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Der Israelit · 1886-07-01 · Heft 52 (1.7.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 52 (1.7.1886)
Date
1886-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Trantiftier für weiland Mihiln Vitbiülii JI. Die hl. Vabc imb ihre Itiiißclmiifl imii mit Trauerflor vcliaiiflüi/tficnfo die Uuvbcicit ftcirfüT. luidSänlcn, zwischen welchen Zierpflanzen hübsch ansgebant standen. Den'Civil- und Militärbeanucn in Uniform, sowie einzelnen Gästen waren die vordersten Reihen alS Ehrenplätze elngc'.üuint worden. Nach vorgänalaern tadellosem Chorgesange und Absingen der Psalmen tti, 17 nnd 23 schilderte Distrikls-Rabbiner Bamberger von hier in wohlgcgliedcrter, von Herzen kommender und 5:1 Herzen gebender Predigt unter passender Einflechtung bil lischcr Vergleiche die vielen Verdienste Ludwigs ll. um Kissingen, das er alsbald nach dem Kriege 186«, noch als schlank aufblühende Ccdcr mit seinem Besuche beehrt habe, sodann um Bayern und um das deutsche Volk und zog endlich aus dem jähen Ende des allen Religionen gerechten LandsvaterS, sittlich ergreifende Folgerungen. Nach Absingung des Gebetes „Moses des Göttlichen Namens" wurde im Kaddisch die Seelenruhe für den früh Dahiugeschicdcuen erfleht. Zwischen dem Herausuchmcu und dem Zurnckbringcn der Thora erfolgte ritualgemäß das Gebet für seinen Nachfolger und die konigl. Familie. Diese einfache, aber weihe- und würdevolle Trauerfcier, welche wegen des katholischen Feiertages und anderweiter Verhinderung der Civil- und Militärbeamten nicht früher abgehalten werden konnte, verfehlte auch nicht auf uns Nichrsemitcn, (und Nicht-Antisemiten), welche als Gäste ihr beiwohnen durften, tief ernsten Eindruck; schon der gut geschulte Gesang und die selten so reine Aussprache des Hebräischen selbst im Chore, und die aus dem ganzen Tone der Trauerrede sprechende innige Ucberzeugungstreue mußten mächtig zur Andacht stimmen. (Ter Kultusverwaltung unfern Dank für die freundliche Einladung mit dem Wunsche, daß der Allvater ihr bald einen geräumigeren Tempel beschcere!) F. G. Berlin, 29. Juni. Durch die Zeitungen geht jetzt eine Seusationsgefchichte von einem jüdischen Studenten der Chemie, welcher angeblich, um von seiner Hände Arbeit zu leben, eine Anstellung bei der Straßenreinignng suchte und fand , während es sich jcxt herausgestellt habe, daß er ein russischer Regierungsspion sei, der den Auftrag habe, die russischen Studenten bei Tage und die polnischen Straßenkehrer während der Nacht zu beobachten. — Wie Herr Siegmund Haber im „Berliner Tagblatt" mittheilt, ist das Letztere eine ganz bodenlose Verdächtigung, zu welcher der betreffende Student, Herr Manachowski, nicht den geringsten Anlaß gegeben. Derselbe sollte zu einer anderen Abtheilnng versebt werden, welche zur Straßenreinignng bet Tag verwendet wird. Dies konnte Herr M. in seiner Eigenschaft als Student nicht gnt eingehen, nnd sah sich daher genöthigt, seine Beschästignng bei der Straß« nreinignng anfzngeben. Berlin, :m Juni. lieber den Erwerb und Berlnst der Staatsangehörigkeit in Preußen bringt die „Stat. Korr." für das Jahr 188.'» folgende Daten: ES erwarben die Staatsangehörigkeit durch Aufnahme 1405 Angehörige anderer deutschen Bundesstaaten, durch Naturalisation 2544 Ausländer und durch Wiederverleihuug 758 frühere Inländer. Die Zahl der Personen, welche das preußische Jndigenat erworben haben, beträgt mithin 4767 gegen 4518 im Jahre 1884. Der Konfession nach entfällt die Zunahme der Naturalisation lediglich aur das katholische Bekenntnis; (1672 gegen 1210 im Jahre 1884), wogegen die Zahl der Evangelischen um 10 abgenommcn hat und die der Juden sogar auf die Hälfte (120 gegen 239) zurückgcgangen ist. Erfurt, 25. Juni. Bei der hier stattgchabten Nabbinatswahl ist Herr Dr. Salzberger aus Kulm zum Rabbiner unserer Gemeinde gewählt worden. Dr. Salzberger vereinigte auf sich 5 Stimmen, während auf den Weilbnrgcr Bczirksraöbiner Dr. Goldschmidt 4 Stimmen entfielen. - Lyrk. Sie haben bereits kurz über den Tod des gelehrten Herausgebers des „Hamagid", Herrn David Gordon, berichtet. Gestatten Sie mir. Ihnen Näheres über diesen Mann, der seine Lcbeilskraft dem allgemeinen Wohle des JudcnlhumS gewidmet, zu berichten. „Hamagid", welcher vor 30 Jahren von dem verstorbenen Eleasar Silbcrmann gegründet wurde, übte auf die Inden in Rußland und Polen grcßen Einfluß aus. Während dieser Zeit war Herr Gordon einer der eifrigsten Mitarbeiter desselben. Er hatte sich zur Hauptaufgabe gestellt, die Errichtung von jüdischen Colonien in Palästina zu ermöglichen und deren Gedeihen zu fördern. Bei der im November 1884 in Kattowitz stattgehabtcn Versammlung der Gesellschaft „Chowawe Zion" nahm er regen Anlhcil an den Verhandlungen. Er wurde zum Berichterstatter einer Commission, ebenso zum Mitgliede des Central-Comite's der „Montefiore-Gesellschaft für die Colonisiruug Paläsiina's" ernannt. Noch kurz vor seinem Tode drückte er einem seiner Freunde fein lebhaftes Bedauern darüber ans, daß er die Realisirung feiner diesbezüglichen Wünsche nicht mehr

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