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Der Israelit · 1886-06-28 · Heft 51 (28.6.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 51 (28.6.1886)
Date
1886-06-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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\ ft tv VI XXVL Lrhrzsug. — .AS 51. * ' - Eis ' ' ":• entrak - Hrgan für das oxtfioboze Zudenthum. Hcransgegebcn von Dr. LehWaua m Mainz. Montag, den 28. Juni 564S (188S). ^2S=* Ta mit brin l. Juli 1886 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Leitende Artikel. Are Sprüche der Maler. H. Buch, zweite Abtheilung. XVI. Mainz, 24. Juni. Rabbi Elasar den Arach bezeichnet als den schlimmen Weg, von dem der Mensch sich entfernen soll, das böse Herz. Die heilige Schrift sagt, daß die Bildung (oder die Neigung) des Menschenherzens böse sei von Jugend auf. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß das Mcnscheuherz selbst böse sei; der Mensch kann vielmehr die Neigung seines Herzens beherrschen und sie bezwingen. Wir habe» oben dargelegi, daß es möglich ist, das eigene Herz derart zu bilden, daß alle böse Neigungen daraus verschwinden, so daß das Herz nur für das Gute, Schöne und Wahre empfänglich wird. Das ist das gute Herz, welches Rabbi Elasar als den geraden Weg bezeichnet hat, dem der Mensch anhaftcn soll. So aber Jemand es versäumt, sein Herz in der obenangegcbencu Weise zu bilden, wenn er in Folge dessen sich manchnia! von der Leidcnschast überwinden laßt und Dinge thut, die nicht gut und nicht recht sind, so ist er zwar ein Sünder, ein Thor, er hat aber deßhalb noch kein böses Herz. Derjenige aber, welcher sich von Gott und Seiner heiligen Lehre abwcndct ganz und gar, bei jeder Gelegenheit den bösen Neigungen seines Herzens nachgibt, unablässig den Gütern dieser Erde nachjagt, nur nach Reichthum und Ehre strebt, von Gennßsncht besangen ist und das Wohlleben zum Ziele seiner Wünsche rnacht, dem kein Mittel zu schlecht ist, wenn es gilt, seine Neigungen zu befriedigen und seinen Leidenschaften uachzugehen, der verdirbt sein Herz immer mehr, bis cs am Ende keiner guten Regung mehr fähig ist. Das ist der schlimme Weg, von dem der Mensch sich fernhalten soll, das ist das böse Herz. In Bezug darauf hat der weise König gesagt (Mischte C. 4. V. 19): Der Weg der Frevler führt sie in die Finsterniß, so daß sie gar nicht mehr merken, wodurch sie straucheln. Ein solcher Mensch hat keine Liede zu Gott und keine' für die Mitmenschen; er liebt nur sich allein und nicht einmal sich, sondern lediglich die Befriedigung seines Ehrgeizes, seiner Habsucht, seiner Genußsucht. Er dünkt sich zu sein der Mittelpunkt der Welt, und selbst seine nächsten Angehörigen liebt er nur um seiner sclbstwillen, insoweit sie ihm Nutzen oder Vergnügen bereiten. Er heuchelt Liebe seine» Eltern, solange sie ihm Wohlthaten erweisen können, seiner Gattin, solange sie die Lust seiner Augen ist, seinen .Kindern, solange sie ihm Vergnügen gewähren, seinen Freunden, solange sie ihm nützlich sein können. Der weise König schildert uns diesen Zustand in einem schönen Bilde. Er sagt (Mischle E. 26. V. 28): Wie irdenes Geschirr, mit Silberglätte überzogen, sind liebchciße Lippen und ein böses Herz. Aus dem Abfälle der Schlacken, die beim Silbcrschmelzen sich ergeben, kann man eine glänzende, gleißende Masse Herstellen: die Silberglätte. Wird ein ordinäres, irdenes Gefäß damit überzogen, so erscheint cs wie Silber. Wer aber einen solchen Becher in Gebrauch nimmt, dem zerbricht er unter den Händen. So sind die falschen Liebcsschwüre eines bösen Herzens. Wehe dem, der ihnen vertrant; was er für echtes Metall gehalten, das ergibt sich ihm bald als nutzlose Scherben. NS*

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