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Der Israelit · 1886-07-01 · Heft 52 (1.7.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 52 (1.7.1886)
Date
1886-07-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Erste Beilagk zu llr. 52 örs Israelit. «SPSS SW! «,««,„d-r »lrtikcl Amerikanische Briefe. lü New-Iort, lll. Juni. Wenn sich auch die aisier!fasiifd)en Briefe bei vielen Lesern einiger Beachtung erfreuen, so muß ich doch heute an dieser Stelle constatiren, dag einer der eifrigsten Leser des „Israelit" uni) besonders der Rew-Iorkr Correspondenzen unser großer Antipode, Herr Dr. I. M. Wise in Cincinatti, zu sei» scheint. Jede Zeile im „Israelit," jede Anspielung auf seine geheiligte Person wird sofort in dem Organe des Herrn Doctor dementirt oder entstellt; gewiß ein Zeichen der aufmerksamen Beachiuiig, deren wir uns in Cincinatti erfreuen. Daß es an Gegenliebe bei uns nicht fehlen wird, brauchen wir wohl nicht erst zu versichern. Die Conferenz der Neformrabbiner in Cincinatti Ende des Monats wird sicher Stoff bieten, da ja Dr. Wise als Haupt hier das große Wort führen wird. Die Gerüchte vom Rücktritte Dr. Wise's durchschwirren noch immer die Luft; bei W. ist es aber nicht die Gemeinde, die ihu dazu bewegt, sondern W. scheint des Haders müde zu sein, den er mit Jedermann und bei jeder Gelegenheit vom Zaune bricht. Am 28. Juni tritt die Nabbinerversaminlung in Cincinattt (Fortsetzung der Pittsburger) zusammen und es ist daher wenigstens in der heißen Zeit auch Stoff für die Preffe vorhanden. Die Einladung zu derselben folgt unter dem Motto: iort ipOn btt, was ich am Besten so übersetzen möchten „Sprich (Dr. Wise und Conforteu) zu den Kindern Israels; und nach.Eurer Rede werden sie sich von Euch entfernen."^ Die Uebersetzung ist zwar nicht wortgetreu, aber sie paßt sicher. — Die Kohler'sche Demission wurde von der Gemeinde vorerst abgclehnt. Bei der letzten Gemeindeversammlung wurde ein Comitö eingesetzt, das die Schwierigkeiten ebnen soll. Dr. Köhler hat vorerst seinen Willen durchgesetzt; der gewünschte 2. Rabbiner wird nur mit Genehmigung K's. angestellt, und da K. dies nicht will, so unterbleibt dies wahrscheinlich. Ta der Vertrag Köhlers Endo 1687 adläuft, so hat man die Sache bis dahin verschoben und die Gegner Köhlers hoffen, daß sich K. in reformatorischer Weise bis dahin so entwickelt, daß er besser gestürzt werden kann. Jedenfalls hat Köhler gezeigt, daß er seiner tteberzengnng nicht in Worten allein Ausdruck verleiht, und wenn es sein muß auch für dieselbe fallt. Sein College Dr. Kohut zieht diese Cousequeuzcn nicht. — Die Frage, ob die Sonne auch ferner ln St. Louis scheint, das heißt ob Dr. Sonnenschein auch ferner sein Licht da leuchten lassen kann, ist noch nicht entschieden. Waren die Chancen vor einiger Zeit auch wieder günstig, so haben sich solche wieder verschlimmert. Sein Auftreten ist eben derart, daß eine Gemeinde, die sich auch nur noch dem Namen nach dem Jndenthum zuneigt, sich viel vergibt, wenn sie den Mann von ihrer Kanzel herab die Lehren des Judenthums vortragen läßt. Ter bekannte Rcformrabbiner Dr. Gutheim in New-Orleaus ist vorige Woche gestorben. Mit ihm verliert die Sache der Reform einen warmen Vertreter und einen ehrenwerthen Charakter. So schrumpft die Zahl der älteren Reformrabbiner, insoweit solche durch ihren Bildungsgrad einer besonderen Erwähnung verdienen, immer mehr zusammen und der Nachwuchs ist nicht von dem Guß, daß er sich in solche Achtung zu setzen vermag. Die alten Herren haben eben noch Schulen genoffen, wo ihnen Gelegenheit geboten war. Etwas zu lernen; die jüngeren Herren kouuuen aber mit geringen Ausnahmen nicht weiter als bis zu der amerikanischen Schule, die so oft . hier gekennzeichnet wurde. Vielleicht bringt das neue Rabbincrsemiuar eine Besserung. — Die Einwanderung von Glaubensgenossen aus den russischen-poluischen Landestheilen nimmt auch Heuer starke Dimensionen an und wäre nur zu wünschen, daß die Leute sich nicht alle auf einem Platz niederlassen. Amerika ist so groß und doch zieht sich Alles in New- Jork zusammen. Diese Woche trafen an 600 jüdische Einwanderer ein, von denen sich kaum 50 von New-Jork wieder trennten. Die geschäftlichen Verhältnisse sind, beeinflußt durch die Strikes u. s. w., derart, daß ein starker Zuzug für die Einwanderer sowohl wie für die schon Eingcwaudertcn nicht von Nutzen ist und cs wäre Pflicht für die - Freunde der armen Leute an den Grenzdistrikten dieselben darauf hinzuweisen, daß sie sich nicht Alle an einem Platze concentrircn sollten. Wenn die europäischen Freunde einige Wochen in dem jüdischen Viertel New-'Jorks Um-

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