Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1886)
- Date
- 1886-07-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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F e u i 1 l e ton. Micha ek. lfrzahlung von L. Nohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Einige Ausrufe peinlicher Ueberraschung wurden laut, aber Niemand wagte zu sprechen, bis der Roschhakohol wieder das Wort ergriff. „Ich habe in meinem Amte schon drei Bürgermeister überlebt, alle waren Neschoiin *): aber man konnte doch in einer oder der andern Art mit ihnen fertig werden. Aber der gegenwärtige, Dominik Golzinger, ist der schlechteste Mensch und der ärgste Rosche, der mir je vorgekommcn ist, und", Singer lachte bitter auf, „das. will viel sagen. Als ich ihn vor etwa zwölf Tagen besuchte, um ihn zu seinem neuen Amte zu beglückwünschen, nahm er mich," — Red Jofles Singer streckte sich selbstbewußt empor, daß er nun um einige Zoll gewachsen zu sein schien — „der ich bei dem Kreishauptmanne, ja sogar bei dem Gubernalpräsideuten eine beliebte Persönlichkeit bin, und von ihnen höflich empfangen werde, grob auf. Er bot mir keinen Stuhl an, hörte nicht aus meine freundliche Ansprache und herrschte mich ungeschlacht an. Ohne für meine Glückwünsche zu danken, erklärte er mir sofort, daß er gegen die Inden nicht so nachsichtig als es seine Vorgänger warensein werde, — als wenn diese nachsichtig gegen uns gewesen wären! und ging in seiner Schamlosigkeit soweit, es deutlich auszusprcchen, daß wenn ihn die Juden bestechen wollten, sie mit weit größeren Summen als seinen Vorgängern kommen müßten, daß die strenge Handhabung der harren Gesetze, welche für die Inden gelten, es ihm ermöglichen werde, diese total zu vernichten , daß er dabei nur ein gutes Werk ausübe, da alle Juden Spitzbuben und Hallunken wären." Eine gerechte Entrüstung hatte sich aller Anwesenden bemächtigt, tumultarisch ertönten die wilden Rufe: .Der Kelew! *)* „Jemach schmo wesichro! 3)" einige ballten die Fauste und schüttelten sie in der Lust. Andere schlugen auf den Tisch auf, Reb Scharje Glaser aber, dessen gewaltige Baßstimme alle andern üdertönte, schrie: 1) Böse Mensch«», vorzugsweise von Judenfeinden gebraucht. 2) Hund. 2) SÄ» Name und Andenken möge veruichtet werde». „Ich bin ttttlftoch *), der neue Haman *) werd einen eben so schlechten Szof") einnehmen, wie der erste." . Als sich das wilde Toben gelegt hatte, sprach der alte, weise Reb Zadok Datschitz: „Wie ich Euch, Reb Joffes, kenne, seid Ihr dem Bürgermeister die Antwort nit schuldig geblieben; laßt sie uns hören." „Ich sah ihn einen Augenblick wortlos an, aber meine Augen sprachen so beredt, so deutlichso laut, daß er auf seinem Lehnstuhl, von welchem er sich nicht erhoben hatte, erschrocken zusammenzuckte und sein Blick den Boden suchte. Dann schob ich mir einen Stuhl neben ihn hin, erfaßte seinen Arm und hielt ihn wie in einem Schraubenstocke fest, daß er sich weder losmachen noch erheben konnte und sprach: „Bürgermeister! Ihr kennt mich nicht, sonst würdet Ihr es nicht wagen, solche verbrecherische Worte vor mir zu sprechen. Ich bin Vorsteher, der hiesigen Judengemcinde und da Ihr entweder in der Gesetzeskunde ein Ignorant, oder ein eben so großer Dummkopf als Schuft seid, so will ich Euch über meine Stellung belehren. Ein Gubernialdekret vom Jahre 1772 bestimmt, daß die jüdischen Vorsteher vom hohen Landcsgnbernium ernannt, respective deren Wahl bestätigt wird. Auch ich bin von der höchsten Landesbehörde bestätigt, und diese wird mich vor nichtswürdigen Uebergriffen zu schützen' wissen. Wir haben zwar harte, überschwere Judengesetze, aber es gilt doch das Gesetz, und wir sind mcht mehr der frechen Willkür eines jeden schurkischen Beamten preisgegeben; — und auch das will ich Euch zu Eurem Schrecken in Erinnerung bringen; ich habe vor einigen Jahren gegen einen Kreiskommiffär, der uns Juden in grausamster Weise bedrücken und schändliche Erpressung ausüben wollte, eine Klage ciugebracht, und, nachdem eine strenge Untersuchung die Nichtigkeit der Beschwerde ergeben, kam er auf zwei Jahre ins Zuchthaus. Vürgermeifterlcin! wenn die Kaiserin Maria Theresia erführe, daß Ihr Euer Amt dazu benützt, Erpressungen auszuüben, könnte Euch leicht ein gleiches, wohlverdientes Schicksal wie dem Kreiskommiffär beschieden werden. Ein Mensch, der behauptet, daß jeder Bekenner des einig-einzigen Gottes, bloß deshalb schon ein Hallunke und Spitzbube ist, ist selbst der größte Hallunke und Spitzbube, den es gibt, ein 4) Ueberzeugt. : \? 5) Ter persische Minister, der bekanntlich sämauliche Juden ausrottrn wollte und daher als das Prototyp «ine» grausamen Menschen- und Judenfeindes gilt. L) Schlechtes Ende.