Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1886)
- Date
- 1886-06-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXV1L Jahrgang. tzrUage ju Ar. 49 itrs Israrlit. Zeitungsnachrichten und Corrcspoudeuzen. Deutschland. Würzbnrg, 8. Juni. Vorgestern starb dahier der kgl. Advokat Dr. Ohles heim er, der dem hiesigen jüdischen Spirale in seinem Testamente sein ganzes Vermögen im Betrage von 65,000 Mark vermacht hat. Fürth, 10. Juni. Das „Fürrhcr Tagebl." berichtet: Gestern Nachmittag hatte ein schulpflichtiges Knäblcin das Unglück, nächst dem Fronmüllcrsstcg in die llicchnitz zu fallen. Schon schwebte sein Leben in äußerster Gefahr, als plötzlich Herr Rabbiner Dr. Neubörger, der des Weges daycrkam, in den angcschwoücncn Fluß sich stürzte und mit eigner Lebensgefahr das dem sichern Tode geweihte Kind den Wellen entriß. Berlin, 11. Juni. Ausgcwicscn aus Berlin als nicht naturalisiner Ausländer ist der jüdische Klcidcrhändler Da Hut, welcher seit 12 Jahren in Berlin ein Herren- und Knabcngadcroüengeschäft betreibt. Ter Ausgcwicsene hat eine Frau und sechs Kinder. Derselbe hat niemals, weder zu Sozialisten noch zu Polen, in Beziehung gestanden. Tic Geschäftsleute, welche mit demselben verkehrt haben, geben ihm das Zcuguiß eines ordentlichen und fleißigen Geschäftsmannes. Berlin, 13. Juni. Das erste Heft der vom Prosenor Dr. L u d w i g G e i g e r im Aufträge der historischen Kommission des Deutsch-Israel. Gemcindcbnndcs herausgcgcbcncn „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" ist soeben erschienen, und ich beeile mich, Ihren Lesern kurz von der Tendenz und dem Inhalt desselben Kennmiß zu geben. Die Zeitschrift, so heißt cs in dem beiliegenden Prospekte, wird Abhandlungen und Forschungen, Mitthcilnngcn von gedruckten oder schwer zugänglichen historischen Materialien, (Urkunden, Briefen, kleineren geschichtlichen Darstellungen) Mideellen (kürzeren kritischen Bemerkungen verschiedenen Inhaltes) und bibliographische Nachrichten, Beschreibungen von Handschriften und Auszügen aus denselben enthalten. Der Eharattcr der Zeitschrift ist ein wissenschaftlicher. Dieselbe lvird von vornherein jeden Versuch abweifen, in die politischen oder religiösen Fragen der Gegenwart einzngreiscn, ebenso den, das Judemhum vergangener Tage apologetisch zu erklären, (worauf auch das Judemhum vergangener Tage bestens verzichten zu dürscu glaubt). Sie will mit wiffcnschaftlichcr Ruhe und Objektivität die politische, sociale und ökonomische Stellung der Juden in Deutschland untersuchen, die innere Organisation und Thätigkeir der Gemeinden darstcllcn, und den Anrheil der Inden an der geistigen und Eultusarbeir des deutschen Volkes ermitteln. Sic lenkt ihre Aufmerksamkeit aus die vielen und wcrrhvollcn handschriftlichen Schätze, die in den städtischen und staatlichen Archiven verborgen sind, die in den Archiven der jüdischen Gemeindend und im Privatbesitze unbekannt und vernachlässigt liegen. Das erste Heft, welches den Manen Moscs Mendelssohns geweiht ist, bringt einen auch für den Laien verständlichen, längeren Aufsatz von Dr. Jakob A ucrbach: „Moses Mendelssohn und das Judenthum," und eine kürzere Arbeit: „Mendelssohn und die deutsche Literatur" von Dr.' Frau z M u n ck e r. Hieran schließt sich ein gehaltvoller , streng wiffcnschaftlichcr Aussatz: „Zur Geschichte der Inden in Köln," von dem hiesigen Privatdoccnten Tr. Höningcr, sowie eine Reihe kleinerer Miscellen: „Ein getaufter Jude als Bischof von Metz," von I. Aron ins (26 Zeilen), „Juden und Mongolen 12-11" von Harry Brcßlan, „Hebräischer Druck in Deutschland," von Moritz Steinschneider. Einige unbedeutende Nachrichten beschließen das acht Druckbogen starke Heft. Bringt auch das Heft weiters keine bedeutsamen Neuheiten, ja , bis auf den Aufsatz von Hönigcr und die wenigen Miscellen mir littcrarhistorische Essais, so ist doch der erste Anfang als ein günstiger zu begrüßen und man darf dem Erscheinen der weiteren Hefte mit Vergnügen entgegensetzen. Von der gcsamnucn „Historischen (5ommission" scheint sich vorläufig außer Pros. Vrcßlau kein Mitglied aktiv bctheiligcn zu sollen; es wäre erfreulich , Zn den nächsten Heften auch einmal den Erzcngnipcn eines Stobbc, Wattenbach, oder Weizsäcker zu begegnen. Ter Preis der Zeitschrift ist (vier Hefte acht Mark) ein mäßiger zu nennen. Bl. Berlin, IT Juni. Zn dem Berichte über das erste Heft der „Zeitschrift für die Geschichte der Inden in Deutschland" habe heute noch einen kleinen Nachtrag zu liefern, den wir gesondert von dem ersten Referate geben, um das günstige Ge-