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Der Israelit · 1886-07-08 · Heft 54 (8.7.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 54 (8.7.1886)
Date
1886-07-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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<y*»yy*t»yyr< ••*£*?&■ .<'. .-'iv,- •'-* --- 020 drofieu iMmd Rabbl (f tiefer. Er füflt: Äf c fi rc zurilit dimi lafl vor deincm Tode! - Ein flioiifö Gnadengeschenk des rtllliurmlH^incii Watten ist die Theschnbah. Wenn der Mensch noch so Idji’ ubgeirrt ist uom grade» L6ege>. lucmr er gestöhnt trat den schllmnksten Lottern, luum er die größten Verbreche» begangen — die Mel kehr zu Wotk steht ihm immer offen nnd bleibt niemals ohne Wirkung. Sie erfordert auch nicht lange Zeit, und wenn der Verbrecher unc eine kurze Stunde — 127-7 njip nr rn»: nj?p3 — in aufrichtiger Nene nnd Büste verbringt, so kann er dadurch viel Schlimmes sühnen vor dem Throne des allmächtigen Gottes. Daher genügt die Rückkehr am Tage vor dem Tode. Anders verhält es sich aber mit der Vollbringung guter Thaten. Da bedarf es oft der angestrengten Arbeit vieler Jahre, um ein gutes Werk zu vollenden. Hierbei soll der Mensch seinem Schöpfer vertrauen, dast Er ihm Leben und Gesundheit erhalte. Die Rückkehr zn Gott, die Rene über begangenes Bose aber darf man nicht verschieben, nicht einen Tag. Die meisten Menschen leben in den Tag hinein, ohne daran zu denken, dast der Tod ihnen vielleicht nahe bevorstcht. Sie scheu es mit Augen, wie Alte nnd Junge dahkngerasft werden, wie oftmals etwas ganz Unvorhergesehenes dem blühenden Leben, der Kraft und Fülle der Gesundheit rasch ein Ende macht. Sie sehen es und denken nicht. Sie leben nur dem nächsten Augenblicke nnd denken nicht an die Ewigkeit. Für einen rasch dahinflicgeuden Genuß, für die Wonne eines Augenblickes, ja für die Befriedigung niederer Leidenschaften, für die Lethälignug des Haffes und der Rachgier, des Stolzes »ud des Ehrgeizes, der Habsucht und des Eigennutzes, sind sie bereit, ihrer Seelen Seligkeit dahinzugeben. So niedrig kann der Mensch nicht handeln, welcher es sich stets zum Bewußtsein führt, dast das Ende seines Lebens vielleicht nahe bevorftcht. Leicht wird es ihm werden , auf alle verbotenen Gennsie zuverzichten, seine Leidenschaften zn zügeln, in Treue und Gehorsam vor Gott, in Liebe zu de» Mitmenschen seine Kraft zu verhängen. Der Gedanke an den Tod ist das kräftigste Mittel zur Ueberwinduilg der Leidenschaften. Wenn dich die Leidenschaft zu überwältigen droht, lehren die Weisen, so sprich das jüdische Glaubensbekenntniß, das Schema. Ueberwindest du, so ist es gut; wo nicht, so suche das Lehrhaus aus. Ueberwindest du. so ist es gut; wo nicht, so gedenke des Todestages. Drei Ursachen sind es, die den Menschen ^znr .Sünde veranlassen: Der Unglaube, die Umvisienheit und die unbändige Genußsucht. Wist der Unglaube sich deiner bemächtigen, will er dich verfuhren zu meinen, es gebe feinen strafenden Richter, nnd du konntest si'lttdigelt und siindigett, olme jemals zur Verantwortung gezogen zu werde», so sprich: Höre Israel, der Ewige, unser otott, der Ewige ist einsig! Seme Herrlichkeit erfüllt die Wett, und überall ist Er gegenwärtig; Er schaut in deines Herzens Tiefen, sieht all dein Thun, und wird dich dafür verantwortlich machen. - - Ist es aber dte Unwiffenheit, die deine Sinne umnachtet, daß dn nicht unterscheiden kannst zwischen recht und unrecht. so suche das Lehrhaus aus und lasse dich unterrichten. Sage nicht, du seiest zu wenig begabt oder zu alt — die Lehre unsres Gottes ist Allen zugänglich: „in deinem Munde,' in deinem Herzen, sie zu rhun." — Sucht die Genußsucht dich zn überwältigen, erscheint dir die Sünde in reizender, verlockender, verführerischer Gestalt, so gedenke des Todestages. Gedenke der Zeit, da du kalt und starr hingestreckr liegst, eine der Verwesung preisgegebene Ma»e, die man im Schosste der Erde birgt; dast aber dein Geist emporfteigt zn Gott, um vor Seinem Throne Lohn oder Strafe zu empfangen. Diese Vorstellung wird den Reiz der Sünde sofort verschwinden lagen. Verblassen werden vor deinem geistigen Auge die schillernden, reizenden, lockenden Farben der Verführung. Was dir noch vor wenigen Augenblicken schon und begehrenswertst erschien, was dich noch vor kurzer Zeit mit maßloser Gier erfüllte — dn wirft es nunmehr mit ganz andern Augen betrachten, wirst erkennen, daß es nicht fo werthvoll ist, daß dn dich seiuethalben der ewigen Seligkeit beraubest. Dieser Gedanke wird dich behüten, daß du nicht beschmutzest das schöne Festkleid, die reine >reele, die der König aller Könige dir verliehen. Kehre zurück .^deinem Vater im Himmel einen Tag vor deinem Tode, und da du den Tag deines Todes nicht kennst, so sorge zu allen Zeiten für die Reinhaltung deiner Seele, wie Salomo es ausgesprochen in seiner Weisheit V22 aÄ-7-in *71* ni*. „Zu jeder Zeit sei rein dein Gewand." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. D e u t s ch l a n d. München,--6. Juki. Das Handschreiben, worin Prinz Luitpold das Gesuch des Ministeriums bescheider, enthält u. A. die folgende Stette: „Tie säutmrlichen Minister habe» mir mir gemein-

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