Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-06-28 · Heft 51 (28.6.1886) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 51 (28.6.1886)
Date
1886-06-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449648--24527-2514334
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Auch diesmal gwt Rabbos Ischanau den! Sackai dem Aussprüche des 8!abbi ELasar dca Vorzug. „Ich ziehe vor, sagt er, die Worte des Elasars bcn Arach vor euren Wonca, denn in seinen Worten sind eure Worte indegriyen." Das döse Herz ist der schlimmste Weg. von dem der Mensch sich am meisten entfernen soll; denn, wer ein böses Herz hat, wird auch haben ein Übelwollendes Auge, wird auch sein ein böser Genosse, ein böser Nachbar; er wird borgen, ohne die Ädsicht zn haben, zu bezahlen, einerlei ob er von Gott oder Menschen borgt. Wir haben bei verschiedenen Gelegenheiten hervorgehobe», welche hohe -Meinung Nabbon Iochanan bcn Sackai von seinem Schüler'Rabbi Elasar den Arach hatte, das; er ihm das Ucbergcwicht über alle Weisen Israels zuerkanute, daß er unfern Vater Abraham glücklich pries ob eines Nachkommen wie Rabbi Elasar den Arach, daß er wiederholt seinen Aussprüchen vor denen der Anderen den Vorzug gab. Etwas Aehnliches wird uns auch in den Aboth des Rabbi Nathan erzählt. Rabbo» Iochanan hatte einen hoffnungsvollen Sohn durch den Tod verloren und war ob dieses Verlustes untröstlich. Da kamen nacheinander die Schüler, mn ihn zu trösten. Rabbi Eliescr wies ihn auf Adam hin, der ebenfalls einen Sohn verloren und sich trösten ließ, wie wir aus der heiligen Schrift (1. B. M. (y. 4. V. 25) erfahren. — Habe ich nicht genug an meinem eigenen ftnmmcr, cntgegnete Rabbon Jochanan, daß Du mir noch den Schmerz Adams vor die Seele führst? In ähnlicher Weise antwortete er dem Rabbi Iosua, der ihn anffordcrte wie Ijob sich dem Tröste nicht zu verschließen; in ähnlicher Weise entgegnete er dem Rabbi Jose, der ihn auf den Tod der beiden Söhne Aharons hinwies, in ähnlicher Weise dem Rabbi Schimeon, der ihm das Beispiel des Königs David vorführte. Da nahte Rabbi Elasar den Arach. Als der Lehrer ihn kommen sah, sprach er zn seinem Diener: Bereite mir ein Bad vor, denn ein großer Mann kömmt, dem ich nicht widerstehen kann, so daß ich die langhinausgezogenc Trauer beenden muß. — Rabbi Elasar setzte sich vor seinem Lehrer nieder und sprachGestatte mir, ein Gleichnis; Dir vorzutragen. Ein König hatte einem seiner vertrauten Diener einen kostbaren Schatz zur Aufbewahrung übergeben. Tag und Nacht hütete der Mann den Schatz in steter Angst vor Räubern, die ihn rauben möchten, vor Fenersbrimst, Ucbcrschwemmuug oder anderen Natnrerrignisscn, die ibn zerstören könnten. Endlich kam der ersehnte Tag heran, an welchem der Diener dem Könige den Schatz unversehrt zurückgebe» durste. Auch Dir, mein Lehrer, ist vom Könige aller Könige, dem Heiligen, gelobt sei Er, ein Schatz anvertranr worden. Du hast ihn getreulich behüte: und bewahrt. Du hast ihn nnrerMtet in der Thora, in den Propheten und heiligen Schriften, hast ihn gelehrt die Mrschnab, die Halochorh und die Hagadoth. Frei von Sünde ist er ans dieser Welt geschieden, und Du willst Dich nicht trösten lassen, weil Dn düs anverirante Em unversehrt hast zurückgeben dürfen? — Da sprach Nabbon den Iochanan: Rabbi Eliesar, mein Sohn, Ln hast wich getröstet, wie Menschen trösten sollen. Trotzdem Rabbi Eleasar ben Arach zu so außerordentlichen Hoffnungen bcrechttgrc, erreichte er die große Bedeutung nicht, zu der seine Genossen Rabbi Eliesar ben HorkinaS und Rabbi Iosua ben Ehanania cmporsmgcn, -und das kam so. Als Rabbou Iochanan bcn Sackai gestorben war, beschloß Rabbi Elasarden Arach nach Diomasis *) zn ziehen, cinemschön gelegenen Orte, in dessen Nähe köstliche Oucllcn sich vorfanden und herrliche Fruchte gediehen; seine Genossen blieben aber in Iabnch, einem Orte, wo es viele Talmide Ehachamim gab, welche die Thora liebten. Er, der nach Diomasis ging, um die Heilquellen zu benutzen und an den Früchten sich zu laben, verringerte seine Bedeutung in der Tchora; sie aber, die nach Iobneh gingen, einem Orte, wo es viele Talmide Ebachamim gab, welche die Thora liebten, erlangten die größte Bedeutung in der Gotteslehre. Rabbi Elasar hatte sich der Hoffnung hingegeben, daß die Genossen ihm, dem Größten unter ihnen. Nachfolgen würden, weil er glaubte, daß sie seiner nicht entbehren könnten. Als er sah, daß sich diese Hoffnung nicht erfüllte, wollte er sich zu ihnen begeben; aber seine Frau, die aus ihren gelehrten Gatten sehr stolz war, meinte, er würde sich dadurch etwas vergeben und hielt ihn deßhalb davon zurück. Daher lehrt Rabbi Nehorak: Wandere nach dem Orte der Thora und sage nicht, daß sie dir Nachkommen werde; denn, wenn du noch so groß und scharfsinnig bist, wirst du dein Wissen nur durch den lebendigen Verkehr mit den Genossen aus der Höhe erhalten können**). Deßhalb verlasse dich nicht auf deine eigene Einsicht. (Aboth E. 4. Halachah 14.) (Fortsetzung folgt.) *) In Abolh di R. Nathan (C. 14) wird der Ort rs'cr». Ladbar 147 d. rz~-« genannt; Midrasch. Kohelerh, Paraschqh 2, wird t^mmaos c-n=x genanm. Vielleicht war Diomasis der Name einer O.urlle in der Nähe von (xmmaos. **) Vergleiche die zweite Erklärung Bartinora's. — Nach dem Midrasch Ielamdenn, angcsuhrt von ronn vc, erkrankte Rabbi Elasar bcn Ärach und war desthald geuötbigt. die Heikquellen von Diomasis auszusuchrn; durch seine Krankheit hatte sein Gedächtnis« grlittk». --

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.