Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1886)
- Date
- 1886-07-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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»70 die Frau geknetet hatte und eben backen wollte, verdarb. — Gar viele Erklärer haben sich bereits bemüht, diese räthselhafte Erzählung des Talmuds zu deuten. Wir haben schon au einer anderen Stelle (in der Erzählung „Akiba") eine Deutung gebracht, nach welcher unter dem zur Entscheidung anfgcrufencn Eharub Rabbi Ehanine den Doßa, den man nach seiner Nahrungsweise Eharub nannte, verstanden sei, wahrend mit der Wasserquelle Rabbi Elasar den Arach gemeint sei, weil sein Lehrer ihn einer sprudelnden Quelle verglichen. Als die Mauern des Lehrhauses aber werden die Schüler bezeichnet, die Stützen des Beth Hamidrasch, die künftige Lehrer in Israel. — So schön diese Erklärung auch ist, so kann sie doch ans Vollständigkeit keine Ansprüche machen, da sie nur den ersten Theil der Erzählung beleuchtet. Wir wollen daher hier eine andere wiedergeben, welche wir dem Verfasser des Werkes „Aboth Otam," Rabbi Vinjamin ha Kohen, verdanken. Die Weisen haben die Gotteslehre einem dts, einem herrliche» Lustgarten, verglichen, und in diesem Worte sind vier Erklürungsweiscn der Thora angedcutet: ,crn-j ,:s^ In allen vier Jnterprctationsarten hat Rabbi Elieser versucht, die Nichtigkeit der von ihm behaupteten Halachah nachznweisen. Das des Wortes o-ns deutet aus ix 222 »*.ts , die einfache dem Wortsinne oder dem Gedaukengange entsprechende Erklärungsweisc der Thora. Der Eharub bedarf, nach der Lehre der Weisen im ersten Eapitel des Tractat Bechoroth, zu seiner Entwickelung, von der Pflanzung bis zum Tragen der ersten Früchte, 70 Jahre, wie es auch der deutsche Dichter ausgesprochen: .Denn wisse, dieser edle Sam» ' Träzt oft nach siebenzig Jahre kaum Tie erste» seiner edle» Arüchke.- llufre Weisen lehren ferner, daß auf siebenzkg verschiedene» Wegen der Sinn des heiligen Gotteswortcs gefunden werden kann. Das soll der Eharub bedeuten, der zu seiner Entwickelung siebenzkg Jahre braucht, bevor die Früchte zur Reife gelangen. Die zweite Erklänmgsweise ist m, die Andeutung. In der heiligen Schrift ist nicht Alles deutlich herausgesagt: vieles ist der mündliche» Lehre, der Tradition, überlassen und kn dem Schriftworte nur angedeutet. Wenn man diese Andeutung erfährt oder aufsindet, so erquicken sie das Menschcuherz wie frisches Quellmaper den Durstigen. Daher ist linier dein Wafferquell diese ErttLmmgslucife zu verstehen. Die dritte Art der Interpretation ist »ro, die Folgerung aus dem heiligen Schriftworte, welche bcu Schülern und dem Volke die in der heiligen Schrift enthaltenen Lehren, namentlich in Bezug auf die religiösen, sittlichen und philofophifchen Wahrheiten, klar und deutlich machen und die Herzell dafür gewinnen. Das sind gleichsam die Mauern des Lehrhanscs, die Stützen, auf denen das Gebäude der GottcSlehre ruht, denn durch diese Erklärungsweisc wird das Fundament für die Thora errichtet in den Herzen des Gottesvolkes: dadurch wird die Illgend gewonnen, sich dem Studium der Gotteslchre zu widmen; dadurch werden die Männer und Frauen dahingeführt, daß sie ihr Leben, ihr Thun und Lassen nach den Vorschriften der Thora einrichten. Die vierte Erkläruugsweife ist -no, das Geheimnis. Das ist die Stimme vom Hinnnel, wie eS heißt: vxtS 'i td, „das Geheimniß Gottes wird offenbar seinen Frommen." Als Rabbi Akiba seinem Lehrer die Nachricht brachte, daß er in den Bann gethan, da entströmten den Angelt Rabbi Eliesers Thränen; die Oliven litten noth, der Walzen und die Gerste; auch der Teig, der bereits gebacken werden sollte, verdarb. — Von jenem Augenblicke an war Rabbi Elieser, der große Lehrer Israels, von feiner Lehrthätigkeit abgeschnitteu. Da litten die Oliven noch, das ist die itenntniß der Thora, die da verglichen ist mit dem Ocle, welches aus den Oliven bereitet wird. Dem Walzen siud die Talmide Ehachamim vergleichbar, wie cs heißt: D'cn toi? 1:22, die nun nicht mehr ans den unerschöpflichen Wiffeusvorräthe» des großen Lehrers, des x’sn ms zu schöpfen vermochten. Darunter litt auch die große Menge des Volkes, die der miy» (Gerste ober Roggen), dem gewöhnlichen Nahrungsrnittel. ähneln. Ja, das schon geknetete Brod nahm Schaden. Selbst die Kenntnisse, welche die Schüler schon von Rabbi Elieser erlangt hatten, konnten nicht zur gnten Vollendung. geführt werden, da ihnen der lebendige Umgang mit dem großen Lehrer war abgeschnitte« worden. Unsre Weisen erzählen im Traktat Sanhedrm f. 68 , daß Rabbi Elieser knrz vor seinem Tode die Unterbrechung seiner Lehrtätigkeit schmerzlich beklagt und daß Rabbi Iosna in Verbindung mit seinen Genoffen den Bann von ihm genommen habe. Ta mag nuit wohl Rabbi Elieser den Schlußsatz unsrer Mischnah gesprochen haben, den Schülern als warnendes Beispiel, daß sie nicht fefthalten am 1 i!