Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1886)
- Date
- 1886-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVII, Jahrgang. 55* KenLrat - Organ für das orthodoxe ZudenlHum. Herausgegeben von Vr. Lehmann in Mainz. Montag, den 12. Juli 5646 (1886). Leitende Artikel. Die Sprüche der später. II. Buch, zweite Abtheilnng. XX. __ '* Mainz, 8. Juli. „Wärme dich au dem Feuer der Weisen, sei aber vorsichtig mit ihrer Kohle, daß du dich nicht verbrennest; denn ihr Biß ist der Biß eines Fuchses, und ihr Stich ist der Stich eines Skorpions und ihr Zischen ist das Zische» eines Basilisk, und alle ihre Worte sind gleich feurigen Kohlen."- Rabbi Herz Wesel gibt uns in seinem Kommentar r eine herrliche Erklärung dieser so rüthselhaft scheinenden Worte des großen Rabbi Elieser._ Wir müsien zunächst die Gleichnisse erörtern, die in diesem Ausspruche enthalten sind. Zm Allgemeinen werden die Worte der Weisen mit der Flamme verglichen, die Licht und Wärme bringt; jedoch darf man der Flamme nicht zu nahe kommen, sonst verbrennt man sich. Im Besonderen wird die Schädigung, die der Mensch sich durch den Mißbrauch oder die Verkennung der Worte der Weisen zuziehen kann, durch drei Gleichnisse charakterisier. „Ihr Biß. ist der Biß eines Fuchses." Die Zähne des Fuchses sind dünn, aber krumm. Zunächst spürt man beim Bisse des Fuchses nur geringe Schmerlen. Wenn aber der Fuchs seine Zähne wiederherauszieht, so reißt er, weil die Zähne gekrümmt sind, das Fleisch mit heraus, so daß die Wunde eine sehr schmerzliche und schwer zu heilende wird. Schmerzloser, aber in seinen Wirkungen viel schlimmer, ist der Stich des Skorpioues. Kaum wie ein Nadelstich wird er empfunden, und dennoch muß entweder das gestochene Glied amputirt werden, oder es tritt der Tod ein. — Unter einem Basilisken versteht die moderne Zoologie eine Gattung Eidechsen, die von Insekten lebt und zu den ganz unschädlichen Thieren gehört. Damit hat der Basilisk des Alterthnms und des Mittelalters nichts gemein. Schon Plinius schildert ihn als eine ungeheure Schlange, die durch ihren Blick alles Lebendige, auf das sie ihn richtet, bannt, und durch ihre fürchterliche Stimme tödtet. Die moderne Zoologie verweist die Existenz dieses Thieres in das Reich der Fabel. Da es sich hier aber nur um ein Gleichnis; handelt, so ist es für uns ganz gleichgiltig, ob dieses Thier wirklich oder nur in der Vorstellung der Menschen exssrirt hat. In unsrer Mischuah bezeichnet' es eine Steigerung: es beißt nicht, es sticht nicht, bringt aber unfehlbar den Tod. Unter den Weisen sind in unsrer Literatur stets die Vertreter der mündlichen Lehre verstanden. Sie bewahren die Flamme der Gotteslehre, wie sie der allgütige Gott unsrem großen Lehrer Moscheh übergeben hat. Aber nicht allein die Tradition zu bewahren, auch sie zu erhalten war und ist die Aufgabe der Weisen Israels zu allen Zeiten. Daher mußten sie im Laufe der Zeiten, den Umständen entsprechend, Einrichtungen rwpn treffe», Vorsichtsmaßregeln rrpmm rin*:: beschließen,, gemäß der Lehre der Männer der großen Synode rnrrö rd *r>n „und zieht eine Mauer um die Gotteslehre." Diese Vorsichtsmaßregeln sind dreierlei Art. Die ersten beziehe» sich auf die strikte Ausführung der Gesetze. Die Thora verbietet, am Sabbat eine Arbeit zn verrichten und bedroht die Uebertretung dieses Verbotes mit dem Tode. Damit man sobald nicht zur Entweihung des Sabbats komme, haben die Weisen mancherlei Vorrichtungen getroffen. Schon die alten Propheten haben die Grenze festgestellt, wie weit man am Sabbat gehen darf, haben verboten, Geschäfte einzuleiten oder abznschließen, haben angeordnet, daß man von den Geschäfte» des Alltagslebens am Sabbat sogar nicht reden soll.