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Der Israelit · 1886-07-15 · Heft 56 (15.7.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 56 (15.7.1886)
Date
1886-07-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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074 die beleidigende Absicht. Gi* beantrage deshalb Aufhebung des ersten Urthcils und Zurückweisung in die erste Instanz. Der höchste (Gerichtshof schloß sich unter Adoptirung dieser Ausführungen dem Anträge des Reichsanwalts an. I t a l i e n. Livorno, 1. Juli. Gleich den übrigen Städten Italiens beging auch Livorno am 20. v. Alts. den fünfundzwanzigiährigen Gedenktag des Todes des großen italienischen Staatsmannes, Grafen Cavour und wurde die bezügliche Feier im Theater Goldoni abgehalten. Derselben wohnten alle Civil- und Militärbehörden au und der einzige offizielle Redner, der dabei auftrat, war unser Glaubensgenosse, der Advokat, Dr. Cavaliere Dario Cassuto." Seine Rede, ein Meisterwerk der Rhetorik, fand allgemeinen Beifall. — Ad vocein Cavoiu*. Cs wird von Intereffe sein zu erfahren, daß, wenn Cavour ein großer Staatsmann-geworden und er als solcher dann den Grundstein zur itallenischeu Einheit legen konnte, er dies einzig und allein einem orthodoxen Rabbiner zu verdanken hatte. 15>51 weigerten sich nämlich die Turnier, da sic Oesterreichs Rache fürchteten, dem Grafen ciu Mandat für die Deputirtenkammer anzuvertraucn. Da wandte sich der bekannte italienische Staatsmann Masfimo d'Azeglio brieflich an den Oberrabbiner von Turin, Lelio Cantoni, und bat ihn, seine Gemeinde zu bewegen, daß sie ihre Stimmen auf den Grafen vereinige. Der Oberrabbiner ging dann von Haus zu Haus Stimmen für seinen Candidaten zu sammeln, und präsidirte er auch der ÄZahlcommission. Man. sieht, daß man ein großer Lamdon und auch ein großer Zadik und dabei dennoch ein großer Patriot sein kann. Türkei. Konstantinopel, 1. Juli. Das Amtsblatt »La Turquie" veröffentlicht heute Morgens folgendes Communique: „Unmittelbar nach seiner Ankunft in Konstantmopel hat sich Graf C a m o n d o in den kaiserlichen Palast von Mdiz-Kiosk begeben, wo er die Ehre hatte, die vorzüglichsten Personen daselbst zu sehen. Der Graf hat eine ebenso wohlwollende, wie sympathische Aufnahme gefunden nnd wurde er eingeladen, dem kaiserlichen Empfange am Bairnmfeste anzuwohnen. Gestern hat Graf Camondo auch dem Großvezier, dem Kriegsminister und dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten Besuche abgestattet. Pal äst i na. Jerusalem, im Juli, ciroaa. ijarn dw nan njnn mnt rw iLv ’rs: nar» "i ny. (Hub wollt Ihr sic nicht anhören, dann wird mctuc Seele im Verborgenen weinen und" Thräneu vergießen und mein Auge wird Thräueu träufeln, weil die Heerde Gottes beraubt ist worden. (Jeremias C. XHI, V. 17). Die im heiligen Lande lebenden griechisch-italienischen Juden haben binnen wenigen Tagen zwei Koryphäen der Gcisterwclt verloren, welche nicht nur durch ihre große Frömmigkeit, ihre umfallende Gelehrsamkeit und ihren ungemein regen Wohlrhüligkektsnnn, sondern schon durch ihre GeburtBrüder waren und nun jetzt wieder in den lichten Himmelssphären brüderlich vereint sind, und sich dort am Anblicke der göttlichen Majestät laben und erfreuen. Vor wenigen Tagen starb nämlich in Jalta Rabbi Riso Levi a?nj *n aus Korfu, im Alter von 80 Jahren, von denen er nahezr den fünften Thekl auf dem heiligen Boden Israels verlebt hatte. Der Verstorbene kam anfangs der Siebziger-Jahre aus feiner Heimath, wo er zu den geachtetstcn Mitgliedern der dortigen Ge- -meiude. gehörte, hieher, um hier seine Lebeustagc zu beschließen und auf dent trrrin in (Oelberge) feine letzte Ruhestätte zu finden. Seine geschwächte Gesundheit zwang ihn jedoch bald, die heilige Stadt mit Jaffa zu vertauschen, wo er ununterbrochen, die ihm so wohlthnende Seeluft einathmen konnte. Rach kurzem Siechthume schied er Ende Mai aus dem Leben und wenn er auch nicht die n^t hatte, auf dem Oelberge begraben zu werden, so ruht er wenigstens auf dem Loden des heiligen Landes, was auch schon eine Gnade des Himmels ist. Mehrere Söhne, von denen einer, Tr. Maimun Levi, ei» berühmter Augenarzt in Kairo ist, beweinen nun den Tod ihres Heimgegangenen Vaters. Einige Tage nachher und zwar Montag den 14. Juni, 11. Siwan, verschied der hier in Jerusalem lebende älteste Bruder des Verstorbenen, Rabbi Moses Levi, in denk hohen Alter von 88 Jahren. Derselbe kam als siebennndsiebzigjähriger Greis aus seiner Heimath Korfu hierher, um gleichfalls hier seine Angen zu schließen und dann vereint mit seinem jünger« Bruder auf dem Oelberge zn ruhen. Ihm ist nun sein frommer Wunsch in Erfüllung gegangen. So ruht jetzt der eine dieser beiden Brüder am Meeresgestade in Jaffa und der andere hier auf dem sephardischen Friedhofe. Bor dem Throne Gottes werden sich jedoch beide Brüder wieder finden und dort vereint der Stunde der Auferstehung entgegensetzen. Auch Rabbi Moses Levi hmterließ mehrere Söhne, die alle Kaufleute sind, aber von ihrem Vater den großen Wohlthätigkeitsfinn geerbt zu haben scheinen. k ft | 1

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