Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1886)
- Date
- 1886-07-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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W7H Deutschlands, bei Zeiten sich zu rüsten und niit ««geminderter Aufmerksamkeit die Agitationen der -Thierlchutzvereinc zu verfolgen. Die Petenten werden nicht voraussichtlich, sondern sicher in der nächsten Session mit einer neuen Eingabe an den Reichstag herantreten;' an demselben Tage aber müssen unverwcilt die jüdischen Gemeinden ihre Gegcnpetitionen der gesetzgebenden Körperschaft übersenden. Königsberg. Aus dem Jahresbericht des Borstcheramtes der Königsberger Kaufmannschaft für 1885 entnehmen wir folgende lehrreiche Darlegungen über die im Bezirk Königsberg beobachteten wirthschaftlichen Wirkungen der Maffenansweisung russisch-polnischer Uuterthanen: „Bereits zu Anfang Juli vernahmen wir, daß m Verbindung mit beu generellen Maßnahmen gegen polnische Elemente die allgemeine Ausweisung der hier lebende»-russisch-jüdischen Kauflente geplant sei, eine. Nachricht, die uns sogleich zu Vorstellungen an die Herren Minister für Handel und Gewerbe und des Innern veranlaßte. Denn unseres Erachtens gehören diese unserem Handel nützlichen Personen nicht zu denjenigen Ausländern, von denen Polonisirnngsbestrcbungen zu befürchten wären, lieber die politische Seite der Ausweisungs-Maßregeln zu urtheilen, ist zwar nicht unsere Aufgabe, aber wir glauben, es aussprechen zu müssen, daß die hier lebenden kleinen russisch-jüdischen Händler, von ganz seltenen, und übrigens nicht bekannten Ansnahmefällen vielleicht abgesehen, unserer Meinung nach überhaupt keine Politik treiben, sondern nur eifrig ihren Geschäften nachzugehen suchen. Was sie aber geschäftlich für unfern Platz bedeuten, davon wird sich der Fernstehende kaum eine rechte Vorstellung machen können. Gerade auf ihnen und ihre Thätigkeit beruht ein großer Theil unseres Geschäfts mit Rußland. Jnbesondere trifft dieses zu auf unfern Haupthandlnngszweig, das Getreidegeschäft, das zum überwiegenden Theil in der Einfuhr russischen Getreides auf dem Bahnwege und m der Wiederausfuhr desselben über See besteht. Die Heranziehung des russischen Getreides ist vornehmlich Sache dieser russisch-jüdischen Kommissionäre. In Folge ihrer Genügsamkeit und Gewandtheit, ihrer emsigen Rührigkeit und ihrer Kenntnis von Land und Leuten in Rußland, hauptsächlich aber in Folge ihrer verwandtschaftlichen und sonstigen persönlichen Beziehungen zu ihren Auftraggebern in Rußland sind sie in der Lage, das Getreide so billig heranzuschallen, wie kaum ein Anderer. Beim Fortgang dieser Personen von Königsberg würde daher unzweifelhaft ein großer Thell unserer russischen Getreideznfuhren verloren gehen. Es sind nicht mtr die dauernd hier lebenden, sondern and) die nur zeitweilig sich hier anfhaltenden russisch-jüdischen Händler, welche eine solche unserem Getreidehandel ersprießliche Thätigkeit entfalten. Aehtklich liegen die Verhältnisse im Holzhandel und im Handel mit Flachs nnd Hanf. Aber auchein erheblicher Theil unseres Exports nach Rußland, namentlich von Thee, Heringen und Eolonialwaaren, wird lediglich durch die hier lebenden kleinen russisch-jüdischen Kommissionäre ermöglicht. Fenier kommen in Betracht die zahlreichen, in den hiesigen Geschäften angestellten russisch-jüdischen Korrespondenten, gleichfalls unserem Handel sehr nützliche Personen, da die Kenntnis; der russischen Sprache in Deutschland wenig verbreitet ist; die russisch-jüdischen sogenannten Hausmakter der Flachs-, Hanf- und Lumpendranche, eine Eigenthümlichkeit dieser Geschäftszweige und eine für dieselben kaum entbehrliche Institution; die in den Flachs- und Hansgeschästen ihrer besonderen Fertigkeit in der Bearbeitung des Flachses und Hanfes wegen angestellten russischen Bracker; die russischen Rubelmäkler und noch so manche andere russisch-jüdische kleine Händler nnd Gewerbetreibende. Der Einzelne derselben mag vielleicht als wenig bedeutsam für den hiesigen Handel erscheinen, aber das Zusammenwirken aller dieser Personen erzielt bedeutende Resultate. Schon die Befürchtung, wir könnten diese nützlichen Elemente verlieren, mußte daher lähmend aus - die geschäftlichen Unternehmungen einwirken. Gegen Ende August nahmen dann die befürchteten Answeisungsmaßregekn gegen die russisch-jüdischen Händler re. in unserer Stadt ihren Anfang und sind bis aus den heutigen Tag (Mar 18*0) fortgesetzt worden. Wir hatten allerdings von allen beLheiligLen Behörden die Zusicherung erhalten, daß dabei jnir thunlichster Schonung der hiesigen Handelsinterepen vorgegaugen werden sollte. Dankbar erkennen wir es auch an, daß, entsprechend den vom Herrn Minister des Innern erlaufenen Weisungen, der Herr Lberpräsident und das königliche Polizeipräsidium so viel als möglich bestrebt waren, unfern Wünschen Gehör zn schenken. Solche Wünsche auf Zurücknahme oder Milderung von Ausweisnugsverrügungen zu äußern, waren wir aber unzählige Male genörhkgt. Seit dem vergangenen September bis zum heurigen Tage hat fast keine Sitzung uu? seres Kollegiums stattgesunden, in der nicht über vorliegende Gesuche um Befürwortung der Rücknahme von Ausweisungen Beschluß zu fasten gewesen » - ' I