Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1886)
- Date
- 1886-07-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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gesprochen, die ungefähr l Stunde währende, erhebende Feier.^ . Aus Westphalen. Wie alljährlich, so fand auch in diesem Jahre während der chriftl. Pfingstfciertage, also am l.r. und 14. Juni die Eonfereuz des Vereins israelitischer Elementarlehrer für die Rheinprovinz und Westphalen und zwar in Bochum statt. Dieselbe wurde eröffnet durch den langjährigen Präses derselben, Herrn Lehrer nüd Prediger Blnmenan in Bielefeld. Das erste Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Bochum, Rechtsanwalt Sntro, Sohn des verstorbenen unvergeßlichen Obcrrabbiners Sntro in Münster, hieß die Anwesenden, Namens der Gemeinde herzlich willkommen. Tann folgte ein Vortrag des Herrn Lehrer Oswald (Witten) über das Thema: Kollegialität und Autorität. Der Vortragende stellte am Schluffe seines Vortrages 7 Thesen auf, die sich auf das Verhältniß des Lehrers zu den Schülern, zu der Gemeinde und zu den Eollcgen beziehen, und welche sämmtlich von der Confcrenz angenommen wurden. Der Oberamtmann von Bochum, der den Verhandlungen des zweiten Tages vom Anfang bis Ende mit sichtlichem Jnterepe beiwohnte und sich lebhaft an den Debatten und Erörterungen ^'etheiligte, sprach den Wunsch aus, die Lehrer müpen in ihren Wirkungskreisen verbreiten, wie abhold er den Bestrebungen des Antisemitismus sei, der sich leider hier am Orte geltend gemacht habe, er habe stets in seinem Amte die Israeliten den andern ’ Confessionen gleichmäßig behandelt. Schattenseiten gebe es ja hier und dort, das sei aber kern Grund zn gegenseitigem Haffe. Nach dem den versammelten Lehrern Seitens des Vorstandes erstatteten Rechenschaftsberichtes beträgt das Vermögen der llnterstützungskaffe des Vereins 60,000 M. Abends fand eine Festlichkeit nebst Eoncert im Thcatersaale, veranstaltet von der Synagogengemcinde Bochum, zu Ehren der Lehrer statt. M. Rosenwald, Iserlohn. Woüsteiu. Provinz Posen, 6. Juli. Heute hielt unser R a b b i n e r und Lehrer, Herr L. H ö r t e r, seinen feicrlichenEinzug in unsere Gemeinde, und wurde auf das Herzlichste empfangen und begrüßt, sowohl .von den Vorstehern als auch von den Gemeindenritgliedern und der Schuljugend. Mögen sich die hohen Erwartungen, die sich an die junge, aber schon anderweitig bewährte Kraft knüpfen, auch bei uns m vollem Maße erfüllen, damit Wöllstein wieder werde, was es früher war ^-72 ch: ~ry. Larburg (Elsaß), 9. Juli. Heute wurde hier ein Opfer des Krieges 1870 71, der französische Offizier Leon 5k l a » b e r, »9 Jahre alt. nach sechzehnjährigem schtvere» Leiden zur letztes Ruhe geleitet. Seine Lkrankheit hatte er sich bei der Belagernng von Straßburg zugezogen. Am Leichenzuge nahmen außer der ganzen israelitischen Gemeinde der Herr Bürgermeister, sowie die angesehensten Bürger des Dorfes Theil. Zn beiden Sekten des Sarges schritten fämmtliche Veteranen des Ortes, geschmückt mit ihren militärischen Ehrenzeichen. Auf dem Friedhöfe zu Hagenau hatten sich seine früheren Mitschüler mit der gesammten israelitischen Rotabilität eiugefunden. Er ruhe in Frieden l : Oesterr.-Ungar. Monarchie. Preßburg, 2. Juli. Der Minister des Innern forderte heute unter endgittkger Abweisung der dagegen gemachten Vorstellung die Stadtgemeinde auf, circa 5060 ft. betragenden Kosten der ans Anlaß der Judenkrawaüe im Jahre 1882 aufgebotenen Militärmacht nunmehr ohne Verzug zu bezahlen.; Pefth, 6. Juli. Der neuernannte katholische Bischof von Großwardcin, Arnold Jpolyi, hielt an die zu seiner Begrüßung erschienene Deputation der dortigen Judengemeinde folgende Ansprache: „Ich freue mich sehr über Ihre herzliche Aufmerksamkeit, und empfangen Sie hiefür meinen wärmsten Dank. Ick ehre und schätze Sie, weil Sie an Ihrem alten Glauben festhalten. Wir stehen auf einer und derselben religiösen Basis, auf Grund der göttlichen Offenbarung, bci deren Verleugnung die Menschheit sicherlich in den Wellen des Materialismus ihr Grab finden würde. Die ungarländifchen Israeliten habe» übrigens in vergangenen Zeiten stets der den Bischöfen Schur; gefunden, und meine ruhmreichen Vorfahren waren zum Beispiel Patronatsherreu der hiesige» Israeliten. Jetzt leben wir in einem andern Zeitalter, sie sind nunmehr freie, gleich berechtigte Bürger des Vaterlandes, uud unsere Pfticht ist, daß wir Alle mir einander m brüderlicher Liebe leben. Aber nicht nur pftichrgemäße Nächstenliebe, sondern aufrichtigste Achtung und Werchschätzuug fühle ich für Sie. und seien Sie überzeugt, daß ich, wo es immer nothwendig sein sollte, gern bereit bin, Ihre Sache zu fördern, lkeberbrmgeu Sie meine Grüße Ihren Mandaten der Religions-Gemeinde und empfangen Sie wiederholt meinen Dank für Ihr freundliches Erscheine».- '