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Der Israelit · 1886-07-05 · Heft 53 (5.7.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 53 (5.7.1886)
Date
1886-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVII. »HU. ' j\'j 5itt Ein Sentrat - Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Herausgegeben von II»'. Lehma»» in Ä)tai»z. Montag, den 3. Juli 5646 (1886). Leitender Artikel. Die Sprüche der Mter. II. Buch, zweite Adtheiluug. XVM. Mainz, 1. Juli. D«o& nu *nn &«. ,llnb sei nicht leicht zn erzürnen!" - Die erste Pflicht, welche der Mensch gegen sich selbst hat, ist die, daß er feine Leidenschaften beherrsche und sich nicht von ihnen fortreißen läge, daß er Herr seiner selbst bleibe und nur dem von der Vernunft geleiteten Willen die Herrschaft über sein Thun und Laven einräume. Eine der wildesten und heftigsten Leidenschaften ist die des Zornes. Unsre Weisen (Sabbat 105 b.) deuten darauf den Vers (Psalm 81. V. 10): Es soll nicht sein in dir ein fremder Gott. Welches ist der fremde Gott, der im Menschen wohnt? Das ist die Leidenschaft. Daher lehren die Weisen: Wer da zerreißt seine Kleider in seinem Zorne, wer da zerbricht seine Geräthe in seinem Zorne, wer wegwirft sein Geld in seinem Zorne, den bettachte wie einen Götzendiener. Er huldigt dem bösen Triebe in der eigenen Brust und läßt sich von ihm beherrschen und Hinreißen. Derjenige, welcher vom Zorne sich beherrschen und sortteißeu läßt, schadet sich anr allermeisten, wie unsre Weisen lehren (Nedarim 22b.): Der Zornige empfindet die schlimmste Höllenpein und zerüttet seine Gesundheit. Der im Zorn Erglühte kennt keine Rücksicht und achtet sogar Gottes Majestät nicht, wie es heißt (Pmlm 10. L. 4) : Der Bösewicht, im auffteigenden Zorn fragt er nach vichts, wie wenn kein Gott wäre, will seiner Leidenschaft er fröhnen *). — Wer dem Zorne sich hingibt nimmt ab an Weisheit, wie es heißt (Kohelet 7): Denn der Zorn ruht im Schoße der Thoren, das heißt, die Thoren haben den Zorn gleichsam vor^'iliegen. — Jeder, der dem Zorne leicht. sich hingibt,, von dem darf man voranssetzen, daß . seine Sünden zahlreicher sind als seine gute Thaten, wie es heißt: (Mischte E. 29. V. 22): Ein auffahrender Mensch erregt Hader, und der Jähzornige häuft Verbrechen. — „Zürne nicht, so wirst du nicht sündigen!" ist ein köstlicher Rath, der uns vom Propheten Elijahu ist überliefert worden (Lerachoth 29 b.) — Selbst an den edelsten, besten wrenschen wird es tadelnd hervorgchoben, wenn sie in Zorn geratheu. So lehren unsre Weisen (Pesachim 66 d.) Rabbi Schimeon beu Lakisch sagte: Jeder Mensch, der zürnt, wenn er ein Weiser ist. so entzieht sich ihm seine Weisheit, wenn er ein Prophet ist, so entzieht sich ihm seine Prophetengabe. Das Entere wird uns an dem Beispiele unsres großen Lehrers Moscheh nachgewiesen. Als die Israeliten siegreich vom Kriege gegen Midjan znrnckkehrten, da zürnte Moscheh über die Häupter des Heeres (4. B. M. C. 31. V. 14), und wiewohl sein Zorn ein berechtigter war, so entging ihm doch in Folge seiner Gemüthsaufregung die Halachah, die dann Elasar, der Hohepriester, in seinem Namen verkünden mußte (daselbst V. 21). — Das Zweite wird uns an dem Beispiele des Propheten Elischa nachgewiescn. Als der König Achab gestorben war, da empörte sich der bis dahin den Israeliten ttibutpflichtige König von Moab. Und der Söhn Achabs, der König Jehoram, verbündete sich mit Jehoschaphat, dem Könige von Jehuda und mit dem Könige von Edom, um Moab zu unterwerfen. Bei diesem.Heereszuge •) Vergleiche Raschk.

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