Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Mmi füllten würden, fümilcii sie sich überzeugen, wozu die tteberfüllung führt, und wie die 'Behörden oft gezwungen sind elnztigreisen. Der Berlmt einer diesigen Zeitung über die Wohnttttgsverhältnisse in manchen Theilen de-) Viertels beweist, baft viele teilte im freien Lande nicht besser als in der alten Heimatti leben. Die wenigen nachfolgenden Zeilen sprechen für sich: „Brutstätten für ansteckende Krankheiten. - - Unlicensirte Logirhäuser. Saniläts- Inspektor Tr. L. Goldschmidt und Sanitäts-Polizist Whalcn statteten in der Dienstag-Nacht den Häusern Nr. 14, IC und 21 Ludlow Str. einen Besuch ab, um zu ermittelu, ob die Klagen, das; sich daselbst Logirhäuscr befinden, begründet seien. Der Besuch der Sanitäts-Beamten zu der ungewohnten Stunde war für die Bewohner der Lokalitäten ebenso unerwartet, wie unerwünscht, doch erhielten die Beamten dabei die Gewißheit, daß sich trotz der gcgcntheiiigen Behauptungen der Bewohner doch Schlafstellen für Personen beiderlei Geschlechts in den Häusern befinden. Aus der Wohnung Hirsch Bcrnstein's in der 2. Etage von Nr. 16 drang den Sanitäts-Beamten ein so starker mephitischer Geruch entgegen, daß sic erst längere Zeit die Thüre offen lassen mußten, ehe sie eintreten konnten. Sie fanden je fünf Verschlage, die man Bettstellen nannte, in sechs Zimmern, in denen 30 Personen beiderlei Geschlechts in fast adamitischem Zustande, theils in den Betten, theils auf Matratzen oder auf dem Fußboden lagen. In Nr. 14 Ludlow Str. wohnt Moses Sckneidcr im 4. Stocke mit seiner aus 8 Personen—bestehen-- den Familie und 4 Gästen in 3 Zimmern, die kaum Raum für 5 Personen haben. In dem obersten Stocke des Hinterhauses von Nr. 14 Ludlow Str. bewohnt ein gewisser Samuels mit seiner Familie und 4 Gästen 3 Zimmer. Samuel Kohn hat in der ersten Etage Nr. 21 2 Zinnncr inue, in welchen er eine „Nestauralion" betreibt und mit seiner aus 7 Personen bestehenden Familie und 5 Schlafgästen wohnt. In dem oberen Stocke jenes Hauses fanden die Beamte» eine Frau Kohn mit ihrem Kinde, 4 Pflegekindern und 5 Schlafgästen, die alle in 2 Zimmern wohnten. Die sämmtlichen Wohnungen wurden desinsicirt und cs werden gerichtliche Sckmtte gegen die Miethcr resp. Eigenrhnmer der besagten Häuser cingeleitet werden." Zfitnugsuachrichtcu nud (Korrespondenzen. - Oesterr.-Ilngar.Monarchie. Salzburg, 14. Juni. Der Hauptversammlung des deutschen Schulvereins wohnten Falkenstcin und Vormeng (Berlin) Gnrlitt und Herman (Dresden) Hedinger «Stuttgart) und Rohmeder (München) bei, die Versammlung nahm, einen ruhigen Verlaus, da die meisten Antisemiten fernblteben. Aussehen erregte das Erscheinen des Statthalters Grasen Thun, welcher die Versammlung namens der Landesregiernng begrüßte und die Sympathie» derselben für den Sthttlvcrein aussprach, dessen Bcrdienste um die Kulturansgaben des Staates betont wurden. Bisher wurde der Schulverein nie offiziell begrüßt, überdies wurde von der klerikalen Seile, welche die Landtags- Mehrheit besitzt gegen die Thcilnahme am Schnlverein agitirt. Daher har die Anwesenheit des Statthalters um so lebhafter befriedigt. Die Anträge der antisemitischen Ortsgruppen wurden mit überwiegender Maiorilät abgelchnr, der Wortführer der Minorität verwahrte sich gegen die^antifemitischeu Tendenzen und erklärte überdies, im Schulverein verbleiben zu wollen. Rußland. Einer der „Polit. Eorr." aus Lemberg zugehenden. Meldung zufolge find in den letzten Tagen mehrere österreichische Judcnfamilien mit Kindern von den russischen Behörden aus Woloczyska ausgewiesen und an die Grenze geschafft worden.. Weitere Ausweisungen von fremder. Juden-aus dem Grenzrayon stehen bevor und es scheint demnach die längst angekündigte Durchführung der alten Lerordnnng, welche den ausländischen Inden den Aufenthalt im russischen Grenzrayon untersagt, begonnen-zu haben. F e u t l_l e t a b. Die Inden nnd das Iudenvierlek in Amsterdam. Vergangenheit und Gegenwart. m. Während der wohlhabende und gebildetere Theik der Juden über die ganze Stadt hin zerstreut wohnt, wiewohl die schöne Nieuvne Heerengracht fast ausschließlich von Judenbewohnt wird und deshalb im Bolksmnnde Joodenheerengracht genannt wird, hat sich der Kleinhandel sowie das Gewerbe auf wenige Straße" eingeschränkt und in keinem andern Stadtthcil wohnt die Bevölkerung fo dicht ausemandergedrängt, wie hier. Der Mittelpunkt dieser „Joodeubnurr" ist die „Daniel-Maierplein", auf der die portugiesische und zwei große deutsche Synagogen, crfterc vollständig nach dem Plan des salomonischen Tempels gebaut, sich erheben. Sämmtliche drei