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Der Israelit · 1886-07-12 · Heft 55 (12.7.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 55 (12.7.1886)
Date
1886-07-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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aagwaasa 04« Aehnliche ^eiDtbiiituacii haben die älteren und späteren Weisen tu Bezug auf die Speisegesetze, ans die Ehegcsetze, ans die Reinheitsgesetze rc. angeordnet. — Ter Mensch ist nur au sehr geneigt, die Anordnungen der Weisen gering zu schaden. Diese von Menschen erlassenen Verbote erscheinen ihm von nicht schwer wiegender Bedeutung. Wir haben ja täglich (Gelegenheit zu beobachten, wie leicht sich Leute über die rabbiuischen Verbote hiuwegsetzen. Geldausgeben am Ladbar, das Trinken rabbinisch verbotenen Weines oder rabbinisch verbotener Milch, das Nichtbedccken des Haares verheiratheter Frauen und viele andere derartige Dinge erscheinen Leuten, die sich sonst für gute Jehudim halten, als für sie unmaßgebliche Verbote, über die sie sich leichten Sinnes hinwcgsetzen können. Sie werden von dem Fuchse gebissen und fühlen cs kaum; aber die Folgen sind sehr schlimm. Tie krummen Zähne des Fuchses reißen das Fleisch mit heraus, und die Wunde wird sehr schwer heilbar. So ergeht es den Menschen, die sich leichtsinnig über die rabbinischen Verbote hmwegsetzcn. Die Uebertretung wird ihnen zur Gewohnheit und schasst ihnen Bedürfnisse, die sie nicht mehr entbehren können, so daß es ihnen fast unmöglich wird, zu der sorgfältigen Befolgung der jüdischen Rciigiousgesetze zurückzukehrcn. Schlimmer noch sind die Wirkungen für die Kinder. Haben der Vater und die Mutter mit der Verletzung mancher religiösen Vorschriften begonnen, so ist gleichsam eine Bresche in das Hciligthmu der jüdischen Religion geschoben, und die Kinder lassen nur zu häufig der Uebertretung der rabbinischen Vorschriften die der biblischen folgen, bis sie sich immer mehr vonr Judeuthnme entfernen und sich endlich demselben ganz entfremden. Hüte dich daher vor dem Birie des Fuchses. Listig schleicht er sich an dich heran, und seine Zähne sind dünn, und sein Biß thnt nicht allzuweh. Habe» sich aber diese Zähne in dein Fleisch eingebipeu, so werden sie sich nur in schmerzlicher Weise entferne» lassen. So Jemand aus Leichtsinn oder von der Leidenschaft verblendet ein göttliches Gebot Übertritt, so wird er, wenn sein Gewürm erwacht oder wenn die Leidenschaft verraucht ist, seine Sünde bereuen und zu Gott znrückkchreu. Wenn aber Jemand ein rabbmi'sches Verbot verletzt, weil er es für germg und unbedeutend und nicht bindend hält, so sind Rene und Buße und Besiernng nicht wahrscheinlich. Tie Zähne des Fuchses haben sich eingedissen und reißen das Fleisch heraus. Eine andere Art von Verordnungen der Weisen betrifft die-Sitten; so zum Beispiel -nrr\ ferner rrpjn .cj? pr\rr prn i:>N ober rrrw rcnyrs b*w> beim Tan.', oder ander» Gelegenheiten, und alle andere» Vorschriften, die verhindern sollen nn:? jrrn im pn. Bei all den angeführte» Dingen erscheint die Sünde klein und unbedeutend; kaum wie einen Nadelstich spürt sie das wenig empfindliche Gewisse», und doch ist nur zu oft der Tod, der Tod für die Ewigkeit die Folge. Dcßhalb hüte dich vor dem Stiche des Skorpione». Er greift dich nicht an, wenn du ihn nicht reizest. Wenn dn die Hand in das Mauerloch steckst, in welchem er ruhig liegt, dann sticht er dich. Deine Hand, dein Arni schwellen all von seinem Gifte und müssen entfernt werden, wenn du nicht des Todes sein willst. Der Skorpion liegt ruhig am Boden; hüte dich, daß dn aus ihn trittst; sonst sticht er dich in die Ferse, und du verlierst den Fuß, wenn nicht gar das Leben. — In jedem Menschen schlummert der böse Trieb; wehe dem. der ihn reizt und zu gefahrvollem Stiche veranlaßt! Eine dritte Art der Verordnungen der Weise» betrifft die—Fernhaltung gottloser und zum Verderben führender Anschauungen nüd Meinungen. Derartige Verirrungen sind die gefährlichste«. Oftmals hüllen sie sich in das Gewand der Wiffmschaft, der Kunst, der Poesie. Man merkt gar nicht, daß man ans Abwege geräth. Aber der Basilisk bannt mit seinem Blicke die arme Tanbe, daß sie nicht entfliehen kann und tödtet sie mit dem Hauche seines Mundes. — Dieder jüdischen Religion feindliche Bewegung hat vor mehr als hundert Jahre», in der Epoche der sogenannten Aufklärung, ihren Anfang genommen. Zuerst trat die Aesthetik in de» Vordergrund; mau sing an, den öffentlichen Gottesdienst zu „reformiren", mit Orgelklang und Weibersang zu verherrlichen. Wohin sind jene ^Reformatoren" gekommen? Ihre und ihrer Anhänger Nachkommen gehören längst nicht mehr demJudenrhnm an. Der Basilisk der unjüdischen Anschauungen hat sie mit seinem Blicke gebannt und unk seinem Hauche gclödrer. — Das Beispiel Jener hat die Nachkommen nicht gewarnt. Noch heute gibt es sogenannte Rabbineu, welche behaupten, das Judenthum habe keine Dogmen, keine Grundlehren und man könne innerhalb derselben denken und »reinen, wie man wolle. Welch ein verhängnißvoüer Irnhum! Wie kann man Jude sein, ohne an die Existenz des alleinigen; allmächtigen Gottes zu glauben? Wie kau» man Jude sei», ohne zu glauben, daß wir dem einzigen allulächtigen Gotte die Thora verdankend Wie kann man Jude sei» und das ewige Leben, die Belohnung oder Bestrafung nach dem Tode leugnen? Der Basilisk unjüdischen Denkens hälr diese Unglücklichen mit seinem Blicke

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