Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1886)
- Date
- 1886-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449649--24543-2514351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVII. aaftrgawfl, M SÄ. Ein Hentral' - Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von Nr-. Lehmann in Mainz. D o it H c v ft <i fl, den I Juli 5046 (1886). Leitender Artikel. Die Sprüche der Jäter. II. Buch, zweite Abtheilung. XVII. Mainz, 28. Juni. „Sie (bie fünf Schüler des Rabbon Jochanan Len Sackai) pflegten (jeder von ihnen) drei Dinge zu sagen. Rabbi (ylicfer sagte: Es sei die Ehre deines Genossen dir so lieb wie deine eigene, und sei nicht leicht zu erzürnen, und kehre zurück (thne Buße) einen Tag vor deinem Tode, und Wärme dich an der Flamme der Weisen; sei aber vorsichtig mit ihrer Kohle, damit du dich nicht verbrennest, denn ihr Biß ist der B'ß eines Fuchses und ihr Stich ist der Stich ein-. Skorpions, und ihr Zischen ist das Zischen eines Basilisk und alte ihre Worte gleich feurigen Kohlen." Dem aufmerksanien Leser werden sich beim Durchlesen dieser Mischnah eine Menge Schwierigkeiten ergeben, von denen wir einige hervorhcbcn wolle». Die erste ist die, daß die Mischnäh sich selbst zu widersprechen scheint. Im Anfänge derselben wird behauptet, daß jeder der hier Erwähnten drei Dinge gesagt habe, während sofort von Rabbi Elieser mehr als drei — mindestens vier — berichtet werden. Ferner sind Mischnah und Talmud voll von Aussprüchen des Rabbi Elieser und des Rabbi Josua, während hier behauptet wird, daß jeder von ihnen nur drei Tinge gesagt Hube. Zum Dritten bedarf die Häufung der Ausdrücke -am Schlüge der Mischnah der Erklärung. Wir wollen die mittlere Frage zuerst beantworten. Die Mischnah will nicht sagen, daß die in Rede stehenden Weifen nur die hier erwähnten drei Tinge gesagt haben, sondern daß diese stets in ihrem Munde waren und bei jeder Gelegenheit von ihnen den Schülern eingeprägt wurden. Größere Schwierigkeit bereitet die Beantwortung der ersten Frage, und die Meinungen der Interpreten gehen in Bezug daraus auseinander. Raschi, der Fürst der Erklärer, betrachtet die beiden Anssprüche: „Es sei die Ehre deines Genossen dir so lieb, wie deine eigene," und: „Sei nicht leicht zu erzürnen," für einen einzigen. Wann wirst du die Ehre deines Genossen Hochhalten? Wenn du dich gewöhnst, dich nicht vom Zorne hinreißen zu lassen; demnach wäre der zweite Ausspruch: „Thne Buße einen Tag vor deinem Tode" und alles Folgende bildet den dritten Ansspruch. — Dieser Erklärung folgt Bürtinora und viele Andere. Maimonides jedoch meint, daß die dreierftcnSävennsrcr Mischnah schon die drei Anssprüche des Rabbi Elieser enthalten. Wir haben demnach den vierten Ansspruch als einen späteren Zusatz zu betrachten, den' die Weisen aus einem Grunde hier angcfngt baden, welchen wir später erörtern werden. Tie Ansicht des Maimonides findet eine Stütze in den Aboth des Rabbi -Nathan. Nachdem daselbst km 15». Kapitel die drei.ersten Aussprüche des Rabbi Elieser genau wie in unsrer Mischnah angeführt sind, werden sie erörtert und durch Beispiele erklärt. Nachdem dies geschehen, wird am Schluffe des Kapitels berichtet, daß Rabbi Jose bar Jehudah von seinem Vater und dieser wieder von seinem Later Rabbi Jlai gehört habe, daß Rabbi Elieser den Schlußsatz unsrer Mischnah ausgesprochen habe. Es verhält sich mit diesem Schlußsatz anders als mit den drei ersten Sätzen. Während Rabbi Elieser die drei ersten während seiner ganzen Lehrthätigkeit stets im Munde führte, wurde er zu dem letzten erst am Schlüsse seiner Lehrthätigkeit veranlaßt, in Folge der Ereignisse bei Besprechung des Achnai-Ofeus;