrrabvincrS D n f iit nS.bs% erwählt ist worden. Wir wünschen den Israeliten Fricslauds von Herzen Glück zu dieser vorzüglichen Acquisitiou. — Würzburg, ll. Juli. Unter großer Betheiligung wurde heute Frau Mühlcubesitzer Rosenblatt, das 18. Opfer der Eisenbahn-Katastrophe, auf dem israelitischen Friedhofe zu Grabe getragen. Die Verstorbene hatte, nachdem sie seit vielen Jahren keine Reise mehr unternommen, an dem Unglückstagc einen Krankenbesuch in. der Nähe von hier gemacht und zur Heimreise de» Bambcrger Zug benützt. Von den Personen, die mit ihr das Eoupötheiltcn, war sic die einzige, die nicht sofort den Folge» der ' Wunden erlag. Nun ruht auch sie in kühler Erde! Ihr Grab befindet sich der Unglücksftättc unmittelbar gegenüber. Vom Rhein, 11. Juli. Der jüdische Kantor Abrahams, polnisch-russischer Nationalität „ ist tu den lebten Tage» aus München-Gladbach ausgewiesen worden. Gegen den Lebenswandel des Betreffenden liegt nicht das mindeste vor; derselbe wird als ein harmlos-ruhiger Mann geschildert.