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Der Israelit · 1886-07-01 · Heft 52 (1.7.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 52 (1.7.1886)
Date
1886-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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doch davon spater ausführlich. -- Wir halten es daher für allgemessi-n, nns der Ansicht, des Malmonides anznschNesren und diese Misihnah dclnentsprcchend der Betrachtung,;u nuterziehen. Der weltberühmte Prager Rabbiner, Rabbi Lowe den Bezalel, genannt der hohe Rabbi Löb, belehrt uns in seinem Eonunenrar zn unsrer Masiechta, das; Rabbi (ylicfcr hier in werngcn Worten den gesammten Kreis der menschlichen Pflichten bezeichnet. Diese lassen sich znsammensaffen in Pflichten neuen Gott, neuen die Mitmenschen und gegen uns selbst. Die Pflichten gegen die Mitmenschen sind enthalten in dem Ausspruche: (53 sei die Ehre deines Genossen dir so lieb wie deine eigene: die Pflichten gegen uuS selbst sind augedentet in den Worten: Und sei nicht leicht zu erzürnen: die Pflichten gegen Gott sind inbegriffen in dem Ansspruche: Und kehre zurück einen Tag vor deinem Tode. So Jemand die Ehre seines Mitmenschen so hoch schabt wie die eigene Ehre, wird er sich hüten, irgend etwas zu thnn, das die Ehre seines Rebenmcnschen verletzen könnte. In den Aboth des Rabbi Nathan wird dieser Ausspruch näher erklärt: „Gewöhne dich, die Ehre deines Nebcnmcnschen mit denselben Augen anzuschancn, wie du deine eigene Ehre betrachtest; gerade so, wie cs dir nicht lieb sein würde, wenn man deine Ehre durch üble Nachreden verdunkeln wollte, so mußt dn dich hüten, der Ehre deines Nebenmcnschen durch böse Nachreden zu schaden. Wie einst Hirtel die ganze Thora in den Sab zusanmienfaßte: Was dir nicht gefällt, das; man es dir Lhne, das tlme keinem Andern, so wird auch Aehnliches von Rabbi Eliescr erzählt (Bcrachoth f. 28). Als seine Schüler ihn während seiner Krankheit besuchten, baten sie ihn : Rabbi, lehre uns die Pfade des Lebens, damit wir ans ihnen gelangen zur ewigen Seligkeit. Ta sprach zu ihnen Rabbi Elieser: Seid vorsichtig in Bezug auf die Ehre eurer Mitmenschen. — 24,000 Schüler hatte Rabbi Akiba, und sie narben in früher Jugend dahin, weil sie sich gegenseitig nicht ehrten (Jebamoth 62). Wer sich selbst dadurch zu ehren sucht, daß er seinen Nächsten gerlngschäxt, der hat keinen Antheil an der zukünftigen Welt (Jernschalmi, Ehagiga E. 2). — Rabbi Rechunja ben Hakauah erreichte ein hohes Alter. Ihn fragten die Schüler: Welchem Verdienst schreibst Du es zu, daß Tu ein so hohes, glückliches Älter erreicht hast? Niemals, antwortete der Lehrer, habe ich cs versucht, meine Verdienste dadurch ins rechte. Licht zu stellen, daß ich meine Nebcnmcnschen zu verkleinern mich bemühte (Megillah 28). Viele Erklärer haben in unsrer Mischnah eint andere Lesart; statt 0:* to *.t lesen sie w 'um ino, „es sei die Ehre deines S ch tt lers dir so lieb wie deine eigene." Sie begründen diese Lesart durch zwei Gründe. Erstens, sagen sie, fei es rricht anznnehmett, daß Rabbi Elkeier anderer Ansicht sek als Rabbi Elasar ben Schamna, welcher in der zwölften Mischna des viertenKapitels lehrt: Es sei die Ehre seines Schülers, dir so lieb wie deine eigene; die Ehrerbietung gegen deine» Genossen aber sei wie die Ehrfurcht vor deinem Lehrer. — Wir meinen jedoch, das; dieser' Einwand nicht so gewichtig ist, das; man deßhalb die altbewährte Lesart ändern diirfte, zumal da dieselbe durch die obenangcführten stellen ans den Aboth des Rabbi Nathan und ans dem Traktat Bcrachoth bestätigt wird. Wir meinen, das; cs sich, beim Aussprüche des Rabbi Elasar ben Schamna lediglich um den Genossen beim Thorastndinm handelt. Der Genosse, mit dem ich gemeinsam srndire, wird m gewisser Beziehung mein Lehrer: ich lerne von ihm, und er lernt von mir. Rabbi Elieser spricht aber von jedem Mitmenschen. und da genügt es, wenn ich seine Ehre so hoch halte wie die mcinige. Der zweite Grund, den man gegen die alte Lesart ins Treffen führt, ist der, daß es ja Menschen gibt, welche die eigene Ehre für nichts achten; diese brauchten demnach ihre Mitmenschen nicht zu ehren. Auch dieser Grund ist nicht stichhaltig. In der 12. Mischnah des gegenwärtig von uns behandelten Kapitels lehrt Rabbi Jose: Es sei das Geld deines Nebenmenschen, dir so werthvoll rvie dein eigenes: das heißt: Suche deine Mitmenschen ebenso vor Schaden zu bewahren, wie dich selbst. Auch da könnte man sagen, daß demnach ein Verschwender, der sein eigenes Geld znm Fenster hinanswirst, ebenso mit dem Gelde seines Nächsten verfahren dürfte. Aber von solchen Leuten redet Rabbi Jose nicht, und ebenso spricht Rabbi Elieser nicht von Leuten, die ihre eigene Ehre in den Äoth treten. — Daher erscheint uns die alte Lesart als die richtige, und wir wollen die Lehre beherzigen: „Es sei die Ehre deines Nebenmenschen dir fo licb wie deine eigene." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenten. Deutschland. Kisfingcn, 27. Jmn. Die hiesige Snnagoge reichte lang nicht zur Ausnahme der Einheimischen, der Kurgäste und der kgl. Beamten bei der henre Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr veranstalteten

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