Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1886)
- Date
- 1886-06-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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$42 >n hciiöihcii mib bei dieser Gelegenheit sprach er sich über die Inden in der folgenden Weise aus: „Wenn wir nach Zcngmncn aus alter Zeit für das in Rede flehende Gcfck suchen, so müstcn wir uns vor allen Dingen zur Geschichte und Literatur der Juden wenden. Wir haben G. s. D die alte Abneigung gegen die Inden verloren, welche das Unglück de« mittelalterlichen GhristenthnmS gewesen ist. und wir waren empört als wir in jüngster Zeit ein. Wiederauskommen derselben in einigen europäischen Ländern wahrnahmcn. Wir haben Juden in beiden Häusern des Parlaments zugclaffen. Sie wurden geehrte Mitglieder nuferer Gesellschaft und erfüllen, wie es viele Ghriüen nicht gethan haben, die höchsten bürgerlichen Pflichten nnd die höchste Aufgabe der Wohlrhätigleit. Gs ist jedoch zu bedauern, dast die Gefühle früherer Zeiten nicht gänzlich erstickt sind. Gs gibt Leute, welche fragen, warum wir in dieser Angelegenheit die Inden uns als Richtschnur nehmen sollen, da diese doch mir ein kleines, unbedenlendeS Volk aus dem entlegensten Westen Asiens seien. Cs ist wunderbar, das; Leute so sprechen, als hätten sie zuerst entdeckt, das; die Juden als Volk selbst nur unbedeutend waren. Wie sagte denn Moses zn ihnen? „Der Herr hat weder seine Liebe Guch zn gewendet noch Gnch anserwählt, weil Ihr zahlreicher seid als andere Böller." Ihre grössten Männer wiederholten immer nnd immer wieder, das; sie nur klein und unbedeutend seien nnd zogn die Schlussfolgerung, das; eine höhere Macht über ihnen walten müsse, weil sonst ihre anstcrgcwöhnliche Geschichte unmöglich sich so entwickeln könnte. Gerade von den Lords, die doch als Vertreter des Princips der Grblichleit vorzugsweise gelten, dürfen die Juden besondere Beachtung fordern. Was sind ihre Adelstitel im Vergleich mit der Abkunft der Juden? Sie sind stolz, wenn sie ihren Stammbaum auf die normannischen Gröberer, oder auf die Angelsachsen znrückführen können — Zeiten, die dem Alter der Inden gegenüber wie gestern sich anhören. Gs ist unbegreistlich, wie man verächtlich von den Juden sprechen kann. Welch ein Wunder ist allein ihre Erhaltung als ein besonderes Volk! Man sagt zwar diese Grhaltnng sei eine Folge natürlicher Ursachen: dem kann wohl so sein; wenn jedoch soviele natürliche Ursachen zur Grhaltnng eines einzigen Volkes beitragen, so darf man an einen ü b e r n a t n rlichen Ginflnß glauben. Mchaer. *) Erzählung von .3. Kobn. ^:«ian«Mwn V~abr ic L Grftcs Kapitel. Gin ranbcr Novembertag dcS Jahres I7S*> geht eben zn Gnde. Tie Ghcnobewohner in dem kleinen mährischen Städtchen W. kehren von einer Leicheubestattung, von dem Bes hachajim, dem Haufe des Lebens, wie die Inden den Friedhof cigcnthümlich schön umschreibend, neunen, in die Indenstadr zurück. — Ginige nähere Bekannte, Männer nnd Frauen, waren in der, im Gckhausc der Iudengasie gelegenen, ebenerdigen Wohnung des Leidtragenden, Reb Aron Brack, eingetreten, um ihn und seine ticsgcbengte Frau nach bester Möglichkeit zu trösten. Die trauernden Ghcgatten hatten sich nach der rabbinischen Vorschrift ihrer ledernen Funbekleidung entledigt, dafür Strohschnhe angelegt nnd sich auf niedrige Schemel gesetzt. Gine gutmüthige Nachbarin brachte — da ^eiuem-Gebraucke zufolge, die von dem Bcgräbniste heimkehrenden Leidtragenden die erste Mahlzeit nicht ans ihren eigenen Mitreln bestreiten sollen — eine Juamie Maffcc, ein schon damals beliebtes, aber noch uiitir ganz allgemein verbreitetes Getränke, nnd einen Teller Backwerk und fetzte beides auf de» Stühlen nieder, die vor den Schemeln der Leidtragenden standen. Sara konnte der freundlichen Nachbarin, für die mit Herzlichkeit gereichte Liebesgabe, nur durch einen warmen Händedruck danken; aber sie vermochte nicht einen Bisten oder Tropfen hinunterznbringen, die stehle war ihr wie zugeschnürt. Reb Aron nahm artigkeitshalber ein kleines Stückchen nnd einen Schluck Kaffee. Die Besucher eines Leidtragenden sollen nicht da« Gespräch eröffnen; sondern dieses dein Trauernden überlasten; eine Gepflogenheit, die einen tiefen Sinn har. Der Talmud spricht unter andern vielen schönen Wahrheiten auch diese aus: Kein Mensch vermag cs. die geheimen Gedanken seines ^kdrr Nachdruck wirb mir aller Strenge verso! gl werben, Uebcrjet-nngsrechlk Vorbehalten. 1) («HUbatci».