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Der Israelit · 1886-07-15 · Heft 56 (15.7.1886) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 56 (15.7.1886)
Date
1886-07-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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wäre. Dem errtsprecherrd sind arrch nufere in dieser V(iiAc(cacii{)cU bei den Behörden gctharrerr Schritte sehr zahlreich. Aber immerhin Haber« sie leider in manchen Fällen nicht den gewünschten Erfolg gehabt. — Ein Thcil derjenigen rnssisch-jüdischen Händler, die bis zum l. April 1886 befristet waren, hat diesen Termirr, der ständigen Unsicherheit und Ungewißheit über sein ferneres Schicksal müde, nicht abgewartct und ist freiwillig gegangen. Die Lu sonstigen Jahren nur zeitweilig nach hier komrnendcu russischen Kommissionäre sind zum Theil ausgcblieben, weil sie befürchteten, daß ihnen eine genügende Frist zur Abwickelung ihrer Geschäfte nicht gewährt werden würde. So haben die Ausweisungs- Maßregeln, trotzdem — wir wiederholen es — die Behörden sie thunlichst milderten, unmittelbar und mehr noch mittelbar den Verlust dem Handel höchst nützlicher Elemente zur Folge gehabt. Auf der Hand liegt es, daß die russisch-jüdischen Händler einen Platz zu meiden und zu verlasse» suchen, an welchem sie ihres Bleibens nicht gewiß sind. Diese Ungewißheit muß zuweilen davon abhalten, mit ihnen Geschäfte-abznfchließen,-noch häufiger sie selbst hindern, neue Geschäfte einzugehen. Und es ist leider den Betheiligten unzweifelhaft, daß der so überaus bedeutende Rückgang unseres Getreidehandels nanrcntlich in den jetzt abgelaufeneu vier ersten Monaten des Jahres 1886 wenigstens thcilweise den Ausweisungen zuzuschreibeu ist" Auch der Jahresbericht der Handelskanrmer zu Appeln konstatirt die nachtheiligen Wirkungen dieser Ausweisungen wie folgt: .Diese Ausweisung hat manche Nachthelle mit sich gebracht. In den Orten unseres Bezirks, wo zahlreichere Ausweisungen stattfandcn, haben durch dieselben die Arbeits- und Geschäftsverhältnisse eine nicht zu unterschätzende Störung erfahren. Insbesondere leiden durch Jtoe Ausweisungsmaßregeln die Geschäftsleute in unseren Grenzorten, indem der früher lebhafte Grenzverkehr fast ganz aufgehört hat. Sonst pflegten die jenseits der Grenze wohnenden Polen nach den nächstgelcgeucn. deutschen Orten zu kommen, um hier ihre Bedürfnisse au Kleidern, Haushaltuugsgegcnständen :c. cinzukaufen. Seit den Ausweisungen von Polen aus Deutschland hat aber unter unseren Grenznachbam eine solch fciudftlige Stimmung gegen alles Deutsche Platz gegriffen, daß sie jeden Verkehr mit uns so gut wie ganz anfgegeben haben.. A s 1 e u. Wladiwostok (Ostsibirien). Einige Tage nach dem Peßachfcsie wurde em Mitglied unserer ohnedies klelrre« Geruekude, das feirrcm Starrde nach Hausirer war und seine Maaren (Masche rrrrd Kleidungsstücke) gewöhnlich jenseits des Aurrrrstromes nach der Mandschurei, die bekanntlich schon zur» chinesischen Reiche gehört, trug, ans dem Wege zur Stadt Tong-tzo-rul von mongolischen Wegelagerern ermordet und gänzlich auSgeranbt. .Seine Leiche wurde auf offener Straße liegend gefunden, und hatten die Raubvögel schon begonnen, dieselbe im Gesichte abznnagen. In der Brusttasche des Tobten wurde dann deffcn tatarisch-chinesischer Harrsirpaß gefunden, aus dem hcrvorging, daß dessen Inhaber ein Tzo-li, d. h. Judcumann, war. Die in Tong-tzo-mi lebenden russischen Staatsangehörigen verständigten sogleich unsere Localbchörden von der Blutthat, die wieder die Aufmerksamkeit der chinesischen Behörden auf diesen Vorfall lenkten und von denselben auch eine strenge Bestrafung der Mörder forderten. Letztere werden im Falle, daß man ihrer habhaft wird, enthauptet. Ihre Kopse werden dann vor einem der Stadthore von Tongtzo-mi auf langen Stangen ausgestellt werden. — Am vergangenen Chanukafeste wurden in der urandschurischen Stadt Ke-long von zwei jüdischen Kauflentcn, die eben dort zur Messe weilten, die üblichen Chanukalichter angezündet, worüber Mongolen und Chinesen nicht wenig erstaunt waren. Die zwei Juden logirren nämlich im Kärawanen-Serai, wo sich zugleich auch Kauflcute aus allen Theilen des chinesischen Reiches befanden. Die Chinesen machten die Juden darauf aufmerksam, daß auch sie eine Art Lichterfest (eigentlich ein Larernenfest) haben, an dem sie zu Ehren ihrer Götter Lichter anznnden und dieselben, die in buntfarbigen Laternen stecken, mit Gesang und Jubelrufen durch die Stadt tragen. Es war gewiß dies das erste Mal, daß in der Mandschurei Chanukalichter angezündet und -ns nya gesungen wurde. Bei ihrer Ankunft in Ke-long mußten die. zwei jüdischen Kauflcute auch dem dortigen chinesischen Gouverneur ihre Aufwartung machen und sich von ihm. ihre Paffe visiren laffen. Derselbe lud sie nun zum Mittagessen ein, eine Ehre, die von denselben entschieden abgelehnt wurde, da sie nicht nur dem Chasirsteisch, sondern auch den gedünsteten Ratten, den Hundecoteletts und den in Butter gesottenen Schlangen, alles Telicatcffen der chinesischen Küche, mit heiliger Scheu aus dem Wege gehen. Beim Weggehen aus dem Palaste machte der Gouverneur jedem von ihnen einen Affen zum Geschenke, da diese Thiere in der südlichen Mandschurei zu Hause sind und oft auch als Braten auf die Tafel kommen. Auch die kaiserliche Tafel iu Peking wird aus der Mandschurei mit Affen

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