Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-06-21 · Heft 49 (21.6.1886) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 49 (21.6.1886)
Date
1886-06-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449646--24489-2514294
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

846 iaimntiirineil über die ganze Anlage der ZeiLschrist nicht zu frören. Wie die Leser wissen, erklär: der Herausgeber in den: Prospekte, und zwar in ferrem Drucke: „Der Ebarakrcr der Zeirschrisr in ein wissenschafrlicher. Dieselbe wird von vornherein jeden Versuch adweisen, in die polnischen oder religiösen Fragen der Gegenwart einzugreifen." Einzig und allein gestützt auf dieses Programm, haben die jüdischen Gemeinden ihre rhcils namhaften Beiträge der historischen Commission des D. I. G. B. bewilligt, und nun höre und lese man, wie sich „von vornherein" die Zeirschrisr in der ersten Arbeit des ersten Heftes „Mendelssohn und das Iudenthum" von Tr. Anerbach vernehmen laut: „Daß Gott nur die Hingebung des „Herzen s" sordert, haben nicht nur die Propheten, sondern auch die Gesexeslehrer ausgesprochen und wurde von Mendelssohn als selbstverständlich betrachte: und auch deutlich hcrvorgehoben... Tie neuere, mit Leopold Zunz beginnende Wissenschaft des Indcmhnms erkennt nach der Auffassung Abraham Geigers in der Tradition das Prinzip des lebendigen Geistes und des Fortschrittes jnach veränderten Verhältnissen und leitet ans ihm die Berechtigung zu der von Vielen erstrebten Umgestaltung her^ wie sie in unserer Zeit unabwcislich geworden ist und theilweise auch schon begonnen hat. Diese Wissenschaft hat sich die Aufgabe gestellt, die Grundgedanken des Indcnthnms in ihrer Tiefe zn erfassen, und darauf hinzuwirken, dast jeder Zwiespalt zwischen Leben und Ueberzengnng aufhöre. Die Männer dieser Richtung kämpfen auf das entschiedenste gegen die durch äußeren Forurcudienst entstehende verderbliche Werk!)eili gkcit, fordern überall volle innere Wahrhaftigkeit, wie sie dem Geiste und der Geschichte des Indcnthnms entspricht, und dringen ans Beseitigung aller Mistbräuche (!) und veralteten Formen. Die Reformbesircbungen im heutigen Indcnlhum sehen das Werk Mendelssohns fort (!!!) und sind in seinem Geiste dahiugcrichtct, den . alten Gegensatz zwischen prophetischem und gesetzlichem Iudenthum von Grund aus zu überwinden." So ungeheuerlich gleichgiltig uns auch die Ansicht des Herrn Dr. Jakob Auerbach, Lehrer an der Philantropin in- Frankfurt, sein kann, so laut und vernehmlich müssen nur jedoch „von Vornherein" gegen den Versuch Protestiren, die von dem Gelbe der Bekenner aller Richtungen begründete und erhaltene Zeitschrift zu einem Parteiorgan der Reformjnden herabsiukcn zu lassen. Der Ansrns zur Zeichnung von Beiträgen verocistt eine „ftrengwinenschafrltche" Zeitschrift, die nimmer in die religiösen Fragen der Gegenwart rrrrgreiftn will, und schon das erste Heft wagt es. Tausende von Glaubensgenossen, welche genau die „volle, innere Wahrhaftigkeit" wie die Epigonen Abraham Geigers besitzen, in ihren heiligsten Ueberzengungen auf das gröblichste zu verletzen. Ter Inhalt des ersten Heftes gestaltet einen Schluß auf die zukünftigen Produkte. Gerade die gcsctzcsrreuen Blätter haben in erster Reihe die Ankündigung der Zeitschrift freudig begrüßt und alle Zweifel ihrer Leser zu beseitigen versucht; wir richten an das Präsidium des T. I. G. B. den wohlgemeinten Appell für die Zukunft jeder religiösen Poleunk, auch wenn sie im Gewände der Wissenschaftlichkeit auftritt, de» Eingang zu der Zeitschrift zu sperren, denn ciucFortsetznng dieser unberechtigten Augrme dürfte die weitere Existenz der Zeitschrift auf das crnstlichste gefährden. Berlin, 15. Juni. Welche köstlichen Blüthen des Tages Hitze zu treiben vermag, beweist eine soeben erschienene Schrift des Straßburger Prosessors Fr icbr. Wilh. Touffaint „Der moderne Staat und das Iudenthum" (Soziale Streitfragen, Minden i. W. Bruns Verlag 1886, 12. Heft), in der es also heißt: .. Eine allgemein befriedigende Lösung der Semitenfrage wird und muß auf eine oder die andere Weise gefunden werden, und hierzu gibt uns der Gedanke, welcher den Verheißungen der Juden denselben eine eigene Nationalität, also einen jüdischen Staat in Aussicht stellt, einen positiven Anhaltspunkt zu folgender politischer Kombination. Mit Hülfe des spekulativen Sinnes der Inden und der ihnen zur Verfügung stehenden Geldmittel, sowie des Einflusses, welchen dieselben nicht nur auf die öffentliche Meinung durch die Presse, sondern auch auf die Förderung der Wissenschaften und indirekt auf die Staatsgeschäfte in den Parlamenten der Großftaaten besitzen, kann cs nicht schwer halten, in allen Welttheilcn die Bestrebungen zu fördern, welche zur Zeit dahin gerichtet sind, gut gelegene Seeplätze mit einem gehörigen Strick Landes zn erwerben; diese Kolonien zur Einwanderung und Ansiedelung, bezüglich zur Organisation von Handelsrepubliken, für welche sich im Hinblick auf die neuesten politischen Errungenschaften der Belgier, Engländer und Franzosen in Afrika und Asien namentlich die ncnentdcckten reichen Hinterländer der Westküste Afrikas empfehlen dürften, werden solange unter den Schutz der Seemächte oder ihres Mutterlandes gestellt, bis cs denselben gelungen ist, gestützt aus die eigene Kraft und ans die angeleitete produktive Thätigkcit *- »Tk i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.