Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1886)
- Date
- 1886-06-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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854 Wahl bcr Ausdrücke und dergleichen, während alle Versammelten. die zum ThcÜ aus weiter xcmc hcrdcigccilt waren, in den Grundsätzen vollständig übcreinstimmtcn. Aach langer und eingehender Bcrarhnng wurden die Sranucn einstimmig acccptin. Auf Amrag des Herrn Provinzialradbiners Tr. Kor cs ausHanau wurde das bishenge provisorische Comirö zum geschäsissührcuden Aussämst erwählt. Herr Rabbiner Tr. Lehmann aus Mainz sprach dann, unter freudiger Zustimmung der Lersammelren, dem ehrwürdigen Begründer des Vereins seinen Tank aus, wünschend, daß Herr Rabbiner Hirsch '"2 noch eine lange Reihe von Jahren als Präsident des Vorstandes der Bereinigung zur Zierde gereichen möge. — Tem geschäftssührenden Ausschuß brachte für denen neue Mühewaltung Herr Rabbiner Tr. Marx aus Tarmftadr den Tank der Versammelten dar. Auster dem ans sechs Mitgliedern bestehenden, geschäftsführenden Ausschuß wurden noch irr Herren aus allen Gegenden Deutschlands in den Vorstand gewählt. Möge cs der freien Vereinigung gelingen, ein Band der Liebe und Brüderlichkeit um die gesctzcstreuen Bekenner unsres Glaubens zu schlingen und die wahrhaften Interessen des orthodoxen Iudcuthums nach allen Seilen hin zu fördern; das walte Gott! — Die Sprüche der Jäter. II. Buch, zweite Abthciln » g. XV. Mainz, 21. Juni. Rach Rabbi Herz Wesel (Hartwig Westcln) haben wir den von Rabbi, ^chimeon den Neßancl angeführten Psalmvers (Ps. ll7. B. 2I > in anderer als der oben angegebenen Weise zn erklären. Tem Zusammenhänge entsprechend, bezieht sich der Vers ans das Verhältnis; des Menschen zn seinem Schöpfer. Zahllos sind die Wohilhaten, die Gott dem Menschen im Voraus erweist und für die der Mensch seinem Schöpfer zu Gehorsam und Danke verpstichrct ist. In Folge dessen stehen wir in großer Schuld bei unserem Vater im Himmel und haben dieselbe, Seinem heiligen Willen gemäß, durch ein gottgefälliges Leben und durch sorgfältige Erfüllung unserer Pflichten abzutragcn. Wer nicht daran denkt, seinen Verpflichtungen nachzukonuncn, heißt ein ein Böscwicht, wer aber sich stets bemüht, seine Pflichten zu erfüllen, wird ein p~?s, ein Gerechter, genannt. König David bezeichnet nun in dem in Rede stehenden Verse die beiden äußersten Gegensätze, irr* X77 pn den Böscwicht, der nur genieße:: und genießen und nichts dafür leisten will, >-\r;rr. p^sr. und den Gerechten, der nicht allem alle Obliegenheiten sorgfältig aussuhrr, sonder« \n% :nr noch mehr rhut als seine Pstichr erheischt, rndcur er nach allen Scircn hin wohlrhäng wirkt und den nstdleidcndeu Brenschen seine milde Hand öftnct. Unsre Weisen erzählen uns in: Midrasch in Bezug daraus ein schönes Glcichniß. In einen großen Gastdos, in welchem unzählige Fremde verkehren und Tausende von Dienern bcrtfi Wünsche zu erfüllen stets bereit sind, kamen zwei Männer. Ter Eine wählt ein bescheidenes Plätzchen, bestellt ein einfaches Mahl und zwei Becher Wein, den einen, während' der Mahlzeit zu trinken, den andern zum Tischgebet. Nachdem er gegessen und getrunken, bezahlt er das Wenige, was er genossen, und zieht in Frieden von dannen. . Ter Andere aber wählt sich den dessen Platz am schönsten Tische. Lärmend ruft er die Kellner herbei, läßt sich Alles aufzählen, was die Küche beut, wählt die besten Speisen, die kostbarsten Getränke. Nichts ist ihm gut genug, und Alles zu wenig. (Endlich ist er gesättigt bis zum Ucbermaß; dann tvill er sich heimlich davonschlcichen. Aber die Kellner bemerken ihn, halten ihn fest und rufen den Wirth herbei, der den betrügerischen Gast der gerechten Bestrafung überliefert. — Der große Gasthof ist die Welt, und die Gäste sind die Menschen. Ter fromme Gast stellt nur geringe Ansprüche an das Leben, und was er genießt, sucht er zn bezahlen dadurch, daß er in der Thora forscht, daß er Gottes heilige Gebote beobachtet und seinen Mitmenschen nach Kräften Gutes erweist. Ter Löse aber will nur genießen und denkt nicht daran, durch gute Thaten die Schuld bei seinem Vater im Himmel zu tilgen. Wen» nun die Zeit herankömmt, da die Menschen aus diesem Leben scheiden, so wird vom Cigcnthümer des großen Gasthoses, als welche die Welt in »nfcrcm Gleichnisse dargcstcllt wird, so wird vom Heiligen, gelobt sei Er, das Conto verglichen. Der 'Fromme, der bezahlt hat, was er genügen, scheidet in Frieden und geht ein znm ewigen Leben; der böswillige Schuldner dagegen wird der gerechten Bestrafung zngeführt. Das ist das Verhältnis; des Menschen zu seinem Schöpfer, ltnb anlchnend an diesen Psalmvers dehnt Rabbi Schirneo» dasselbe auch aus die Mitmenschen ans. Cs ist dies das am meisten in die Augen fallende Beispiel von dem Richtbeachten der Folgen, trotzdem man sie kennt. Der Bösewicht, der von Gott und Seiner heilige« Lehre nichts j