Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1886)
- Date
- 1886-06-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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wipcn rvU, dcr nur bnn Oknmic lebt unb nicht daran denkt, seinen Pflichten aus Erden nachznkommcn — cr muß die Folgen kennen, die ein solches Gebühren uothwendig nach sich zieht. Wie der böswillige SchuldenmaLer bicnicden der gerechten Strafe nicht curgebk, ebenso verbä!t cs sich mit dem, welcher Gort gegenüber nur.'Schulden macht, aber nicht daran denkt, den Verpflichtungen nachznkommcn, die der Allmächtige ihm aufgelegt bat. Das ist der böse Weg, von dem dcr Mensch sich entfernen soll. Du bist, o Mensch, bevorzugt vor allen Geschöpfen, ba* Meisterwerk bc* allmächtigen Schöpfers. Du baft eine» vollendeten Körperbau, einen anfrechtcn Gang, eine freie Stirn, kunstfertige Hände. Gort hat dir Geist von Seinem Geist eingchancht, dich mit Verstand nnd Vernunft begnadet. Gott hat dir die Gabe der Rede verliehen. Für all diese Wohlthaten verlangt Gott weiter nichts als Gehorsam nnd Liebe. Verweigerst du diese, so bezahlst du deine Schulden nicht nnd wirft einst dafür büßen mühen. — Viel zahlreicher noch sind die Wohlthaten, die Gott unsrem Volke erwiesen hat nnd täglich noch erweist. Er hat Israel erwählt ans allen Völkern dcr Erde nnd cs zu sich emvorgchobcn. Er hat uns behütet nnd beschürzt in allen Leiden und Drangsalen. Während alle Völker des Alretthums im Lause der Zeiten dahingeschwnndcn, ist Israel allein in wunderbarer Weise gercttcr worden. Er hat uns die Wahrheit offenbart, durch Seine heiligen Gebote unser Leben gestaltet zu einer Vorbereitung für die ewige Seligkeit. Alle diese Taufende nnd Monaden Wohlthaten hat Er uns erwiesen, nnd wir sind Ihm dafür Gehorsam schuldig. Tic göttlichen Wohlthaten werden uns im Voraus zu Thcil; sie sind gleichsam Schulden, die wir durch cin gottgefälliges Leben, durch gute, edle Thatcn zu bezahlen haben. Wer nicht daran denkt, seinen Verpflichtungen nachzukommen, der ist auf schlimmem Wege nnd geht dem ewigen Verderben entgegen. :wn *ro c'.pcn p mb dinh p ntn irw „Ebenso, wer da borgt von Menschen, wie der, welcher borgt von dem Allgcgenlvärtigcu, gelobt sei Er." Der hier gewählte Gottcsnamc mpn bedarf der Erklärung. Die ursprüngliche Bedeutung ist „der Ort." Als Jakob das Vaterhaus verließ, da heißt cs von ihm 0. B. M. E. 2*. V. 11 n. 12): lind cs ging Jakob von Vccr Scheba weg. um nach Ha ran zu wandern c*p3 yx*?. Wörtlich überseht heißen diese zwei Worte: „nnd er kam an bm Ort." Unsre Denen erklären: »und er betete zu Gott." Im Midrasch (Rabbah <L 68) wird diese Erklärung näher ansgeÄhn. r.'Epn Pr 'rr prr rsees irs -cs n ese .-~i -C'ps :ep> 2P > rr N*mr P'72 rv pnp cp irr rp r.pn ">n ,tj* mp mrirrTr; rr p :*7p 'CPlJ? pC „Raw Huna sagte im Namen des Raw Ztmi: Wan»» legi man dem Heiligen, gelobt sei Er, den Namen Mokom (Ort) bei? Weil Er ist der Ort dcr Welt, weil die ganze Welt in Ihm ist. So heißt cs auch (2. "28.' M. E. U3. V. N). Nnd cs sprach der Ewige: siehe, der Ott ist bei Mir, das heißt: Ich umsaffc die ganze Welt, aber das Weltall kann mich nicht umfahen. (Vergleiche auch Raschi daselbst). Mit dem Gottcsnamcn Makom (Ott) wird demnach das ansgedrnckt, was man in der Philosophie als Panentheismus bezeichnet. Alles ist in Gott: die Welt, die Er erschaffen, hat in Ihm ihren Ort, aber nicht Er in Seiner Welt. — Unsre Weisen treten damit einem weit verbreiteten Irrthnm entgegen, dcr sich Gott als die Weltsecle vorstcllt. Gott ifMncljr als das; die Welt ist in Ihm, aber das Weltall vermag Ihn nicht zu umfassen. Daher soll dcr Mensch nicht die trügerische Vorstellung haben, wie wenn er dem göttlichen Gerichte entgehen könnte. Wenn er auch ans dieser Welt entflicht — dem Allgegenwärtigen kann er nicht entrinnen, dcr ihn im Jenseits zur Verantwortung ziehen wird. Daher soll der Mensch suchen, hicniedcn seinen Obliegenheiten nachznkommcn, damit er einst am Gerichtstage Erbarmen und Gnade finde vor dein Richter des Weltalls. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deuts ch l a n d. Mainz, 22. Juni. Von Sr. Königl. Hoheit, dem Prinzregcntcn Luit pol d von Bayern, sind wir mit einem Handschreiben beehrt worden, in welchem Höchstderselbe uns für den in Nr. 17 nnd 48 des „Israelit" enthaltenen Nachruf ans des Höchstseligcn Königs Majestät gnädigst zu danken geruht. Unsere geehrten Leser werden sich mit uns freuen, daraus zu erkennen, daß Bayerns neuer Regent den Israeliten dieselbe Huld und Gnade znwendet, wie dcr unvergeßliche und tiefbetranette König Ludwig II.