Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1886)
- Date
- 1886-07-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449652--24615-2514426- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i 050 ^cilmtfl „i'tu»ta", fiat südlich unter dem Titel CIihstiunea imaelita (jüdische eine Reihe von Artikeln herausgegeben, die er bisher in der i'upta verösscnticht. Herr Panu ist einer der in )1tumänien seltenen Publicisten, die den Mnth besitzen, sich über die jüdische Frage mit (Gerechtigkeit auszudrücken. Anbei einige interessante Stellen ans dieser Arbeit: - . - Ich bin im tiefsten Herzen davon überzeugt, das; das Verhalten der Rumäne» gegenüber den Juden, nicht allein inhuman und wenig liberal ist, sondern auch sehr schädlich in politischer Hinsicht. Die ganze Masse der Israeliten zusammenfassen, und sie en bloe vcrurtheilen, jeden Juden für eine nationale Gefahr erklären, mit Leidenschaft, und nicht mit dem kalten Verstände urtheileu, dies ist ein politisches Gebühren, welches denjenigen, die es angewandt haben, niemals Glück gebracht hat. (Borrede S. II.) Wir zögern nicht zu erklären, daß das Verhallen der Regierung in Betreff der jüdischen Frage, sehr zu vcrurtheilen ist. Tie Regierung hat es wiederum versucht, die Starken zu schonen und hat dafür die große arme und harmlose Menge der Juden getroffen. (S. 14.) Man weiß, daß der Berliner Vertrag verlangt, die israelit. Rumänen als Rumänen zu betrachten und daß Rumänien jedoch, anstatt sie als Eingeborene anzuerkennen, sich bei Außerkraftsetzung des Artikel 7 der Eonstitution darauf beschränkt hat, zu gestatten, daß Israeliten naturalisirt würden. Auf eine Bevölkerung von mehr denn 200.000 Seelen, haben bis jetzt fmitit 70 Israeliten die Naturalisation erhalten. Anbei, was Herr Panu hierüber sagt: Als nun der Artikel 7 einmal gestrichen war, was war da die Pflicht einer weisen Regierung und ernst-patriotischen Kammer? Sic hätten unter den Israeliten die reinsten Elemente, die harmlosesten und affimilirbarsten Individuen auserwählen müssen, es gibt eine Menge junger Israeliten, im Lands geboren uud erzogen, die die Schulen durchgemacht haben, das Äbiturienten-Eramen absolvirt, Leute der Gesellschaft, Studenten der verschiedenen Fakultäten, die sich nicht dem Handel widmen wollen und nicht reich genug find, um für unseren Handel oder unsere Domänen eine Gefahr zu werden. Es giebt auch andere Israeliten, bescheidene, arbeitsame Leute, die im Lande geboren sind, wo auch ihre Vorfahren seit undenklichen Zeiten gelebt haben/ Wir haben auch Aerzte und andere Israeliten, die ein liberales Gewerbe betreiben, wekche uns bewiesen haben, daß sie an nnserm Lande^nnd unfern Interessen hängen. Dies sind verschiedene Eategoricn von Israeliten, welche die.Kammer hätte naturalinren sollen. Wenn sie dies gethan, so hätte sie bewiesen, daß sie es ernst nähme mit der Abänderung des Artikel 7 und zugleich eine wahre politische Intelligenz bewiesen. Alle Sonnabend uatnralisiren die Kammern zu Dutzenden Deutsche, Griechen, Bulgaren, Ungarn rc. Ich glaube, daß es kein zweites Volk gibt, das uns so sehr haßt, wie die Ungarn, oder daS anspruchsvoller und schadenbringender für uns wäre, als die Deutschen; dennoch werden sie bei uns zn Hunderten natmalisirr, wogegen deu harmlosesten Israeliten, die keine andere Heimat als die unsere besitzen, die Naturalisation versagt wird, unter dem Vorwände, daß sie gefährlich feien. Leider ist keine Aussicht vorhanden, daß diese Worte vorläufig erhört werden; das Abgeordnetenhaus hat in seiner Sitzung vom 27. Februar wiederum ben feindlichen Sinn bewiesen, von dem es gegen die Juden beseelt ist. Es verhandelte über einen Gesetzentwurf bezüglich der Organisation von Handelskammern und man diskutirte die also lautenden Artikel 5 nud 6: „In die Handelskammer dürfen nur solche erwählt oder als Wähler derfeben ernannt werde», die civile und politische Rechte genießen." Wie alle Welt weiß, bedeutet dies: Ausschließung der Juden. HKr B. Iepureffco hatte gegen diese Artikel angekämpft, indem er sagte, daß die Handelskammern nicht dazu berufen seien, eine politische Gewalt anszuüben, sondern sich lediglich mit HandclS-nnd ökonomischen Jnteresten zu befassen hätte», es wäre also notig, allen Kauflcnten die Thüre offen zn lassen. Herr Eostinesen erkannte zwar die Richtigkeit dieser (Gründe an, verlangte aber dennoch die Beibehaltung dieser Artikel, weil — wie er leigte; — eS in Rumänien eine sociale Frage gäbe, die über jede andere Frage und jedes andere Bedenken gehe. „ALS Rumänen und als Vertreter des rumänischen Volkes können wir nnS nicht mit dem Gedanken befreunden, daß man — insbesondere iir der Moldau, jenseits des Mclcov — eine Handelskammer gründen könne, die aus Fremden und Juden bestände." Die Artikel wurden so votirt, wie sie vorgeschlagen waren. -