Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1886)
- Date
- 1886-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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875 Literarischer Ucricht. Der Ehücham Asülai macht au kincr Stelle im c^ran Cff die Bemerkung,, wie wcÄsclvoll düs Schicksal des Talmudüudimns im Laufe der Zeiten war rmd wie häufig der Sitz der talmndischcv Gerchrsamkeir von Land za Land verlegt wurde: Ursprünglich im Laude der Parrhcr, zwischen Euphrat und Tigris, in seiner Blüthc sichend und zur höchsten Vollkommenheit auSgcbiWct, kam cs später, nach der Zerstörung und Aushebung der babylonischen Schulen durch die Ausbreitung des Islam, nach Nordafrika, dann nach Spanien, nach der Provence, nach Nordfrankrcich und Deutschland und endlich.hoch hinaus nach Norden, während die früheren Blürhen- und Pflanzstätten verwaist wurden. Dieselbe Betrachtung ließe fich auch natürlich in beschränkterem Umfange — in Bezug ans die hebräischen Druckereien, die sich nur der Herausgabe lalmndischcr Werke bcsaycn, anstelle». Die Anfänge der hebräischen Typographie finden wir in Italien, wo der berühmte Drucker Daniel Bömberg die ersten mustergültig gewordenen Talmndausgaben veranstaltete. Später Lieferte Amsterdam die noch heute gesuchten und schönen Truckansgaben talmudischer Werke; die Worte v"r«2Lr« galten alsEmpfehlnug aus den Tirclblättcru hebräischer Bücher. Dieses wieder wurde von den österreichischen Druckereien abgclöst, wo Schmidt in Prcßbnrg, später in Wien, seine korrekten und schön-ausgcstattetcn Ausgaben des 'c? *pt, c"22-3, d"et Herstellen liest. Jetzt sind alle diese Druckereien cingcgangcn und nur noch hoch im Norden unseres ErdlhcilS, in Rußland und Polen, werden bedeutendere raimudische Werke in ncnneuswetther Zahl gedruckt und verlegt. Diese Betrachtung drängt sich mir bei Gelegenheit des Erscheinens einer neuen Talnrndanfgabc auf, die bis jetzt ihresgleichen nicht hatte, aus die mau das Wort anwcnden kann cjsn pi r.n ercr n2n!\ Die rühmlichsr bekannte Buchdruckerei- und Vcrlagsfirma Wittwc und Gebrüder Romm in Wilna hat ihre neueste Ausgabe des Talmuds zum Abschluß gebracht, die, was Reichrhum und Fülle der beigcdrncktcn Kommentare, Schönheit und Korrektheit des Druckes und Güte des Papiere» anbelangt, jeden Lalmudlicbhabcr und jeden Verehrer dieses unseres Rationalwcrkcs, das unseren Stolz und unser kostbarstes Gut neben der heiligen Schrift bildet, mit dem Gefühle der Bewunderung zu erfüllen geeignet ist, und zu lebhaftestem Dante für die opferwilligen und thatkrästigcn Herausgeber anregen muß. Nicht nur die Fülle und der beispiellose Rcichthum der Kommentare in Bezug ans die Quantität verdient entere berechtigte Anerkennung, noch weit mehr ist. die weise Auswahl zu loben, die in Bezug aus das Annunchmende geherrscht hat, und daß keine Kosten gescheut wurden, das Theucrfte und Seltenste aus den Schätzen der Archive berbcizukrolcn und der Ausgabe cinzuvcrleiben. Tenn in dieser Ausgabe werden uns zum ersten Male die - vollständigen Kommentare des sorgfältig cdirt nach der einzigen vorhandenen Handschrift im. Vatikan, der Kommentar des cssn; ■«rri soweit er ans die einzelnen Traktate erhalten ist, der -raTsr rsr-ps zu ganz zrcnp -wo — durch dessen Glossen und Gmendationcn nach Handschriften, die in seinem Besitze waren, ein neues Licht über einzelne Traktate, wie '21 nvro, men, die bekanntlich von Druckfehlern wimmeln, verbreitet wird, itt reiner und deutlicher Ouadratschrift geboten. Wahrlich diese drei Perlen unserer Literatur, die uns in Wahrheit c'jirxi t*r ]rTn bieten, würden allein hinreichen, dieser Talmudausgabe den Vorrang vor allen cxistirendcn einznräumen und den Herausgebern ein bleibendes Verdienst zu sichern. Aber damit ist die Lifte der Vorzüge und Vcrbenerungen dieser Ausgabe, die sich überhaupt.im Rahmen einet» Anzeige, gar nicht anfzähleu kaffen, noch lange nicht erschöpft. An hundert Kommentare von alten und jüngeren Autoren sind in dieser Ausgabe vorhanden, der größte Thcil hier zum ersten Male cdirt, darunter mn-n von unschätzbarem Bkcrthc, von den auerkünntefteü tmd berühmtesten ta...mdischcn Eclebritären, so das; die Fülle des hier Gebotenen kaum noch übcrtroffcn werden kann. — -—- Vor sechs Jahren wurde diese Ausgabe begonnen, und rascher als die Freunde und Liebhaber, in Anbetracht der großen zu bewältigende» Anstrengungen imb Schwierigkeiten, einer solchen Edition, es erwarten durften, liegt dieses Riesenwerk vor uns, welches, wie wir hören, gar stcreotypirt sein sott. Es ist dies eine typographische Leistung ersten Ranges, wie sie selbst auf anderen, reicher bebauten und von der Opscrwilligkcit eines viel größeren Leserkreises getragenen Literaturgebictes, nicht, häufig Vorkommen mag, und ist geeignet den Freunden und Verehrern unseres Schriftthnms, ein Gefühl der Gcnugthuung cinzuflößcu; denn cs zeigt, daß cs doch noch einen großen, zahlreichen Kreis von Talmudbcsiiffenen geben muß, daß cs mit diesem Studium doch nicht so schlecht bestellt ist, wenn ein solches mit riesigen Opfern verbundenes Werk gedeihen und sich entwickeln kann. Zwar sind die Leistungen dieser Firma durch ihre Heilte» Schulchan-