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Der Israelit · 1886-07-12 · Heft 55 (12.7.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 55 (12.7.1886)
Date
1886-07-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Wich a ek. brzähkung von T. ^tohn, Verfasser-von Gabriel. (Fortsetzung.) Viertes Kapitel. Während der Trauerwoche hatte Brack nicht sein Haus verlassen. Als er endlich Donnerstag in der zweiten Hälfte des Vormittages im Begriffe war, einen nothwendigen Geschäftsgang zu unternehme», trat der Schammes, Reb Oscher, in seine Stube. „Boruch habo^)" sprach Brack. „Boruch hanimzo-)," erwiderte der Schammes. „Der RoschhakohN) Reb Jossess Singer, lasst Euch hoflichst auf Schabbos^) Nachmittag zwei Uhr in der Koholsstube^) zu einer Hoaßifc") entladen." „Ich lass mich hoflichst für die Kowed7) bedanken,", erwiderte Brack, „aber ich glaube, wenn ich nicht kommen werde, wird es auch gut fein, nicht wahr, Reb Oscher?" „Nein mecass *) dlcb Aron," erwiderte zu Bracks Verwunderung der Schammes, „Ihr musst (müsst) kommen. Reb Josscf hat mir ausdrücklich befohlen, nit von Euch wegzugehen, wenn Ihr mir nit versprochen habt, zu kommen. Tie Hoaßise hatte schon am vorigen Schabdos stattfinden sollen, aber Euretwegen hat sie Neb Joffes verschoben." Brack blickte etwas verwundert auf. „Meinetwegen? ich bin ja weder ein alter noch ein reicher Baal bojis -'); id) bin, zu Guten! erst sieben Jahre verheiratbet, ich bin auch kein Baal fzchom ,ÜJ . . . Indessen wenn es der Noschhakol verlangt werde ich im jirze haschem '^) kommen. _- . ■ *. - .. - ■ 1) Gesegnet. der da kommt. 2) Gesegnet. der iich bi« vonrndet. 3) Gemeindevorsteher. I -k) Samstag. ch Gemeindestube. .. 6) Versammlung. *> Die Ehre. 8) bin aus den Anfangsbuchstaben dreier hebräischen Worte gebildet« Titel, mit welchem man gewöhnlich nur hervorragende Mann«, nnmemlich Tatmudgelehne ansprach. S) Familienvater, Gemeindemiiglied. W) Steuerträger. H) So Gott will. m Sanlstag iiiii zlvei Uhr hatte sich eine zahlreiche Versammlung in der neben der..Synagoge gelegenen Kohvlsstnbe der alte» Gemeinde W. zusammengefuridett. Da damals die Zahl der jüdischen Familienväter in jeder mährischen Gemeinde unabänderlich feflgeslcUt war, können wir noch heute, nach mehr als hundert Jahren, die Zahl der Fainitianten in W. augeben. Diese betrug nämlich fünfundvicrzkg. Von diesen waren die meisten anwesend, es fehlten fast nur jene, welche von der WohlthäLigkeit ihrer Gemeindegcnossen lebten. Ausser den Familiauteu waren auch die hervorragendsten der sogenannten Emigranten eingeladen worden. Emigranten nannte man, wie wir schon erwähnt haben, nachgeborenc Sohne, welche von der Regierung keine Bewilligung zur Ehe erlangen konnten und doch eine solche nach jüdischem Ritus schloffen, die wohl im Kreise ihrer Glaubensgenossen als giltig, von der Regierung aber als nichtig betrachtet wurde. Die sogenannten Emigranten waren' zuweilen sehr reiche Leute, welche die Gemeindelasten tragen halsen und hatten daher, wenn es sich um das Gemeinwohl handelte, billigerweise mitzusprechen. Alle trugen die damals übliche Samstagstracht. Ein schwarzseidener Mantel, als Kopsbedeckuug-eiubreites, flaches Filzöarett, uni den Hals eine dicke, weisse Krause, weit herabreichende, zumeist seidene Westen, kurze schwarzseidene Beinkleider, Schuhe mit silbernen Schnallen. Die Anwesenden hatten nach ihrem Rang, das heißt, nach ihrer talmndischen Gelehrsamkeit, Jichus *-), Vermögen, Alter u. s. f. an dem langen Tische in dem grossen Zimmer Platz genommen.- denn trotz des schweren Druckes, der aus den Juden lastete, hatte sich doch auch in ihren Kreisen eine Aristokratie und eine streng beachtete Etikette herausgebildet. — Obenan saß der Gemeindevorsteher Reb Joffes Singer, ein lang gewachsener, magerer Mann von achtzig Jahren. Er trug wie alle Anderen einen Bart,, welcher wie sein Haupthaar silberweiss war. Sein Gesicht war vor Alter wie braun gebeizt. Schmale, feine Lippen, eine Adlernase, und namentlich grosse, schwarze, noch immer feurige Augen, welche unter buschigen, schneeweißen Brauen hervorblitzten, verliehen ihm den Ausdnlck großer Klugheit und Energie, die er auch üi der Thar in hohem Grade besaß. Als dem Vorsitzenden die Bersammlung vollständig schien, erhob er sich von seineui Sitze und begann: 12) Abstammung von berühmte« Männern, GlaubenSmanyreru. hervorragenden Schringelehrten oder von Männern, welche die Gunst der Fürsten besaßen und GrueZ für ihre Glaubensgenossen «wirkt hatten. - --

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