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Der Israelit · 1886-06-24 · Heft 50 (24.6.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 50 (24.6.1886)
Date
1886-06-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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S5 i Nisse bcr Schüler cnwncra füllen. Zn Wien und Prag bestehen zwar ähnliche Privatschulen „Talmud- Thora-Schulengerrannr, aber wie wenig können sie bei der in ihnen herrschendest mangelhaften Organisation leisten und wie wenig entsprechen stc dm gerechten Anfordernngen!*) Dadurch schon, daß diese Schulen hier wie dort in einem entlegenen Winkel des Ghetto nmergedracht sind, können sie zu keinem Ansehen gelangen. Tic Schüler setzen sich gewöhnlich ans verwahrlosten Kindern zusammen, die im Hanse kerne wie auch immer geartete Erziehung empfangen, die auch dadurch das Ansehen der Schule berrächUich schädigen. Aehnliche Klagen werden in Wien rmd in Prag laut Za, es ist sogar Thatsache, daß Eltern in besteier Lage, die ans den Umgang ihrer Kinder bedacht sind, sich eher zu Opfern entschließen, als daß sie dieselbe in die Ghettoschule schickten. Warum befreit man aber auch nicht die Schule, das köstlichste Erbe der Väter, aus dem beengenden Ghetto, in welchem sie, wie die Verhältnisse nun einmal sind, unbedingt nur Schaden nimmt und ihrer Auflösung cntgcgengehr V Das wäre ein Gebiet, ans welchem Eentralverein und ösierr. Alliance eine segensreiche und heilbringende Thätigkeit entfalte» könnten und sollten. Ist es nicht beschämend, daß die auologen Gemeinden Pesth, Berlin nicht nur Ncligionsschule», sondern auch jüdische Volksschulen erhaltend Tie Gemeinden Wien und Prag aber nicht einmal Religionsschnleu, wenigstens nicht solche, in welche auch Kinder besserer Häuser geschickt werden! Es ist wahrlich au der Zeit, hierin etwas Gediegenes zu bieten. Man errichte von Gemeindewegen Privatkurse für Religionsunterricht und lege die pädagogisch-didaktische Leitung bewährten und gesinnungstuchtigen Fachmännern in die Hand. Es könnte zumindest drei Mal wöchentlich au diesen Privatkurscu unterrichtet werden, an den schulfreien Tagen vielleicht noch eine oder zwei Stunden mehr. Wird dann dadurch, daß Lehrer und Schüler einen besseren Geist und vornehmen Ton mitbringen, diese Anstalt gehoben, so kann auf Schüler gerechnet werden, deren Eltern zu materiellen Opfern gerne bereit sind tmd die auch ihren Kindern religiöse Unterweisung angcdcihcn lasten wollen. Es würden demnach die Kosten, welche die Anstellung von Lehrern und die Miethlokalitäten erheischen, durch Schulgelder und freiwillige Gäben gedeckt werden. Es kann hier selbstredend der Plan zur Ereünng solcher Privatkurse für jüd. Religionsunterricht nur im Allgemeinen angedeutet werden. Das; aber nur *) In Lrziig auf die lahnnb-Jborn 2rt)Jilr in 20 i c u iöuncn wir zu unserer »Zrcudc coniiaiircit , da st sie ganz 2'0r;iiglichcs leistet. — Ked. ans diesem Wege dem Zudiffcrcmismus und dem Verfalle cnLgegengeardeiret werden kann, muß Zedermann zugeben. Durch Erelrung solcher Privatkurse würde der Asikc-Zehuda- oder Ecntralvcrem wahrhaft Erfolgreiches für Verbreitung jüdischen Wissens wirken. Und wir zweifeln gar nicht, daß die betreuenden Bcreinsvorsiände. von der Nothwendigkeit einer Reform überzeugt, ihrer bisherigen verfehlten Wirksamkeit eine andere Richtung geben werden, die eher geeignet sein wird, ihre gewiß edlen Intentionen zum Heile der religiösen Genossenschaft zu verwirklichen. Was frommt cs, wenn man arme jüdische Gymnasiasten <und nur diese, nicht aber Universitätshörer und Techniker) mit ritueller Kost versieht, und sie nicht zu dem lebendigen Quell religiöser Belehrung him'ührt, wo sie Nahrung für den Geist, für» Gemülh fänden? Wenn dann diese Gymnasiasten die Hochschule beziehen und nicht mehr rituelle Kost erhalten, so wird sich der Mangel an religiöser Bildung doppelt fühlbar machen. Aus dieser Jugend aber wird die zukünftige Elite der jüdischen Gemeinschaft hervorgehen. Können wir aber mit Sicherheit erwarten, das; sie imenlwegt in dieser Gemeinschaft verharren wird, kämpfend und duldend für eine Ucbcrzeugung, für eine Idee, die man in ihren Geistern großzuziehen unterließ? Was iss ferner mit gedient, wenn der Eentralverein cm Placirungsbureau errichtet, um jüdische.Commis jüdischen Geschäftshäusern, jüdische Kinder dem Handwerke zuzuführen, wenn andererseits nicht dafür gesorgt wird, daß diese jungen Leute auch jüdisch bleiben, im jüdischen Geiste leben sollen. Da wäre es schon ersprießlicher, wenn der Eentralverein diese seine Thätigkeit dahin beschränke, daß er fromme junge Leute in Geschäftshäusern unterbrächte, die die Säbbatfeicr beobachten, für solche junge Leute, und deren gibt es in jeder großen Stadt einige, wenn auch nicht sehr viele, könnte dann der Afike - Jchuda-Verein einen Chumischodcr Mischnajotkurs einrichten. Tatsächlich aber ist das Verhältniß ein umgekehrtes. Geschäfte, die am geschloffen sind, halten junge Leute, denen die Beobachtung des nzv nicht Herzenssache ist; hinwiederum sind fromme junge Leute, der Roth gehorchend, oft in Geschäftshäuser besoldet, die am rid? nicht feiern. Dieses umgekehrte Verhältniß durch eine entsprechende agitatorische Thätigkeit auszugleichen, wäre ein verdienstliches Werk, das mit Glück zu Ende zu führen der Eentralverein vor allem berufen wäre. Wir hoffen und erwarten, daß dieser Appell im Kreise des Eentralvereins lebhafte» Anllang und nngelheiltc Zustimmung erlangen wird. ' ----7 —. --. ""

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