Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-06-28 · Heft 51 (28.6.1886) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 51 (28.6.1886)
Date
1886-06-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449648--24535-2514342
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hätte er es gar nicht erfahren können? Hätte er sich nicht schon an dem Umstande stoßen muffen, daß der junge Mann sein Minchageber vor der Trauung in französischer Sprache verrichtete, weil er nicht einmal hebräisch lesen kann? Sind dem Herrn Rabbiner von Sonln bei dem trcphencn Hochzeirsmahlc seines Ncubekehrten gar keine Bedenken über den religiösen Ernst des jungen Mannes gekommen? Wenn Herr Levy von Allem dem nichts wußte, dann hätte bei der Bescheidenheit, mit welcher er sich zn den zählte , es doch nahe gelegen, den Anderen ertheilten Rath für sich selber zu befolgen und bei den z'rrc anznsragen und ans ihren Rath zn hören. Das; der Herr Rabbiner von Soultz dieses nicht gethan, das; er aus eigene Faust diese Trauung thatsächlich vollzogen, das ist das Facium, das zu berichten gewesen wäre, wenn diese Berichtigung ihren Namen verdiente. So lange aber der Herr Rabbiner von S. statt mich zn berichtigen, sein ungesetzliches Verfahren zn rechtfertigen suchte so lange hat er meine Behauptungen, sowie das öffentliche Aergerniß, welches seine Handlungsweise nicht „angeblich", sondern wirklich hervorgcrnscn hat, voll und ganz gerechtfertigt. Mainz, 27. Juni. Ebenso wie ihre Vorgängerinnen „Die Wahrheit", „Berl. Osteudzeitung" u. s. w. hat nunmehr auch das hiesige Anüsemiien- Blatt „D i e W uch e rpil l e", vereinigt mit der früher in Lieguitz erschienenen „Patriotischen Zeitung", das Zeitliche gesegnet. Gestern, am m? ros», ist auch diese Zeitschrift nntergegangen und in der an diesem Tage erschienenen letzten Nummer sagt der Nedactenr allen seinen Lesern „ein herzliches Lebewohl". Zugleich gibt derselbe an der Spitze des Blattes die Erklärung ab, „daß Undankbarkeit mancher Art, trotzdem er für seinen Theil im Interesse der Sache während der letzten 4 Jahre denn doch mehr als genug Opfer gebracht, nicht minder auch die Meilumgsverschicdenheit innerhalb der leitenden Kreise selbst, Indolenz und Mangel an der allernothwendigsten Opferwilligkeit bei gerade denjenigen Leuten, in deren Interesse er gekämpft, ihn veranlassen, das Weilererscheinen dieses Blattes — vorläufig wenigstens — anfhören zn lassen." Einen weiteren Hieb versetzt er seinen vermeintlichen Freunden und Gesinnungsgenossen am Schluß des Blattes, indem er 'eine Kampfcsmiidigkekt „dem grenzenlosen llndank ii.rd einer rücksichtslosen Gleichgiltigkeit des deutschen Michel" znschreibt. Heidingsfeld. Ein schwerer Verlust hat uns betroffen und mir uns die Gegend, das ganze Jndenrdum. Ter Tod hat wieder eine gewalüge Lücke gerineu, eine mächnge Eiche ist unter seinen Srrcichen gefallen» nachdem unsere Provinz schon deren zwei in diesem Jahre zu beweinen und zu beklagen . hatte. Rabbi Eisig Gutmann ist nicht mehr, er dat am ".ttzs sf? seine reine Seele ansgchancht. Nachdem schon vor nrs ein Schlaganfall das tbenre Leben bedrohte, trat eine derartige Besserung ein, daß der Selige wieder sein ünwiderstchlichcs Verlangen 7^72 befriedigen und man aus die Erhaltung seiner Gesundheit honen konnte. Aber leider ward diese Honnung bald getäuscht: aru Vr wiederholte sich der Anfall, infolgedessen das Bewußtsein gestört und auch nicht wieder zunickkehrte. So hatte ein Leben geendet, das man sich reiner und edler nicht denken konme und das bei seinem Entschwinden nochmals betrachtet und erkannt zu worden verdient. R. Eisig Gutmann hatte nahezu ein Alter von 76 Jahren erreicht. Zu Großlangheim in lluterfranken von frommen Eltern geboren, ward er frühzeitig dem Thoralernen zugeführt bis er für die msr in Fürth herangercist war. Dort saß er zu den Füßen des großen b*s rvasxn 'i und n t' ' und entwickelte dabei einen Fleiß und Lerneifer, der den Grund zu seiner lalmudischen Größe legte, .vier nun verdient eine Episode ans seinem Leven besondere Erwähnung, die gleichzeitig cm grelles Lickt ans die damaligen Verhältnisse und Vorgänge innerhalb des Judcnthums wirft. Wie in ganz Deutschland, so hatte auch in Fürth die. Reform ihr Haupt erhoben, und sie glaubte ihre Ziele dadurch am leichtesten zu erreichen, wenn sie die Quelle des wahren jüdischen Lebens verstopft, nämlich das Thorastudium. Sie hatte es daher in Fürth mit Hilfe der fräatlidwi Gewalt dahingebracht, daß die dortige noch zahlreich besuchte ranr* polizeilich aufgelöst wurde. Dem großen Rabbi w. rde bei^ strenger Strafe verboten, vor auswärtigen Schüler Vorträge zn halten, die Talmudjünger wurden ansgcwiescn, ihnen nachgespürt gleich Verbrechern. Alle hatten bereits mit schwerem Herzen-' den geliebten Rabbi, die Pflanzstätte religiösen Wiffens Verlagen, nur zwei hielten noch aus, "klammerten sich gleichsam an den; Lebensborn und trotzten allen Gefahren: unser Rabbi Eisig Gutmann und der ihm vor wenigen Jahren im Tode vorangegangene Rabbi E. 9)f. Schüler in Frankfurt s>"r, bis endlich auch dieser der weltlichen Macht weichen mußte und sich nach Frankfurt a. Bk. begab, nm dort das Thoraslndinm fonzusctzcn. R. Eisig Gutmann aber ließ sich durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.