Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1886)
- Date
- 1886-06-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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2>er <Hn$dbrcnni, te:e einer?u bakrudci» Kslontül» arm ec, Handel imb (^eserbr sair? nach ihrrrr? GefMc« gesetzlich und nrrrT^fersfrltd} zu orgGsmres. Es würden dieses Scevläve mir ähnlichen. UGCÜid-cn Zuffimtionc:: km, *?ic üt Z.B. bei den rtGlicniiuic-n Republiken, Venedig nnb Genua, tcfiünbcn haben und unter betn Schule der noidamerikauffch-cn ^r£u ftüatcn heute in ber Revublik Liberia bestehen. Bon diesen Punkten ans würden sie ihren fluB auf die Geschäfte der Welt geltend zu machen haben. Ist ihnen diesem gelungen, dann 'haben sic bewiesen, daß ihre Rasscneigcnihümlichkcit nicht nur einen materiellen, sondern auch einen politischen, staatbildcndcn Hintergrund dar, und sie werden der Menschheit.in dieser handelspolitischen Bcrmittlcrrolle, namentlich auch mit Rücksiäa aus >!c Förderung der Kultur in barbarischen und halbbarbarischcu Ländern einen sehr großen Dienst erweisen. Tenn unsere Kolonralbesncbungcn können in den Ländern der heißen Zone doch nur durch kaufmännische Unternehmungen gefördert werden, und in diesem Punkte wird uns der angeborene Geschäftssinn der Israeliten, ja selbst die materielle Lcbcnskräftigkeit ihrer Ralle von großem Nutzen sein. Als Beweis hier diene die Thatfachc, daß cs in den portugiesischen Kolonien Guineas thatsächlich schon schwarze Juden geben soll: auch Profepor Dr. Birchow sprach ans der 58. Bcrsammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Straßburg die Meinung ^ans,"daß ^üeSrmireit zur Kolonisation in der heißen Zone sich bcncr eignen, als die Germanen. Ihre Bedeutung wird aus diesem Gebiete den Charakter einer eigenen Nationalität erhalten und durch diese Thatfachc allen ihren in der ganzen Welt zerstreut lebenden Angehörigen nicht nur in politischer, sondern auch in gesellschaftlicher Beziehung eine bessere Stellung verschaffen. Eine derartige Lösung der Scmitcnfragc verträgt sich auch mit der ganzen Würde unseres Zeitalters und gibt denjenigen Inden, welche nicht geneigt sind, ganz in den Geist des (5hristcnthums auszugehen, Gelegenheit, die Eigenartigkeit ihrer Ralle in ihrem speziellen Interesse und zum Segen der Gesammthcit zu verwerthen. — Freilich sind die Aussichten ans eine derartige Bewegung in der jüdischen Bevölkerung des Kontinents zur Zeit nicht groß, weil sic gewohnheitsmäßig nur von bereits fertigen Verhältnissen Nüven ziehen wollen. Aber cs unterliegt keinem Zweifel, daß der Impuls, welcher Dank dem energischen imb genialen Borgange 'unseres Reichskanzlers durch die neuesten Kolonialbestrcbnngen nach überseeischen Ländern hin gegeben worden ist, auch von unseren jubifd'ui Mitbürgern nach Kräften benutzt und dieselben zu neuen Hmiselsunterr-chmMZen und auch zu einer erweiterten industriellen Thätigkeir anspsrneu wird.... * Man wird die interessanten bombinaüonen des Straßburger Professors, so gut sie auch gemeint lein mögen, nicht ernsthaft nehmen wollen. Seit wann cxistirt denn überhaupt die „Semitenfrage", welche nach Herrn Professor Toussaint „auf eine oder die andere Welle gelöst werden muß V Wenn wir nicht irren, seit den Hetzschriften Marts und den Bicrreden der Herren Grüncbcrg und Stöcker, und um dieser chrcnwerthcn Gesellschaft willen sollten wir das Feld räumen? Nein, Herr Profcnor, nichts, absolut nichts hindert uns überall, wo wir nach göttlichem Worte zerstreut leben, unsere geistigen und sozialen Kräfte zu entfalten. Weiter, wie bisher, wollen wir theilnehmen an dem friedlichen Wettbettiebe der Völker, in deren Mitte wir wohnen, weiter, wie bisher wolle» wir in Kunst und Wmcnschast, im Handel und Wandel eifrig mitstrcben und das Eulturwcrk der Menschheit vollenden helfen, weiter, wie bisher wollen wir als treue Staatsbürger an der altüberlieferten Glaubenssatzung anhangen und, ohne Messiasstüriiicr zu sein oder gar „in den Geist des Christcnthums aufzugchen",' ruhig den großen Tag abwarten, der alle Grdensöhne zu einem Gebete verbindet. Meint aber Professor Toussaint trotz alledem und alledem, daß die Semitenfrage „auf eine oder die andere Weise" gelöst werden müsse, so geben wir uns die t5i)i*c, ihm folgenden praktischen Vorschlag huldvollst zu unterbreiten. Dw-Rasscnhctzer aus aller Herren Länder werden aus ein paar Dutzend Schiffen nach den neuen afrikanischen Handelskolouini befördert, dort wird eine große Autisem it enrcvublik gegründet, Hofprediger Stöcker wird Präsident derselben, und — die Iudcnfrage ist gelöst. Bl. Dresden, I I. Juni. Der Ankündigung der Zahlungseinstellung des bekannten hiesigen Äntisemitensnhrcrs Egon Pinkert-Waldegg ist die amtliche Konkurserklärung ans dem Fuße gefolgt, am Mittwoch früh wurde dieselbe veröffentlicht und Abends erschien — keine „Deutsche Reform" mehr; das edle Organ ist für iinmer entschlafen. So interessant dieses Borkommuiß nach verschiedenen Richtungen hin ist, so würde ich doch zu einer Korrespondenz für Ihre Zeitung keine Veranlassung sehen, wenn dasselbe nicht den tragikomischen Abschluß einer siebenjährigen Indenhetz-Eaiiipagne in Dresden bildete - topisch für die Worte und Thaten der „Reformer" im Allgemeinen. Herr Alexander Pin-